Seit 1984 im Vorstand

Regina Thurisch nun auch für die Jugend zuständig

Regina Thurisch läuft mit Ball in der Hand über den Sportplatz.
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Neben dem Frauenausschuss steht die Rotenburgerin Regina Thurisch künftig auch dem Jugendausschuss im Kreis Rotenburg vor.

Seit nun mehr 37 Jahren ist Regina Thurisch Teil des Vorstandes im Fußball-Kreis Rotenburg. Nach dem Rücktritt von Detlef Reich übernimmt sie kommissarisch auch den Jugendvorsitz.

Rotenburg – Ihrem 37-jährigen Engagement für den Fußball-Kreis Rotenburg lässt Regina Thurisch ein weiteres Kapitel folgen: Die Rotenburger Bankkauffrau, die seit 1984 dem Vorstand angehört, als Staffelleiterin agierte und vor neun Jahren den Frauenausschuss übernahm, folgt nun auch kommissarisch auf Detlef Reich, der den Jugendausschuss abgibt. Die gebürtige Bothelerin kickte lange in ihrem Heimatverein und erlebte zum Ende ihrer Karriere ein sportliches Highlight beim MTV Jeddingen, mit dem sie das Double holte – Bezirks-Pokalsieg und Landesliga-Meisterschaft.

Ein wahrlich schweres Erbe trat Thurisch 2012 an, galt es doch, das Amt von Inge Rathjen fortzuführen. Doch sie war die Wunschkandidatin der Westerholzer Fußball-Ikone. „Die Aufgabe war für Regina schon eine große Herausforderung. Doch sie hat sich akribisch eingearbeitet und alles souverän gemeistert. Ich suche gerne das Gespräch mit ihr, wenn es für mich darum geht, eigene kniffelige Dinge zu lösen. Da hat sie einen anderen Blickwinkel und hilft mir sehr“, sagt auch der Kreisvorsitzende Uwe Schradick.

Die Aufgaben als Staffelleiterin und Mädchen-Referentin im Bezirk war eher ein „Anschwitzen“. Durch ihre langjährige Zeit als Spielerin und Übungsleiterin der Juniorinnen des TuS Bothel kannte sie viele Verantwortliche, war bestens vernetzt und wusste, wie der Fußball-Alltag ausschaut.

„Die Arbeit als Vorsitzende macht mir immer noch viel Spaß. Daher denke ich auch nach fast vier Jahrzehnten Vorstandsarbeit nicht ans Aufhören. Natürlich gibt es wie in jedem Ehrenamt mehr Kritik als Lob. Da freut man sich schon über jedes Lob und ist in der Sache mit Kleinigkeiten zufrieden“, meint die 59-Jährige.

Dass sie in Christa Berndt eine erfahrene Stellvertreterin an ihrer Seite hat, die beim TV Stemmen lange Fußball spielte, ist sicher kein Nachteil. Und als Kickerin kreuzten beide oft die Klingen, schenkten sich nichts. „Regina war als Abwehrspielerin stets eine knallharte Gegnerin und nicht zimperlich in den Zweikämpfen. Doch wir haben uns immer super verstanden, sind im Vorstand ein gutes eingespieltes Team. Dort macht sie eine super Arbeit, ist total engagiert und verlässlich. Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung, diskutieren dann die Sache und finden stets einen Konsens“, erzählt Berndt.

Die Ausschussarbeit ist vielschichtig. Da gilt es unter anderem, jede Saison neu zu planen, Ausschreibungen zu modifizieren, Rahmenspielpläne zu erstellen oder den Tag der Endspiele zu terminieren. Und eine gute Kommunikation zu den Vereinen ist für sie ein Muss, denn das reduziert deutlich den Stress. Damit ist sie stets gut gefahren und erhält zum Beispiel lobende Worte von Rainer Holsten, dem Trainer der C-Mädchen des Heeslinger SC. „Wenn es etwas zu regeln und zu klären gibt, zeigt sich Regina in den Gesprächen sehr kompetent, ist total locker und unkompliziert. Natürlich hat sie eine klare Meinung und möchte schon alle mit ins Boot nehmen“, sagt Rainer Holsten.

