Irritationen bei Basketballern

Auch die Avides Hurricanes fragen sich: Ist ein Zweitligist wirklich ein Profiteam?

Kann tatsächlich am Wochenende gespielt werden? Noch ist nichts klar.
+
Kann tatsächlich am Wochenende gespielt werden? Noch ist nichts klar.

Scheeßel – Sicher ist nur, dass nichts sicher ist. Obwohl die Basketballerinnen der Avides Hurricanes seit Wochenbeginn wieder zum Training in die Halle dürfen, ist die Fortsetzung des Spielbetriebs alles andere als klar. Handelt es sich bei den Damen-Zweitliga-Teams tatsächlich um Profimannschaften, die im Gegensatz zu den Amateuren weiter spielen dürfen? Zweifel kommen auf – auch bei den Vereinen selbst. Die Umsetzung der Bund-Länder-Beschlüsse in den einzelnen, variierenden Länderverordnungen sorgt für viele Fragezeichen. „Zwei Wochen Spielpause wären gut, um rechtlich zu klären, ob wir überhaupt spielen dürfen“, sagt Utz Bührmann, Vorstandsmitglied der Hurricanes.

Am Wochenende gingen die Mails hin und her, quer durch die Republik. Auch Philipp Reuner, der neue Geschäftsführer der Damen-Basketball-Bundesligen (DBBL), schaltete sich ein. Eine Klärung konnte er aber nicht herbeiführen. Nach Auffassung des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) und des Deutsch Olympischen Sportbundes (DOSB) werden Zweitliga-Teams der olympischen Sportarten grundsätzlich als Profiteams definiert – also auch die Basketballerinnen. „Aber das sind die Selbsteinschätzungen der Verbände“, merkt Bührmann an und fragt sich, ob diese Ansicht allgemein verbindlich ist? In der neuen Corona-Verordnung Niedersachsens ist schließlich nicht eindeutig erläutert, ob ein Profi-Team komplett aus Spielerinnen und Spielern bestehen muss, die ihren Lebensunterhalt mit dem Sport verdienen. In Sachsen wiederum ist dieses klarer formuliert: Sportler mit Arbeitsvertrag und Kaderathleten werden akzeptiert. Bundesweit einheitliche Regelungen gibt es nicht. „Du hast 16 Corona-Verordnungen, wir spielen aber in einer deutschen Liga“, ärgert sich Bührmann.

Niedersächsische Corona-Verordnung

Auszug aus § 16 - Spitzen- und Profisport

(1) Der Betrieb und die Nutzung öffentlicher und privater Sportanlagen zum Zweck des Trainings und Wettbewerbs durch Sportlerinnen und Sportler des Spitzen- und Profisports, deren Trainerinnen und Trainer, Betreuerinnen und Betreuer, die jeweiligen Schiedsrichterinnen, Schiedsrichter, Kampfrichterinnen und Kampfrichter, Personen des medizinischen und physiotherapeutischen Personals (...) sind zulässig, wenn ein Hygienekonzept vorliegt, das insbesondere sicherstellt, dass

1. durch geeignete Maßnahmen die Gefahr einer Infektion der Sportlerinnen und Sportler (...) auf ein noch zu vertretendes Minimum vermindert ist,

2. die Sportlerinnen und Sportler regelmäßig (...) auf das Corona-Virus SARS-CoV-2 von medizinischem Personal getestet werden,

3. Corona-Tests in ausreichender Menge vorhanden sind und nicht zulasten der Verfügbarkeit im Gesundheitswesen gehen,

4. bei einem erkennbaren Mangel der Verfügbarkeit von Corona-Tests oder der Laborkapazität die Sportausübung mit Kontakt eingestellt wird,

5. die Zahl der aus Anlass der Sportausübung tätigen Personen (...) auf das erforderliche Minimum vermindert wird.

(...)

(2) Sportlerinnen und Sportler im Sinne des Absatzes 1 Satz 1 sind Personen, die

1. einem olympischen oder paralympischen Kader, das heißt einem Olympiakader, einem Perspektivkader oder einem Nachwuchskader 1 oder 2, angehören und an einem Bundesstützpunkt, einem Landesleistungszentrum oder einem Landesstützpunkt trainieren,

2. einer Mannschaft angehören, die aus Sportlerinnen oder Sportlern besteht, die ihre Sportart berufsmäßig ausüben, oder

3. wirtschaftlich selbstständige, vereins- und verbandsungebundene Sportlerinnen oder Sportler sind, die ihre Sportart berufsmäßig ausüben, ohne einem Bundeskader im Sinne der Nummer 1 anzugehören.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die DBBL hat sich dazu verpflichtet, Schnelltestungen einzuführen – und ist zumindest in Niedersachsen auch zu regelmäßigen Tests gezwungen. Nur sind Kapazitäten und Kosten sowie die Durchführung noch nicht geklärt. „Ich habe versucht, diese Tests im Internet zu bestellen, weil wir nichts von der Liga gehört haben“, erzählt der Hurricanes-Manager. „Lieferzeit: 9 bis 16 Tage.“ Schwer vorstellbar also, dass das bis zum nächsten Spieltag am Wochenende klappt. „Das kriegen wir bis dahin nicht hin“, glaubt Bührmann und sieht die DBBL in der Pflicht: „Es muss möglichst schnell in allen Punkten Klarheit geschaffen werden. Das erwarte ich bis Mittwoch. Wir hängen aktuell schließlich alle in der Luft.“

Von Matthias Freese

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Meistgelesene Artikel

Krause kämpft für Disc-Golf-Anlage in Rotenburg

Krause kämpft für Disc-Golf-Anlage in Rotenburg

Krause kämpft für Disc-Golf-Anlage in Rotenburg
Kreisligist TV Stemmen schlägt RW Scheeßel im Test gleich mit 7:2

Kreisligist TV Stemmen schlägt RW Scheeßel im Test gleich mit 7:2

Kreisligist TV Stemmen schlägt RW Scheeßel im Test gleich mit 7:2
Basketball-Zweitligist verpflichtet Schinkel und holt Saidi zurück

Basketball-Zweitligist verpflichtet Schinkel und holt Saidi zurück

Basketball-Zweitligist verpflichtet Schinkel und holt Saidi zurück
Vor dem Pokal: RSV hofft auf Hakansson

Vor dem Pokal: RSV hofft auf Hakansson

Vor dem Pokal: RSV hofft auf Hakansson

Kommentare