Wie geht`s eigentlich ...?

Mario Klinkmann – der RSV-Meistermacher der Achtziger

Mit dem Rotenburger SV feierte Mario Klinkmann (vorne links) zwei Titel – das Bild zeigt die Mannschaft nach dem Aufstieg in die Bezirksoberliga 1989.
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Mit dem Rotenburger SV feierte Mario Klinkmann (vorne links) zwei Titel – das Bild zeigt die Mannschaft nach dem Aufstieg in die Bezirksoberliga 1989.

Sittensen/Rotenburg – Das Spiel mit der Lederkugel faszinierte Mario Klinkmann bereits in frühester Jugend bei seinem Heimatverein Falke Sternschanze und als Nachwuchsspieler des FC St. Pauli. Die Liebe zu den „Falken“ verblasste für den Außenläufer und Vorlagengeber aber mit dem Wohnungswechsel 1963 nach Sittensen. Beim Börde-Club agierte der heute 80-Jährige zunächst als Spieler, übernahm später den Übungsleiterjob. Danach folgten die Stationen TuS Zeven, MTV Ostereistedt, SV Ahlerstedt/Ottendorf und Rotenburg SV. Beim RSV beendete er als 50 Jähriger seine überaus erfolgreiche Trainer-Karriere.

„Das ist der Höhepunkt meiner Trainerkarriere“, meinte ein emotionaler Mario Klinkmann am 3. April 1983 nach dem Abpfiff des Bezirkspokalspiels gegen den TSV Verden. Der von ihm betreute Bezirksligist MTV Ostereistedt sorgte vor mehr als 1 500 Zuschauern in Scheeßel für eine Sensation und schlug den mit ehemaligen Werder-Profis gespickten Liga-Konkurrenten mit 5:4 nach Elfmeterschießen. „Wir haben nach der Rückkehr mit dem Bus eine Ehrenrunde durch das Dorf gemacht. Ich hatte schon eine starke Mannschaft“, erinnert sich Klinkmann, der hinter dem TSV Verden auch die Vizemeisterschaft holte.

Dass trotzdem nicht immer alles in reiner Harmonie verlief, ist angesichts der sportlichen Herausforderungen für einen kleinen Dorfverein aber auch klar. „Ich hatte in Matthias Harms meinen Edeljoker, der nach seiner Einwechselung zum Schrecken der gegnerischen Abwehr wurde. Damit war er natürlich nicht einverstanden und ich musste in Kauf nehmen, dass er mich manchmal hasste“, erzählt Klinkmann. Für für den Angreifer ist das Schnee von gestern: „In der Sache waren wir oft nicht einer Meinung. Ich habe Mario als Mensch und Trainer aber sehr geschätzt. Die dritte Halbzeit, in der gesungen und gefeiert wurde, haben wir beide immer genossen“, erzählt Harms.

Mario Klinkmann erlebte beim RSV erfolgreiche Trainer-Jahre. 1990 verabschiedete er sich mit 50 Jahren.

Für Klinkmann folgte mit dem Bezirksligisten SV Ahlerstedt/Ottendorf um Torjäger Hannes Meibohm die nächste Herausforderung. Der Rotenburger SV wurde aber bereits die letzte Mission des selbstständigen Möbelkaufmannes. Dort feierte er in der Bezirksklasse und Bezirksliga zwei Meistertitel. „Wir hatten eine offensiv starke Truppe, haben aber wiederholt den Titel verpasst“, berichtet Detlef Lehmann. Mit Klinkmanns Verpflichtung schöpfte der Verein neue Hoffnung. „Mario kam, sah und siegte. Wir haben einen ganz anderen Trainingsalltag mit neuen Inhalten und Abläufen gelernt. Das hat unserem Spiel sehr gutgetan und sich ausgezahlt“, sagt der 54-jährige Lehmann über seinen Vorgänger.

„Ich war nie auf Titel versessen, wollte fußballerisch etwas entwickeln und bewegen. Wichtig war für mich, dass die Spieler gerne zum Training kamen, mitzogen und ihren Spaß hatten“, so Klinkmann. Dass er beim RSV unterschrieb, lag primär daran, dass es eine nachhaltige Nachwuchsarbeit gab. „Das Trainerteam um Uwe Wrieden hat im Jugendbereich über Jahre erfolgreich gearbeitet. Dort spielte auch unser Sohn Andreas bis zur A-Jugend“, ergänzt Klinkmann, der in ungewohnter Weise ein klares Saisonziel ausgegeben hatte. „Marios Ziel lautete Aufstieg. Das haben wir auch eindrucksvoll erreicht. Wir hatten ein super Verhältnis und auch die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft hat gestimmt. Das Training war abwechselungsreich und fußballerisch war eine deutliche Entwicklung erkennbar“, betont Betreuer Jörg Matthies,

„Ich war immer ein positiver Mensch“, sagt Mario Klinkmann.

Nach insgesamt fünf Stationen in 17 Jahren löste Klinkmann 1990 sein Versprechen ein und beendete die Trainer-Karriere. „Ich habe immer gesagt, dass ich mit 50 endgültig aufhören werde. Denn meine Familie musste sich in all den Jahren nach meinem Hobby richten. Das sollte sich ändern“, sagt Klinkmann. Die Abschiedsfeier wurde noch einmal zum „Feuerwerk“. Und ein Spiel seiner Bezirksoberliga-Mannschaft gegen ein All-Star-Team wurde zur nachhaltigen Erinnerung. „Ich wollte noch einmal zusammen mit meinem Sohn Andreas spielen. Dafür war das Abschiedsspiel ein perfekter Anlass“, meint Klinkmann.

Doch ein Tag ohne Sport ist für den gebürtigen Hamburger ein verlorener Tag. Daher stand im Anschluss Tennis mit seiner Frau Sigrid auf dem wöchentlichen Plan. Das Racket benutzt er seit Längerem nicht mehr. Drei Rücken-Operationen ließen es nicht mehr zu. „Was mir geblieben ist, ist Schwimmen von Mai bis Oktober in unserem Pool. Ansonsten drehe ich mit meinem Rollator kleine Runden. Ich war immer ein positiver Mensch und sage, es gibt Schlimmeres“, bemerkt Mario Klinkmann und lächelt.

Von Manfred Krause

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