100 JAHRE ROTENBURGER FUSSBALL

Legende mit Berliner Schnauze: Günter Noack ist das älteste RSV-Mitglied

Mit Haarkreuz, Lederball und Schuhen mit Stahlkappen ließ sich Günter Noack 1958 im Trikot der Spielvereinigung ablichten.

In der Stube ist der Nachwuchs überall präsent. In Form von Fotos hat Günter Noack seine Enkel und Urenkel stets in seiner Nähe. An Fußball erinnert hier wenig – trotz seiner Vergangenheit. Nur bei genauerem Hinschauen fällt an der Wand das silberne Bildrelief mit den vier Kickern auf – ein Geschenk, das er vor 40 Jahren als Erinnerung an seine ehemalige Altherrenmannschaft bekommen hat. Nicht von ungefähr: Noack ist hier eine Fußball-Legende. Mehr noch: Er ist das älteste Mitglied des Rotenburger SV.

Unterstedt - 98 Jahre wurde Noack vor einigen Wochen – damit ist er also fast so alt wie der organisierte Rotenburger Fußball, den er nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich mitgeprägt hat. Und obwohl er in der Kreisstadt, genau genommen in der Ortschaft Unterstedt, seit fast 75 Jahren heimisch ist, kann Noack seine Herkunft nicht verleugnen. „Meine Berliner Schnauze muss man immer hören“, sagt er und lacht. Er stammt aus Pankow, wo sie als Jungs einst Tennisbälle über die Straße köpften, da es keine Fußbälle gab: „Ich war sprunggewaltig und immer ehrgeizig.“

Der Krieg brachte ihn 1940 erstmals nach Rotenburg. Dass er 1945 nach 16-tägiger englischer Gefangenschaft zurückkehrte, lag vor allem an seiner späteren Ehefrau Erna. Nach der Heirat gründete er in Unterstedt den ersten Sportverein, den SV Unterstedt. „Aus dem Nichts“, wie Noack anmerkt. Doch die Mitgliederzahlen stagnierten, weil viele Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehrten.

Mannschaftsbild zwischen Tannen: Günter Noack (2.v.l.) war für die Spielvereinigung in der Zweiten aktiv.

Noack schloss sich der Spielvereinigung Rotenburg an und spielte dort meist als linker Läufer, auch mal als Mittelläufer, in der zweiten Herren. „Aber die Reserve haben sie links liegengelassen“, berichtet er von der Trennung zehn Jahre später und der Gründung des FC Rotenburg 1960. Dessen Vorsitzender war er, bis beide Vereine zum Rotenburger SV fusionierten. „Es waren fast alle dafür, dass es ein Verein werden sollte. Es ging reibungslos vonstatten. Eine vernünftige Entscheidung“, wie Noack auch rückblickend findet. Und er gesteht: „Die Spielvereinigung hatte die besseren Spieler.“ Er selbst nennt Peter Frömming und Günter Meyer als seine treuesten Weggefährten, übernahm weitere Vorstandsposten und spielte selbst noch mit 60 Jahren: „Ich konnte ja nicht ohne.“ Auch auf 29 goldene Sportabzeichen brachte er es.

Günter Noack in seiner guten Stube: 98 Jahre ist er vor einigen Wochen geworden. Fotos: Freese, privat

Neben Bundesverdienstkreuz und zahlreichen Ehrungen zeugt auch heute noch ein Metallschild auf der Zuschauerbank direkt in Höhe der Mittellinie des Ahe-Stadions davon, welch Bedeutung der Name Noack für den Rotenburger Fußball hat. Seinen reservierten Stammplatz hat er zwar schon seit einigen Jahren nicht mehr eingenommen, doch den Weg des RSV verfolgt er auch heute noch genauso neugierig wie den der SG Unterstedt. Ein Urteil möchte er sich aber nicht mehr erlauben: „Was fußballtechnisch gesagt werden musste, ist gesagt worden“, findet Günter Noack.

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