INTERVIEW Erika Bobo, erste US-Profispielerin der Hurricanes, blickt zurück

„Ich werde das Land nie vergessen“

Am 3. März heiratete Erika Bobo (l.) ihre Lebensgefährtin Jerrica. Fotos: Freese, Bobo

Rotenburg - Von Matthias Freese. Die Dreadlocks von damals sind längst ab. Die Haare trägt Erika Bobo inzwischen kürzer – eine auffällige Erscheinung ist sie dennoch geblieben. Wie einst, als sie zwei Jahre lang den Basketball für die Avides Hurricanes in der 2. Bundesliga mit Tempo nach vorne prellte und ihn im Korb versenkte. So eine wie sie hatten sie hier noch nicht gehabt. Bobo war 2009 der erste Profi, die erste US-Amerikanerin im Team. Inzwischen ist sie 36 Jahre alt und seit März verheiratet. Im Interview erinnert sie sich an ihre Zeit in Deutschland, spricht über ihre Karriere im American Football und ihre Zukunft.

Vor neun Jahren haben Sie die Hurricanes verlassen. Erzählen Sie doch mal, was seitdem passiert ist.

Deutschland war eine der besten Zeiten meines Lebens, eine unglaubliche Erfahrung, die ich nie vergessen werde. Ich lebe in Dallas, arbeite für die Wetterkatastrophen-Abteilung einer Versicherung und bin außerdem als persönlicher Koch tätig. Ich liebe Catering-Events, veranstalte private Abendessen und bereite Mahlzeiten für Menschen vor, die sich gesund ernähren möchten oder keine Zeit zum Kochen haben. Nachdem ich in Deutschland gespielt hatte, musste ich einige Entscheidungen treffen, da Frauen mit dem Sport nicht viel Geld verdienen. Ich musste mich entscheiden, ob ich diesen Traum weiter verfolgen oder versuchen würde, mein Leben ohne Basketball zu gestalten. Es war eine schwere Entscheidung, aber ich musste tun, was für meine Zukunft am besten war.

Welche Verbindung haben Sie noch zum Sport?

Ich trainiere jeden Tag im Fitnessstudio. Und ich gehe nicht, ohne danach noch ein paar Bälle geworfen und an meinem Ballhandling gearbeitet zu haben. Ich vermisse es wirklich sehr, zumal Dallas jetzt hier in meiner Stadt ein WNBA-Team hat. Es gibt Zeiten, in denen ich zuschaue und wünschte, ich könnte wieder spielen.

Sie haben auch eine neue Sportart für sich entdeckt.

Ja, ich habe angefangen, Frauen-Football zu spielen und mich in ihn verliebt. Ich spiele als Wide Receiver für die Dallas Elite Mustangs. Ich habe mich schnell in meiner Rolle wohlgefühlt und es geschafft, einer der Top-Receiver des Landes zu werden (2017 war Bobo Offensivspielerin des Jahres in der Frauenliga, der WFA, Anm. d. Red.). Football ist viel körperlicher und es ist verrückt, welche Kraft und Ausdauer man haben muss. Mit all dieser Ausrüstung auf Hochtouren zu laufen, ist extrem herausfordernd, aber es macht so viel Spaß. Ich hätte nie gedacht, dass ich Tackle-Football spielen würde. Viele Leute glauben nicht, dass Frauen es tatsächlich tun, aber wir tun es und machen ein bisschen Lärm.

Warum der Wechsel vom Basketball zum Football?

Es war eine neue Herausforderung! Ich liebe es, mich herauszufordern, neue Dinge zu tun oder etwas zu tun, von dem die Leute denken, dass sie es nicht können. Die meisten Leute sagen, Frauen können und wollen nicht Football spielen. Warum nicht beweisen, dass sie falsch liegen?

Sie haben inzwischen auch geheiratet?

Ja, an meinem Geburtstag am 3. März, habe ich meine beste Freundin geheiratet.

Schauen Sie noch einmal zurück auf Ihre Zeit bei den Hurricanes. An was erinnern Sie sich da?

Wow, woran kann ich mich erinnern? Von meiner ersten Saison, in einem neuen Land allein zu sein, bis zu meiner zweiten Saison, in der ich mich viel wohler gefühlt habe. Es war anfangs so beängstigend, weit weg von Freunden und Familie zu sein, aber im Rückblick hat es mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich musste mich anpassen und es hat mir in meinem Leben sehr geholfen. Ich erinnere mich an die Einkäufe in Lebensmittelgeschäften, wo ich doch kein Deutsch lesen konnte. Ich kann mich daran erinnern, dass ich lernen musste, wie man mit sechs Gängen im Schnee fährt. Ich weiß noch, dass einige Teamkollegen in der Umkleide für mich übersetzt haben, als der Trainer (Roland Senger, Anm. d. Red.) Deutsch gesprochen hat (lacht). Ich erinnere mich außerdem, wie ich Toni (Thomas, Anm. d. Red.) den Pass gegeben habe und sie zum Matchwinner gegen Osnabrück wurde. Und natürlich an die Kids, wie sie um Autogramme gebeten haben.

Haben Sie noch Kontakt zu den Mitspielerinnen?

Ich verfolge noch viele Mädels in den Sozialen Medien und wir sagen ab und zu Hallo. Ich versuche auch, ab und zu mit Christoph (Göx, damals Manager, Anm. d. Red.) zu sprechen. Wie gut er sich um mich gekümmert hat, er war wie ein Vater für mich. Manchmal weiß ich nicht, ob ich es ohne ihn geschafft hätte. Er hat dafür gesorgt, dass ich mich wohlgefühlt habe, auch wenn ich Heimweh hatte. Alle waren so nett und herzlich. Deutschland war eine Erfahrung, von der ich meinen Kindern erzählen werde. Ich werde nie das Land vergessen, das meine Träume wahr werden lassen hat. Alles, was ich tun wollte, war, dafür bezahlt zu werden, das Spiel zu spielen, das ich liebe – die BG ´89 Hurricanes hat das möglich gemacht! Nochmals vielen Dank!

Zurück in die Gegenwart. Wie sehr betrifft Sie das Coronavirus persönlich?

Corona beeinflusst mein Leben mit Sicherheit. Ich bin derzeit auf Abruf zu Hause, keine Einkaufszentren, Restaurants, Turnhallen oder irgendetwas sind im Moment geöffnet. Wir dürfen nicht reisen. Dies hat sich auch auf meinen Job ausgewirkt, da ich beruflich viel unterwegs bin. Jetzt bin ich gezwungen, von zu Hause aus zu arbeiten.

Wie gehen Sie damit um?

Ich bleibe möglichst in der Nähe der Familie, bete und nutze die Zeit, um zu planen, Strategien zu entwickeln.

Und wie lauten Ihre Pläne für die Zukunft?

Meine Frau und ich planen ein Baby, also werde ich eher früher als später schwanger und möchte danach einen Food Truck kaufen, um mein Geschäft voranzubringen! Insgesamt möchte ich weiter die besten Entscheidungen für mich und meine Familie treffen, damit wir das Leben genießen können.

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