Rückblick, Einblick, Ausblick – was Meistertrainer Christian Greve meint

„Ich will mündige und selbstbewusste Spielerinnen“

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Als das Spiel noch auf der Kippe stand, die Niederlage drohte, war auch Christian Greve nachdenklich.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Mission erfüllt! Christian Greve hat die Basketballerinnen der Avides Hurricanes zurück in die erste Liga geführt. Im Interview blickt der 39-jährige Coach und B-Lizenz-Inhaber auf die erfolgreiche Saison zurück, aber auch schon in die Zukunft.

Herr Greve, verraten Sie uns doch mal Ihr Erfolgsgeheimnis.

Greve:Das gibt es nicht. Für uns stand relativ früh fest, dass wir den Wiederaufstieg angehen wollen. Die erste Zutat des Rezeptes war es also, ein Team zusammenzustellen. Und dass wir dabei die „Amis“ mit Janae Young und Kierra Mallard gut ausgewählt haben, hat sich ja gezeigt – selbst wenn auch ihnen im Finalspiel mal die Hände zitterten. Auch charakterlich sind beide super, sie haben die jungen Spielerinnen vorbildlich geführt. Hinzu kamen unsere deutschen Zugänge, die sehr positive Persönlichkeiten sind, und die Jugendspielerinnen, die es hervorragend gemacht haben. Das Zweite war dann, dass wir einen gewissen Spirit reingebracht haben. Wir haben ein Team, das erfolgreich sein will – das Zusammengehörigkeitsgefühl macht auch viel aus. Wenn man sieht, wie die Bank reagiert und jedes Mal steht – das passiert nicht überall, das haben auch wir im Vorjahr schon anders erlebt.

Mit zwölf Punkten lag Ihr Team bei Eintracht Braunschweig keine sechs Minuten vor dem Ende zurück – wie hat Ihre Mannschaft das Ding noch umgebogen?

Christian Greve:Das ist die Moral des Teams gewesen, dass da fünf auf dem Feld fighten und der Rest an der Seite anfeuert und aufspringt. Außerdem kam das Tempo und unser Fitnesszustand dazu. Aber ich muss auch gestehen, dass ich gedanklich schon bei der Aufarbeitung war und überlegt habe, was wir im Training machen müssen, um nicht wieder so viele Körbe zu kassieren.

Mal ehrlich: Wie groß ist Ihr Anteil als Trainer am Erfolg?

Greve:Sicher ist das Spielkonzept meins – sowohl offensiv wie defensiv, aber die Mannschaft hat einen größeren Anteil als ich. Ich will, dass die Spielerinnen mündig und selbstständig sind und selbstbewusst auf dem Feld stehen, um es zusammen hinzukriegen. Mein Job ist es, die Basis zu schaffen, eine Grundeinstellung ins Team zu bringen, den Spirit zu wecken – ich führe mit einer offenen Art, ohne diktatorisch aufzutreten. Die Entscheidungen auf dem Feld müssen die Spielerinnen treffen. Das Spiel von außen zu steuern wie mit der Playstation – das wird nicht funktionieren.

Im Vorjahr gab es nach dem Abstieg auch Kritik an Ihrer Person. Empfinden Sie jetzt Genugtuung?

Greve:Nein, ich sehe mich da nicht so im Vordergrund, ich freue mich für die Mädels und den Verein. Ich habe nur die Mindestansprüche erfüllt und meinen Job gemacht.

Haben Sie sich oder Ihren Stil denn verändert?

Greve:Letztes Jahr habe ich zu sehr versucht, dass weiterzuführen und zu retten, was da war. Ich habe mir danach auch etwas vorzuwerfen gehabt und habe sicherlich auch Fehler gemacht. Ich reflektiere da schon und schaue nach links und rechts.

Blicken Sie doch mal voraus. Was muss sich in der ersten Liga ändern? Benötigen Sie vielleicht einen Co-Trainer?

Greve:Das wäre schon sehr sinnvoll. Der Aufwand wird ja größer. Allein von den Fahrten – die kürzeste ist schon die nach Herne. Es gibt kein Osnabrück oder Wolfenbüttel mehr in der ersten Liga. So wie jetzt mit fünf Mannschaften, werde ich es daher nicht hinkriegen. Auch im Vorstand muss vielleicht der eine oder andere dazukommen, damit die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt sind.

Und personell – wer bleibt vom bisherigen Kader?

Greve:Fix bleiben unsere beiden Amerikanerinnen sowie Pia Mankertz. Fix bleibt eigentlich auch Clara Schwartz. Bei allen anderen gibt es starke Tendenzen. Auch eine Conny Wegner würde ich gerne im Team behalten, sie ist als Motivator sehr wichtig und will es auf jeden Fall probieren, sie muss athletisch aber noch einen Sprung machen, um da mitzuhalten. Auf der anderen Seite ist bisher nur sicher, dass Emma Stach weggeht.

Hurricanes wieder erstklassig

Als Zugang wurde bisher Laura Rahn vermeldet. Wie viele neue Gesichter müssen noch kommen?

Greve:Nur so viele, wie wir uns leisten können. Ungefähr drei brauchen wir wohl noch. Das hängt aber auch davon ab, wer bleibt.

Und die Position von Emma Stach wird dann durch eine dritte Amerikanerin besetzt?

Greve:Ich scoute schon seit Wochen Amerikanerinnen auf allen Positionen. Wir haben auch schon überlegt, auf eine dritte zu verzichten, um eine Top-Deutsche zu verpflichten. Die bekommt man aber nur übers Geld, weil sie eine Veränderung wollen oder am Zenit angelangt sind. Wir wollen die Liga halten und jungen deutschen Spielerinnen die Chance geben. Deshalb gucken wir erstmal, welche Deutschen wir im Kader haben, um dann womöglich den Ami-Spot dort zu besetzen, wo wir noch eine Schwäche haben.

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