Bartelsdorfer erhält Lob von allen Seiten

Johann Gerken für 50 Jahre als Schiedsrichter geehrt

Johann Gerken steht im Ahe-Stadion in Schiedsrichterkleidung und streckt beide Daumen nach oben.
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Gute Laune auch bei Wind und Regen: Johann Gerken – hier im Ahe-Stadion – will auch mit seinen 76 Jahren die aktuelle Saison als Schiedsrichter zu Ende bringen. Was danach kommt, lässt er offen.

Regelfest ist Johann Gerken in seinen 50 Jahren als Schiedsrichter immer gewesen. Auch dafür erhält der Bartelsdorfer Lob von diversen Wegbegleitern.

Bartelsdorf – Die Auszeichnung durch den Fußball-Kreis zum Ehren-Schiedsrichter machte Johann Gerken „mega stolz“. Der Bartelsdorfer pfeift seit 50 Jahren für seinen Heimatverein, erfährt bei den Verantwortlichen, Fans und Kickern eine hohe Wertschätzung, gilt als echte Legende. Die aktuelle Saison will der fitte und drahtige 76-Jährige auf alle Fälle zu Ende bringen und sich dann möglicherweise in den „Ruhestand“ verabschieden.

Beim Bartelsdorfer SV war Johann Gerken in all den Jahren eher der „Alleinunterhalter“, was die schwarze Zunft angeht, denn Unparteiische bot der Verein sonst kaum jemanden auf. „Im Verein war man schon bestrebt, Schiedsrichter zu gewinnen. Und man fand auch Leute, die den Lehrgang machten. Schade nur, dass die eher mit dem Mund dabei waren und oft nach nur einer halben Saison Feierabend war“, bemerkt Gerken, der in jungen Jahren im Verein kickte und parallel dazu kontinuierlich Spiele leitete. Die Kreisliga war die höchste Klasse in seiner Laufbahn. Jetzt pfeift er überwiegend in der 4. Kreisklasse und ist sich treu geblieben. Er hält am eigenen Stil fest und zieht seine Linie strikt durch. Dabei hat sich das Verhalten auf und neben dem Platz doch stark verändert – Respekt werde immer mehr zum Fremdwort.

„Ich habe in den 50 Jahren gerade einmal 15 Rote Karten verteilt. Wenn ein Spieler eine Karte für den Gegenspieler fordert, bekommt er eine klare Ansage. Nichts da mit Gelber Karte, gebt euch die Hand und weiter geht es. Damit bin ich immer gut gefahren“, unterstreicht Gerken, der auf den Sportplätzen stets ein gern gesehener Gast ist und eher Lob erntet. „Ich werde bei meiner Ankunft in der Regel freundlich empfangen. Das sagt mir, dass ich vieles richtig gemacht habe“, sieht sich das Urgestein bestätigt, das nicht nur im Freundeskreis den Spitznamen „Laps“ trägt.

Prüfung in Scheeßel unter Lehrwart Werner Franz

Die große Überzeugung brauchte es vor fünf Jahrzehnten nicht und ein Anstoß reichte, um sich einem neuen und anspruchsvollen Hobby zu widmen. „Ich wurde gefragt und habe nicht lange gebraucht, um zuzusagen“, erinnert sich der gebürtige Wohlsdorfer, der keinen Lehrgang besuchen musste, sondern lediglich eine Prüfung absolvierte. „Die Prüfung habe ich beim damaligen Lehrwart Werner Franz in Scheeßel gemacht. Danach wurde ich ins harte Gefecht geschickt. Ich war regelfest und auch selbstbewusst genug, um mich der neuen Aufgabe zu stellen. Zudem wusste ich ja aus eigener Erfahrung wie Spieler ticken“, meint Gerken schmunzelnd.

