Sottrums neuer Coach Dariusz Sztorc hängt in der Warteschleife

„Ich sehe, wer fleißig ist“

Linksverteidiger Joshua Hüsing (am Ball) hat sich bereits für einen Wechsel zur FSV Hesedorf/Nartum entschieden – doch Coach Dariusz Sztorc hofft noch, ihm vom Verbleib zu überzeugen. Foto: FReese

Sottrum - Von Matthias Freese. Dariusz Sztorc steckt in einer vertrackten Situation. Er hat sein neues Team, den TV Sottrum, erst sechs Wochen trainieren und noch kein Spiel in der Fußball-Bezirksliga mit dem Aufsteiger absolvieren können – die Corona-Krise grätschte ihm dazwischen. Trotzdem plant der 50-jährige Trainer bereits für die neue Saison, ohne seine Spieler jemals im Wettkampfmodus beobachtet zu haben. Auch die geplante Saison-Fortsetzung ab September macht es ihm nicht leichter, wie er im Interview gesteht.

Eines vorweg: Sie hatten bei Ihrem Amtsantritt Ende Januar über die Saison hinaus zugesagt. Bleibt es eigentlich dabei?

Meine Zusage, die ich dem Verein und Vorstand gegeben habe, gilt mehr denn je. Ich habe noch gar nichts beweisen können. Ja, ich halte mein Wort.

Abteilungsleiter Thomas Holzkamm hat vor einigen Wochen berichtet, dass sie trotz der Corona-Auszeit weiter bezahlt werden. Gilt das immer noch?

Ich möchte betonen, dass ich beim TV Sottrum nicht wegen des Geldes zugesagt habe. Ich schätze den Vorstand sehr. Diese Aussage ist auch für mich ein Beweis des Vertrauens in meine Person. Aber genau deshalb werde ich auf mein Gehalt verzichten, solange ich nicht auf dem Platz mit meinen Jungs stehen und das Training leiten kann!

Sie haben nach Ihrem Einstieg sechs Wochen mit dem Team trainieren, ein Pflichtspiel aber nicht bestreiten können. Wie sieht der Übungsplan ohne Mannschaftstraining aktuell für die Spieler aus?

Wir haben in einer sehr kurzen Zeit bis Mitte März und bei bescheidenen Wetter- und Platzbedingungen ganz viel im Training ausprobiert und angesprochen. Wir waren aus meiner Sicht dank sehr guter Trainingsbeteiligung ganz weit. Meine Spieler haben nun per Handy bestimmte Vorgaben bekommen. Die Lauf- oder Trainingsnachweise schicken sie per WhatsApp. Es handelt sich um laufen, Fahrrad oder Inliner fahren, Kraft- oder Zirkeltraining. Möglichkeiten eines Profivereins haben wir nicht, deshalb kann ich nur moderieren. Ich führe eine Liste mit den Einheiten, sie ist in einer Gruppe immer zu sehen. Dazu gehören auch die Einzelgespräche per Handy und ganz viel Motivationsarbeit.

Halten sich die Jungs denn an die vorgegebenem Pläne?

Ich bin begeistert, wie sich die Spieler mittlerweile gegenseitig überprüfen und motivieren. Ja, die meisten halten sich an die Vorgaben. Und wenn sie an dem bestimmten Tag nicht laufen gehen können, holen sie das am nächsten nach. Es gibt ganz wenige, die es nicht für nötig halten, was zu machen. Ich sehe, wer fleißig und motiviert vorangeht, ohne dass der Trainer daneben steht. Ich kann sehr gut erkennen, wer mit der Situation sehr schwer klarkommt. Zuletzt kann ich auch erkennen, wer kein Teamplayer ist oder mit dem Team abgeschlossen hat. Dafür sind die Laufnachweise, Telefongespräche oder WhatsApp-Nachrichten sehr gut geeignet. Das werde ich berücksichtigen müssen in meinen weiteren Planungen

Der aktuellste Plan des Verbandes sieht vor, die Saison im September fortzusetzen. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Sportlich gesehen ist das korrekt. Ganz dumm finde ich die Idee nicht, ich werde mich dagegen nicht wehren, weil der Verband es eh entscheidet. Ich sehe allerdings auch viele Probleme, die danach kommen. Die Jungs sind jetzt heiß, die ganze Euphorie lässt nach, wenn es erst im September weitergeht. Das birgt viele Gefahren. Ich bin mir aber sicher, dass es nicht die letzte Entscheidung sein wird.

Was wäre denn Ihre Idee?

Sehr schwierige Frage. Eine radikale Lösung wäre, die Saison zu annullieren. Eine andere Lösung, und das wäre sportlich gesehen richtig: Aufstieg ja, Abstieg nein. Die Abstiegskandidaten hätten in meiner Idee das Glück, die Aufsteiger würden für ihre Arbeit belohnt. In der Zukunft sollte man allerdings auch alle neuen Entwicklungen berücksichtigen, zum Beispiel so lange in den Winter reinspielen, wie es vom Wetter her möglich ist. Aber ich bin froh, nicht entscheiden zu müssen. Wir Trainer haben genug zu tun und müssen uns immer auf neue Regeln, Ideen oder Gegebenheiten einstellen können. Das bringt die Aufgabe mit sich.

