Auf den 73-jährigen Scheeßeler ist Verlass

Keine Schiedsrichter da? Dietmar Hornig hilft sofort

Grünes Trikot, Gelbe Karte: Schiedsrichter Dietmar Hornig musste am Samstag aber nur wenige Strafen aussprechen. - Foto: Freese
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Grünes Trikot, Gelbe Karte: Schiedsrichter Dietmar Hornig musste am Samstag aber nur wenige Strafen aussprechen.

Scheeßel - Von Matthias Freese. Eigentlich hatte sich Dietmar Hornig den Samstagabend ja anders vorgestellt: Er wollte sich eine Halbzeit lang in Scheeßel das Handball-Spitzenspiel der Frauen-Landesklasse zwischen dem TuS Rotenburg und der LTS Bremerhaven anschauen, um dann zur Partie der Rotenburger Oberliga-Männer nach Beckdorf zu fahren. Doch als der 73-Jährige kurz vor der offiziellen Anpfiffzeit just die Sporthalle am Vareler Weg betrat, fing ihn Jens Miesner, Coach der Rotenburger Damen, auch schon wartend ab. Keine 15 Minuten später stand das Handball-Urgestein des TV Scheeßel umgezogen in der Halle – als Ersatz-Schiedsrichter.

„Das ist leider mein Los. Ich wohne zu dicht an der Halle“, sagt Hornig und schmunzelt dabei. „Immer wenn die Schiedsrichter nicht da sind, klingelt bei mir das Telefon. Das kommt jede Saison zwei, drei Mal vor.“ 

Dass, wie in diesem Fall, die Unparteiischen in der Landesklasse nicht antreten, ist jedoch eher ungewöhnlich. Dass er dann allein pfeift, wiederum nicht. „Wenn man einen Partner hat, muss es auch passen. Sich in meinem Alter noch jemanden zu suchen – da habe ich keine große Meinung zu“, erklärt Hornig seinen Verzicht auf den zweiten Mann.

Zehn Jahre in der Oberliga gepfiffen

Lange Zeit hat es den aber gegeben. Zusammen mit dem Bremer Helmut Schultze pfiff der Scheeßeler zehn Jahre in der Oberliga. „Das war bei uns wie in einer Ehe, der eine konnte sich blind auf den anderen verlassen.“ Das Top-Gespann, das zum Kader I des Bremer Handball-Verbandes (BHV) gehörte, hätte wohl auch noch höherklassigere Einsätze erhalten, wenn Hornig nicht bereits das Alterslimit erreicht hätte. „Als Bonbon haben wir dann aber mal ein Regionalliga-Spiel bekommen, wenn es unsere Region betroffen hat“, erzählt er.

Eigentlich hatte der frühere Schulleiter der Beekeschule, der 2005 pensioniert wurde und seitdem eine Dauerkarte beim THW Kiel besitzt, den Einsatz an der Pfeife auch bereits aufgegeben. Doch schnell wiederrief er seinen Rücktritt, als der Handball-Kreis Verden sich mit dem Kreis Diepholz zusammentat. „Dort gab es kaum Schiedsrichter, deshalb klingelte dauernd mein Telefon. Ich bin in einer Saison allein zehn Mal im Kreis Diepholz unterwegs gewesen.“ Also meldete er sich wieder an und hatte dadurch mehr Entscheidungsgewalt über Einsatzorte und planbare Wochenenden.

Auch mit seinen 73 Jahren „muddelt“ Hornig noch als Referee auf Regionsebene mit: „Ich find‘s ganz toll, dass die Jüngeren mich noch lassen. Aber Routine und Erfahrung machen eine ganze Menge aus.“ Respekt genießt er sowieso. Als er am Samstag kurzfristig einspringen musste, holte er zunächst die beiden Trainer zu sich. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich erwarte, dass sich alle am Riemen reißen. Und daran haben sich auch alle gehalten.“ Gerade mal drei Zeitstrafen verteilte er im ganzen Spiel.

Als Sekretär für Rotenburg im Einsatz

Die Partie der Rotenburger Männer verpasste er durch den Aushilfseinsatz zwar, doch als Sekretär ist er zumindest bei den Heimspielen des Oberligisten stets im Kampfgericht gesetzt. „Ich finde es toll, dass Friedrich Behrens (Handball-Boss des TuS Rotenburg, Anm. d. Red.) mich gefragt hat“, betont Hornig. Seine sportliche Laufbahn begann einst beim TuS Rotenburg – er betrieb leistungsmäßig Leichtathletik, parallel dazu spielte er Handball (damals noch auf dem Großfeld). 

Bei der PSG Rotenburg war Hornig seinerzeit der einzige Nichtpolizist im Team, das später im TV Scheeßel aufging. Dort baute Hornig schließlich die Handball-Abteilung auf. Durch den Zusammenschluss im Jugend- und ja auch Damenbereich 2016 landete er nun wieder in Rotenburg. „Für mich hat sich damit jetzt ein Kreis geschlossen“, freut sich Dietmar Hornig.

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