Dass zum Ende der aktuellen Saison die Pfeife an den berühmten Nagel gehängt werden soll, ist nachvollziehbar. Doch wirklich glauben tut das nicht jeder im unmittelbaren Umfeld. „Johann war durch und durch Fußball, ist damit sehr verwurzelt. Der ist auch in seinem stolzen Alter noch immer rast- und ruhelos. Und auch heute kommt er noch auf den Plätzen in seiner sympathischen Art sehr gut an und zurecht. Der bringt eine große Erfahrung mit, wird voll akzeptiert“, sagt Ralf Brockmann. Der Trainer des Bartelsdorfer SV schiebt nach: „Ein lauter Pfiff und alle Spieler folgen ihm.“

Und Mats Baur, Kreis-Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses zeigte sich sehr erfreut, dass er seinen Oldie zum Ehrenschiedsrichter ernennen durfte. „Dass Johann ein so anspruchsvolles Hobby schon 50 Jahre betreibt, kann gar nicht hoch genug aufgehängt werden. Der steht in jedem Spiel schon unter Druck und das muss man erst einmal über so viele Jahre schaffen. Auf ihn war stets total Verlass, der gab nicht eine Ansetzung zurück. In 2021 pfiff er elf Spiele. Das kann sich sehen lassen“, lobt Baur.

Als Schiedsrichter „ruhig, sachlich und umsichtig“

Die Nachricht der NFV-Ehrung sorgte auch beim Bartelsdorfer SV für Aufmerksamkeit und viel Lob. „Die Leistungen von Johann sind unerreicht, denn das schaffen nur ganz wenige. Daher genießt er im Verein und Umfeld eine große Wertschätzung. Er ist seit Jahren unser einziger Schiedsrichter im Verein, bringt sich mit viel Herzblut ein“, sagt Werner Tiedemann. Der ehemalige Fußball-Obmann des Vereins und zweite Vorsitzende freut sich immer, wenn sein Vorzeige-Referee, der mittlerweile mit seiner Frau Erika nach Rotenburg umgezogen ist, bei den Heimspielen vorbei schaut. „Es kommt häufig vor, dass Johann ein Spiel der Reserve vor unserer Ersten pfeift und anschließend trifft man sich, weiß viel zu erzählen“, bemerkt Tiedemann und ergänzt: „Die Art und Weise, wie Johann all die Jahre als Schiedsrichter agierte, kam schon gut an. Der tritt nie als Hektiker auf, ist ruhig, sachlich und umsichtig. Und wenn es dennoch hektisch wird, versucht er verbal auf die Spieler einzuwirken, statt Gelbe Karten zu zücken“, so Tiedemann.

Nicht nur als Schiedsrichter, auch als Torjäger schrieb Gerken die eine oder andere Geschichte. Im besten Fußballer-Alter spielte er in der Reserve der Grün-Schwarzen, schoss Tore am Fließband. „Ich kann mich an eine Saison erinnern, als eine Wette zwischen Heinrich und Johann Gerken lief. Unser Pressewart stellte Johann eine Kiste Bier in Aussicht, wenn er es auf 50 Saisontore bringen würde. Das gelang mit Bravour und die angesagte Kiste Bier ging an den Goalgetter“, erzählt Tiedemann mit einem Augenzwinkern.

Umzug nach Rotenburg

Vor rund 15 Jahren zog es Gerken dann aus seinem Wohnort Wohlsdorf nach Rotenburg. Die Ländereien samt Gerken-Gasthof wurden verkauft und eine neue Immobilie in der Kreisstadt erworben. „Ich habe die Kneipe von meinen Eltern geerbt und diese über viele Jahre gern geführt. Daneben habe ich eine kleine Landwirtschaft betrieben. Als sich die Chance bot, alles zu verkaufen, haben wir die genutzt“, erklärt Johann Gerken, der nicht nur in Sachen Gastronomie von seiner Frau Erika Gerken große Unterstützung erfuhr. „Erika stand in all den Jahren auch total hinter meinem Hobby. Und als in der Schiedsrichterei vieles digital anlief, hat sie das erledigt. Denn nicht nur die Ansetzungen kamen per Mail ins Haus“, berichtet der 76-Jährige.

Der Rentner kennt auch im kleinen Eigenheim keine Langeweile, absolviert täglich seine Rad-Touren oder kümmert sich um die drei Pferde von Tochter Merlehna Neubacher in Hemsbünde. „Ich habe seit gut vier Jahren ein E-Bike, habe mittlerweile 30 000 Kilometer auf dem Tacho. Das hält fit und sorgt für einen guten Ausgleich“, findet der Fan des Hamburger SV, der in guten Zeiten mit seinem 38-jährigen Sohn Christian Gerken Spiele des Dinos besuchte. „Die schaffen es nicht, eine kontinuierlichen Saisonleistung abzuliefern, werden den Aufstieg erneut verpassen“, kritisiert Johann Gerken.

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