Punkte müssen her – vor allem auswärts

Der TuS Rotenburg im Abstiegskampf: Klassenerhalt – ja oder nein?

Jörg Leyens ist als Neu-Trainer gefordert. Foto: Hägermann
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Jörg Leyens ist als Neu-Trainer gefordert.

Rotenburg - Die Luft wird dünner. Viele Patzer dürfen sich die Oberliga-Handballer des TuS Rotenburg nicht mehr erlauben. „Da hilft es auch nicht, die Situation schönzureden. Jetzt geht’s um die Wurst“, stellt Teammanager Johann Knodel klar. Nach der 16:30-Klatsche bei der SG Achim/Baden sieht er die Mannschaft in der Pflicht.

„Das Team muss den Kampf annehmen. Die Jungs können alle Handball spielen. Das müssen sie nun auch zeigen“, fordert er. Nach der Partie habe es konstruktive Kritik gegeben – „diese müssen die Spieler umsetzen“. Noch hat die Mannschaft neun Spiele Zeit, um unter Beweis zu stellen, dass sie in die Liga gehört – auch „wenn es nicht leicht wird“, wie Friedrich Behrens, ehemaliger Handball-Boss, denkt.

Zwar hat der TuS Rotenburg nun erst einmal zwei Wochen spielfrei. Anschließend stehen aber zwei richtungsweisende Partien auf dem Programm – bei der HSG Barnstorf/Diepholz und bei der SG VTB Altjührden. Ohnehin ist die Mannschaft in der Rückrunde noch sechsmal (!) in fremder Halle gefordert (siehe Übersicht). „Wir müssen jetzt aus einer starken Heim- eine noch stärkere Auswärtsmannschaft formen“, gibt sich Jörg Leyens angriffslustig. Der Neu-Trainer hat seinen missglückten Einstand zwar mittlerweile verdaut, weiß aber: „Man kann Spiele verlieren, aber nicht so. So dürfen wir uns nicht präsentieren.“ Ihm sei bewusst, dass seine Mannschaft einmal mehr ein anderes Gesicht gezeigt habe.

Auswärtsschwäche in den Griff bekommen

Das Auftreten in fremden Hallen will Leyens in den kommenden Wochen optimieren – „wir müssen über die Probleme reden und sie aus der Welt schaffen“. Ob das gelingt? Fraglich. Schließlich existiert die Auswärtsschwäche nicht erst seit gestern. Zur Erinnerung: Der TuS Rotenburg hat seit 17 Monaten, seit dem 15. September 2018, kein Spiel außerhalb der Pestalozzihalle mehr für sich entschieden.

„Davon müssen wir uns lösen und einfach locker bleiben“, fordert Leyens. „Vermutlich war in Achim der Druck zu groß – neuer Trainer, Derby, Abstiegskampf. Da war wohl eine Blockade im Kopf“, sagt er. Friedrich Behrens fordert daher: „Die Spieler müssen endlich den Kopf frei kriegen.“ Ähnlich denkt Teammanager Knodel: „Wir müssen unsere Leichtigkeit zurückbekommen. Die Jungs müssen verstehen, dass keiner getötet wird, nur weil ein Spiel verloren geht“, sagt er. Handball sei eine Leidenschaft, keine Arbeit. Darauf müsse sich das Team unbedingt besinnen. „Wenn uns das gelingt, denke ich sehr positiv“, so Knodel.

Ganz so optimistisch klingt Jörg Leyens noch nicht. Dem Coach ist schließlich bewusst, wie eng es im Tabellenkeller ist. Wie schafft es sein Team da raus? „Das weiß ich noch nicht“, gesteht er. Aber: „Wir werden das als Mannschaft lösen.“ Auch wenn der Trainer zugibt, dass ihm Alternativen für den Rückraum aktuell fehlen – Jens Behrens fällt wegen einer Zerrung aus –, vertraut er seinem Kader. Entschuldigungen und Negativgedanken seien aber endgültig fehl am Platz. Vielmehr will Leyens echten Kampfgeist sehen. „Die Jungs sind motiviert. Keiner lässt den Kopf hängen“, verspricht auch Knodel.

Zumindest theoretisch sind es also gute Voraussetzungen, um den Klassenerhalt noch zu schaffen. Was am Ende der Saison wirklich dabei rauskommt, hängt einzig und allein von der Mannschaft ab.

