Verteidiger verlässt den Rotenburger SV

Karpus wagt den Neustart in Polen

Auf und neben dem Platz hat sich Karol Karpus zum echten Führungsspieler beim RSV entwickelt. Im Winter verlässt der 22-Jährige seinen Heimatverein jedoch.
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Auf und neben dem Platz hat sich Karol Karpus zum echten Führungsspieler beim RSV entwickelt. Im Winter verlässt der 22-Jährige seinen Heimatverein jedoch.

Rotenburg – Das Wort Heimat beschreibt einen Ort, an dem man sich zu Hause fühlt. Es ist ein „Ausdruck enger Verbundenheit gegenüber einer bestimmten Gegend“ – so definiert es der Duden und begründet mit diesen zwei kurzen Sätzen die Entscheidung von Karol Karpus. Der Innenverteidiger des Fußball-Oberligisten Rotenburger SV hat sich dazu entschlossen, seinen Heimatverein im Winter zu verlassen – um bei seiner Familie in Polen einen Neustart in der Heimat zu wagen. Das Weihnachtsfest möchte der 22-Jährige schon in seinem Geburtsort, der gut eine halbe Stunde von Danzig entfernt ist, feiern.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt Karpus und lacht – wohlwissend, dass sich vermutlich für ihn kein besserer Zeitpunkt, den Neuanfang zu versuchen, ergeben wird. Seine Ausbildung hat er abgeschlossen und auch sein Logistikmanagement-Studium steckt in den letzten Zügen. In Polen möchte er sich in dieser Branche einen Job suchen. „Ich wollte es schon immer mal ausprobieren. Jetzt passt es einfach – zumindest fast“, sagt der Rotenburger und spielt damit auf die coronabedingten Einschränkungen an. „Es ist aktuell schwierig, etwas ein paar Monate im Voraus zu planen.“ Dennoch möchte er diesen Schritt gerne gehen. Aber: „Ich sage nicht, dass es für immer ist.“

Eine Aussage, die vor allem Trainer Tim Ebersbach freut: „Wir würden ihn mit Kusshand zurücknehmen“, betont der RSV-Coach und kommt prompt ins Schwärmen. „Karol ist als Spieler ein Komplettpaket: Er bringt körperlich alles mit, hat echte Führungsqualitäten, eine gute Mentalität und einen ausgeprägten Siegeswillen.“ Dass der Weggang von Karpus eines Tages schmerzen könnte, hätte an der Wümme vor vier Jahren, als er vom FSV Langwedel/Völkersen zurückkehrte, kaum jemand gedacht. „Am Anfang hieß es: ,Was wollt ihr mit dem? Der spielt eh nicht!‘“, kann sich Ebersbach genauso gut erinnern wie Karpus. Dass er sich damals gegen ein Angebot des TSV Ottersberg und für den RSV entschieden hat, bereut es bis heute aber nicht. „Ich fühle mich unheimlich wohl hier. Das Mannschaftsgefüge ist einzigartig“, erzählt er.

Daher habe er die halbe Saison in der neuen Spielklasse auch noch mitnehmen wollen – „nicht wegen der Liga, sondern vielmehr wegen der Jungs“. Wenn Karpus über „seinen“ RSV spricht, ist der große Stellenwert seines Heimatvereins in seinem Leben kaum zu überhören. Er nutzt keine klassischen Fußballerphrasen, um sich zu erklären, geht ins Detail und verliert nicht ein schlechtes Wort über seine Zeit an der Wümme. „Sportlich sowieso, aber vor allem wird er uns menschlich fehlen“, befürchtet auch Ebersbach und ergänzt: „Er ist gerade für die jüngeren Spieler wichtig, weil er als Jugendtrainer ein gutes Gefühl für die richtigen Worte hat.“ Apropos: Die von ihm und seinem Teamkollegen Michel Müller trainierte A-Jugend wird künftig alleine von Müller betreut. Ebersbach: „Karol ist als Fußballer „clever, ruhig am Ball und habe die modernste Spielweise aller RSV-Innenverteidiger“.

Bei so viel Lob liegt die Frage auf der Hand, weshalb Karpus in der laufenden Oberliga-Saison trotz überzeugender Auftritte nur zwei von vier Spielen gemacht hat – jeweils in den Heimspielen gegen den Heeslinger SC (1:1) und den TB Uphusen (2:3). „Es ist leistungstechnisch nicht zu begründen und war auch keine Entscheidung gegen Karol, sondern eine für Sämi (van den Berg, Anm. d. Red.) und Drewi (Christoph Drewes, Anm. d. Red.)“, meint Ebersbach und betont, dass Karpus bis zum Winter sicherlich noch das eine oder andere Spiel machen werde. „Manchmal sind’s Nuancen, die das entscheiden.“

Eben jene Details entscheiden auch, ob sich Karpus in Polen einen neuen Verein sucht – „vielleicht mache ich auch erst einmal eine Pause“, sagt er, nur um dann zu revidieren: „Naja, eigentlich sehe ich mich aber nicht ohne Fußball.“

Von Lea Oetjen

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