Ex-Dressur-Bundestrainer Jonny Hilberath über seinen Rücktritt und das Gestüt in Abbendorf

„Ich sitze wieder selbst im Sattel“

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Jonny Hilberath hat nach seinem Rücktritt als Bundestrainer nun wieder mehr Zeit für seinen Betrieb in Abbendorf. Sein zehnjähriger Hengst Danzer von Day Dream wurde von ihm ausgebildet und steht kurz vor seinem ersten „Grand Prix“-Einsatz. ·

Kreis-Rotenburg - Von Jürgen HonebeinABBENDORF · Seit knapp einem Jahr ist der Abbendorfer Jonny Hilberath nicht mehr Chef der deutschen Dressurreiter. Trotz der erfolgreichen Olympischen Spiele in London trat der 58-Jährige nach sechs Monaten freiwillig als Bundestrainer zurück und übernahm wieder das Amt des Disziplintrainers Dressur, wie es offiziell heißt. Er hatte das Amt des Dressur-Bundestrainers im April vergangenen Jahres vom plötzlich verstorbenen Holger Schmezer übernommen.

Warum sind Sie als Bundestrainer zurückgetreten?

Jonny Hilberath:Der Aufwand wurde mir viel zu groß. Außerdem wollte ich gerne mehr Zeit für meinen Ausbildungsbetrieb haben.

Können Sie nun mehr Zeit auf Ihrem Gestüt verbringen?

Hilberath:Jein. Ich bin an den Wochenenden noch fast genauso viel unterwegs wie früher, aber in der Woche bin ich etwas mehr zu Hause. Vor allen Dingen sind die administrativen Aufgaben größtenteils weggefallen, die jetzt meine Nachfolgerin Monika Theodorescu erledigt.

Wie sieht ein Wochentag für Sie in Abbendorf aus?

Hilberath:Viel Zeit geht für das Telefonieren drauf, um Termine abzustimmen oder aber Tipps und Anweisungen zu geben. Ansonsten sitze ich wieder selbst im Sattel und reite eigene oder fremde Pferde, um sie auf ihre Turniere vorzubereiten. Der Reitunterricht kommt auch nicht zu kurz. Zurzeit habe ich Schüler aus Schweden, Russland und Deutschland am Stall.

Wollen Sie auch wieder selbst bei Turnieren reiten?

Hilberath:Ich habe es vor, wenn es die Gesundheit erlaubt. Im Moment sieht es damit sehr gut aus, aber ich tue auch mit einem eigenen Trainer sehr viel für meine Fitness.

Haben Sie in den vergangenen Monaten schon einmal bereut, dass Sie nicht mehr Bundestrainer sind?

Hilberath:Definitiv nein. Monika Theodorescu macht einen super Job. Wir zwei arbeiten sehr gut zusammen, da wir meist die gleiche Philosophie vertreten.

Wenn Sie auf Ihre Zeit als Bundestrainer zurückblicken. An was erinnern Sie sich besonders gern?

Hilberath:Natürlich an die Olympischen Spiele in London, die für mich ein absolutes Highlight und sehr emotional waren. Auf der einen Seite immer noch die tiefe Trauer über den plötzlichen Tod von Holger Schmezer und zum anderen der tolle Kampf unserer jungen Damen, die mit der Silbermedaille belohnt wurden. Unvergessen bleibt für mich auch das Olympische Dorf, in dem ich gewohnt und viele Sportler aus aller Welt getroffen habe.

Schließen Sie aus, irgendwann wieder als Dressur-Bundestrainer zu arbeiten?

Hilberath:Ich kann und will so etwas nicht ausschließen. Aber ich habe es nicht vor.

Ist der Kontakt zu den Aktiven als Disziplintrainer noch genauso gut wie vorher?

Hilberath:Da hat sich nichts geändert. Ich fahre meist ein Mal pro Woche zu Helen Langehanenberg, Anabel Balkenhol oder auch Isabell Werth, um sie in heimischer Umgebung zu trainieren. Ich bin auch für den Nachwuchs zuständig und betreue diesen intensiv.

Wie schätzen Sie die augenblickliche Situation im deutschen Dressursport ein?

Hilberath:Wir haben inzwischen die Talsohle überwunden und sind wieder Weltspitze, was nicht nur für Helen Langehanenberg und ihrem Hengst Damon Hill gilt. Beim Nachwuchs sieht es auch gut aus. Fabienne Lütkemeier hat gerade den „Grand Prix Special“ in Lingen gewonnen, aber auch meine Schülerinnen Jessica Werndl und Jenny Lang haben einen Sprung nach vorne gemacht.

Was muss ein sehr guter Dressurreiter mitbringen?

Hilberath:Früher war vor allem das Pferd wichtig. Das ist es heute auch noch, doch genauso wichtig ist, dass die Reiter körperlich fit sind. Nur dann ist noch ein Vorstoßen in die Weltklasse möglich.

Kommen Sie Anfang August nach Verden zu der Weltmeisterschaft der Jungen Dressurpferde?

Hilberath:Natürlich, das ist für mich als Disziplintrainer Dressur eine Pflichtaufgabe, die ich aber gerne wahrnehme. Unsere erfolgreichste Dressurreiterin Helen Langehanenberg steigt dort drei Mal in den Sattel. Ich freue mich auf Verden.

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