Schafft der TuS Rotenburg den Klassenerhalt?

Pro - von Lea Oetjen.

Lernen, mit dem großen Druck umzugehen

Noch ist nichts verloren! Der TuS Rotenburg hat alle Chancen, in der Oberliga zu bleiben. Die Spieler müssen nur endlich damit anfangen, ihr Können auf die Platte zu bringen. Kaum einem gelingt es, seine Normalform abzurufen – vor allem nicht den Leistungsträgern. Gerade Lukas Misere und Luka Bruns stehen komplett neben sich. Sie lassen – defensiv wie offensiv – einiges vermissen. Dabei sind die beiden ungemein wichtig für die Mannschaft. Sie haben großes Potenzial, sind eigentlich echte Anführer. Das Duo muss die Rolle nur endlich auch annehmen. An der spielerischen Qualität der zwei scheitert es definitiv nicht. Jetzt müssen Misere und Bruns endlich wieder Tore sprechen lassen – auch unter Druck. Denn trotz einer hohen Erwartungshaltung muss die junge Mannschaft in den restlichen Spielen funktionieren. Sie kann diese Anspannung nur gemeinsam verarbeiten. Schließlich kommt der TuS Rotenburg über das Wir-Gefühl, den Zusammenhalt. Gegen viele Teams der Liga hat der Verein nur als Kollektiv eine Chance. Jeder muss für den anderen einstehen, arbeiten und kämpfen – gerade in der Deckung. Das Heimspiel gegen den ATSV Habenhausen muss dabei als Vorbild dienen. Schließlich hat es allen gezeigt, wie viel aus einer starken Abwehr heraus möglich sein kann. Gelingt das, ist der Klassenerhalt definitiv zu schaffen.

Kontra - von Matthias Freese.

Den Ernst der Lage zu spät erkannt

Es ist an der Zeit, der Realität ins Gesicht zu schauen – auch wenn das kein schöner Anblick ist. Zu lange haben sich die Verantwortlichen des TuS Rotenburg die Situation schöngemalt, jetzt müssen auch sie erkennen, dass ihr Team mitten im Oberliga-Abstiegskampf steckt. Zu spät. Nicht erst seit dem Waterloo in Achim ist die Lage diffizil bis dramatisch. Der letzte Sieg ist drei Monate her. Mit jeder Niederlage – und war sie noch so knapp – schwand das Selbstvertrauen. Einstige Leistungsträger sind ein Schatten ihrer selbst. So lange es lief, ging es über das Wir-Gefühl. In der aktuellen Lage ist aber nicht zu übersehen, dass ein Leader, ein Routinier mit Shooterqualitäten, fehlt. So ein Mann sei nicht nötig, war die allgemeine Einschätzung vor der Saison und auch noch Anfang des Jahres. Ein Trugschluss. Aktuell könnte vermutlich auch Alfred Gislason nicht mehr an der Seitenlinie bewirken. Neu-Coach Jörg Leyens ist eher als Psychologe, denn als Handball-Fachmann gefragt, um in die Köpfe der Spieler zu kommen und die Reset-Taste zu drücken. Eine Herkules--Aufgabe angesichts der Auswärtsschwäche des Teams, das nur noch drei Heimspiele zu bestreiten hat und sechsmal in fremder Halle ran muss. Bitter: Die Statistik spricht eindeutig gegen einen Klassenerhalt. Das Maximalziel kann nur die Relegation, der drittletzte Rang, sein. Realistisch gesehen.

Das Restprogramm der Saison

Der TuS Rotenburg hat noch neun Spiele – sechsmal muss die Mannschaft auswärts ran: am 7. März gegen die HSG Barnstorf/Diepholz, am 11. März gegen die SG VTB Altjührden, am 21. März gegen die TSG Hatten-Sandkrug, am 19. April gegen den TV Bissendorf-Holte, am 25. April gegen den VfL Fredenbeck und am 2. Mai gegen den Elsflether TB. Vor heimischer Kulisse gehen nur noch drei Spiele über die Bühne – am 14. März gegen den HC Bremen, am 29. März gegen den TV Cloppenburg und am 4. April gegen den SV Beckdorf. Übrigens: Eines der Heimspiele ist aber gar keins. Denn: Gegen den HC Bremen muss das Team in der Großen Halle in Scheeßel ran, in der die Mannschaft nie trainiert und nur selten spielt.

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