Kommentar zu Reinhard Grindel

Ein Wadenbeißer muss her

Rotenburg - Von Matthias Freese. Reinhard Grindel hat von seiner Bundeskanzlerin gelernt. Der aktuelle Top-Favorit auf das Amt des DFB-Präsidenten „merkelt“, wie es in der Jugendsprache heißt.

Matthias Freese

Dabei will Fußball-Deutschland endlich wissen, von wem es bald „regiert“ wird. Doch Grindel kommt nicht recht aus der Deckung, er bleibt auch als Sportfunktionär ganz Politiker. Nun gibt es einige Beispiele, dass Politiker, deren Karriere in Berlin in der Sackgasse steckte, sich dem Sport zugewandt haben. Rudolf Scharping, der einst gescheiterte Kanzlerkandidat der SPD, ist als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer der prominenteste Vertreter. Aber taugt CDU-Mann Reinhard Grindel zum Boss des weltgrößten Fußball-Verbandes?

Gebraucht wird angesichts der aktuellen DFB-Affäre um die WM-Vergabe 2006 einer, der nicht mit im Sumpf steckt. Gebraucht wird auch kein Schönspieler, kein „Zehner“, sondern ein Wadenbeißer, ein „Sechser“, um im Fußballjargon zu sprechen. Als innenpolitischer Hardliner mit Ellenbogen-Mentalität hätte Machtmensch und Quereinsteiger Grindel diese Fähigkeiten. Doch als Fußballfunktionär hat er sie bisher noch nicht bewiesen und blieb bisweilen nebulös. Transparenz lässt der Schatzmeister auch vermissen, wenn es um die Gemeinnützigkeit seines steuerbefreiten und wohlhabenden DFB geht. Alle Zahlen legt der Verband nicht einmal seinen Mitgliedern vor.

Grindel muss jetzt zeigen, dass er wirklich ein Aufklärer ist – die mögliche Präsidentschaft bietet ihm dazu die Möglichkeit. Die Landesfürsten scheint er auf seiner Seite zu haben, aber kann er, dem wenig Fußball-Sachverstand nachgesagt wird, auch die Liga von sich überzeugen?

Dass er im Falle einer Wahl sein Bundestagsmandat niederlegen sollte, müsste eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, denn auch wenn der Job als DFB-Präsident immer noch offiziell ein Ehrenamt ist, lässt sich dieser nebenbei nicht erledigen. Und obendrein wird er ja auch ganz stattlich honoriert.

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