Sie haben Ihr Team noch nicht im Wettkampfmodus gesehen. Trotzdem geht es ja auch schon um die Planung für die Zukunft. Wie schwer ist das für Sie als Neu-Coach, auch vor dem Hintergrund, dass die Wechselperiode vielleicht nach hinten verlegt wird und ein Wechsel im Sommer dann wohl nicht möglich wäre?

Es ist nicht einfach. Die Zeit war für mich ohnehin schon sehr kurz und wurde durch die Saisonunterbrechung noch mehr eingeschränkt. Aber als Fußballer kenne ich alle Tricks der Spieler. Ich habe in den wenigen gemeinsamen Trainingseinheiten alle ziemlich gut kennenlernen können. Die Arbeit wird jetzt natürlich zusätzlich erschwert. Diesbezüglich müsste es eigentlich einen radikalen Schnitt mit dem jetzigen Saisonende geben. Ich bin froh, dass ich nicht viele wechselwillige Spieler habe, aber die Sache mit den Wechseln muss geklärt werden. Kann ich zum 1. Juli wechseln oder nicht? Ob das alles rechtlich in Ordnung ist?

Können Sie trotzdem schon Erfolge, sprich Zusagen, vermelden?

Einziger Neuzugang bis jetzt ist mein Sohn Brian-Yendrick Sztorc, der noch beim TV Oyten II spielt. Zwei Spieler habe ich angeschrieben. Ich bin gespannt auf die Gespräche. Eine feste Zusage für die neue Saison ist in dieser unsicheren Zeit nicht einfach. Ich habe eine sehr gute Mannschaft, aber meine Aufgabe ist es, sie weiter zu entwickeln. Dazu gehören auch gute Verstärkungen.

Joshua Hüsing hatte bereits bei der FSV Hesedorf/Nartum zugesagt, bevor Sie übernommen haben. Besteht noch eine Chance, ihn vom Bleiben zu überzeugen?

Grundsätzlich will ich mit ganz wenigen Ausnahmen alle Spieler aus dem jetzigen Kader behalten. Die wechselwilligen Spieler kenne ich – und nur um zwei werde mich sehr bemühen. Joshua Hüsing ist eine Bereicherung auf dem Platz, unheimlich ehrgeizig und fleißig. Er hat in seinem jungen Alter ein hohes Ansehen in der Mannschaft. Das ist ein Spieler, den ich unbedingt halten und weiterentwickeln will. Wenn Joshua an seiner verfrühten Zusage bei Hesedorf/Nartum festhält, kann ich in dieser Situation nicht viel machen. Ich hoffe ein wenig auf die Reflexion des Spielers. Wenn er jetzt sagen würde, dass er in so einem Moment nicht wechseln kann, wäre das doch ehrenhaft und für alle verständlich. Joshua gehört zu den Spielern, bei denen der Trainer die Aufstellung beginnt.

Und wer ist der andere Wackelkandidat?

Finn Herwig. Bei ihm könnte ich wiederholen, was ich über Joshua gesagt habe. Ein super Mensch und Spieler, der alles mitbringt. Ein Spieler, der auch bleiben muss. Er hat mir signalisiert, seine frühere Zusage (ebenfalls beim FSV Hesedorf/Nartum, Anm. d. Red.) überdacht zu haben. Ich bin sehr optimistisch, dass die Mannschaft bald ein positives Signal von ihm bekommt. Finn geht mit seiner verfrühten Zusage anders um als Joshua.

Muss der Kader auch extern verstärkt werden?

Bedarf sehe ich in der Abwehr und im Angriff. Es kommt nicht auf externe oder interne Lösungen an. Genauso wenig wie auf alte und junge Spieler. Es gibt genug ehrgeizige Spieler, die in der Bezirksliga spielen wollen und vom Potenzial her auch können. Der TV Sottrum ist eine intakte Truppe, ich werde alles daran setzen, um die Mannschaft zu ergänzen und verstärken. Der Vorstand genauso.

Wie nutzen Sie eigentlich die freie Zeit, in der Sie sonst auf dem Sportplatz gestanden hätten?

Den Fußballrasen kann man nicht ersetzen. Die Mannschaft hat in sehr kurzer Zeit mit ihrem Engagement und Fleiß beim Training einen Enthusiasmus in mir entfacht. Nun bleibt es aber zunächst bei der Auswertung der Laufnachweise und dabei, Überlegungen anzustellen, was man noch mehr und besser machen kann. Aber der Ehrgeiz und die Motivation sind geblieben. Ich bin jederzeit bereit, das Training aufzunehmen. Auf meine Mannschaft freue mich extrem!

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