Die unterschiedlichsten Dinge locker angehen, zuhören können, sachlich Argumentieren und nicht als schlaue Oberlehrerin aufzutreten, lebt sie nicht nur in ihrem Amt. Im Vorstand genießt sie längst ein hohes Standing, weiß, wie sie gegen ein Dutzend Kerle bestehen kann. „Es ist im Prinzip wie überall im Leben. Man kann mit zunehmenden Alter Dinge besser einschätzen. Ich lasse die Männer erst ausreden. Und Lautstärke zählt für mich schon gar nicht. Doch ich weiß auch, dass man sich Anerkennung erarbeiten muss“, sagt Regina Thurisch, die nach dem kürzlich angekündigten Rückzug von Detlef Reich gemeinsam mit Berndt das „Ressort“ zunächst kommissarisch führt. „Regina ist fachlich top und bringt sich mit großem Elan ein. Wenn es in Sitzungen einmal hitzig wird, ist sie der ruhende Pol“, sagt Joachim Riegel, der Presseausschuss-Vorsitzende des Kreises.

Die zeitaufwendigen Sitzungen gibt es in Corona-Zeiten nicht mehr, dafür sind Online-Meetings angesagt. Eine Veränderung, die der Bänkerin eher entgegenkommt. „Ich arbeite oft bis 18 Uhr, brauche nicht mehr zu Sitzungen fahren und kann mich entspannt zu Hause auf die anstehende Schalte einstellen. Nach 30 Minuten ist nicht selten alles abgearbeitet“, bemerkt Thurisch. Dass der Mädchen- und Frauen-Fußball der Pandemie Tribut zollen wird, davon ist sie aber überzeugt. „Es wird bei den Juniorinnen Veränderungen geben. Die Mädels haben in der Zeit andere Dinge erfahren und werden sich vom Fußball verabschieden. Da sind die Verantwortlichen gefordert und müssen Überzeugungsarbeit leisten. Das wird bei den Frauen nicht so gravierende Folgen haben“, glaubt Thurisch.

Sie selbst stieg damals erst mit 14 Jahren ein, als der TuS Bothel ein Damenteam gründete. „Ich habe den Fußball nicht von der Pike auf gelernt. Das war schon ein großer Nachteil“, findet sie – und schaffte es wohl deshalb nicht zur Filigrantechnikerin. Doch dafür entwickelte sich Thurisch über eine gute Mentalität und Einstellung zu einer überdurchschnittlichen Spielerin. Beim Kreisligisten zählte sie bald zu den Leistungsträgerinnen, wechselte in der Saison 1994/1995 zum großen Nachbarn, dem MTV Jeddingen, der gerade in die Bezirksliga aufgestiegen war. „Die Botheler Mannschaft hatte sich aufgelöst. Daher sind wir mit einigen Spielerinnen nach Jeddingen gewechselt und suchten dort eher in der Reserve eine Herausforderung“, erinnert sich die Defensivspielerin. Doch Meistermacher Michael Menzel wusste um ihre Qualitäten und beorderte sie in den Landesligakader. „Regina war für mich der Typ, der einer jungen Mannschaft guttut. Ich habe ihr klar gemacht, dass wir sie brauchen. Die Mädels schauten schon auf sie und ihre Präsenz war sehr wichtig. Schon bald war sie mein verlängerter Arm“, unterstreicht der Coach. Der Landesliga-Aufsteiger mischte die Liga auf, sorgte für Furore und holte die Meisterschaft. „Wir hatten sportlich das Unmögliche geschafft. Dann wurde uns vonseiten eines gegnerischen Vereins der Vorwurf gemacht, dass wir eine nicht spielberechtigte Spielerin eingesetzt hätten. Das Sportgericht stimmt dem zu, erkannte uns den Titel ab“, sagt Menzel.

Doch das Team zerbrach nicht daran, zeigte eine große Moral, holte in der zweiten Saison den Bezirkspokal sowie die Meisterschaft und stieg in die Niedersachsenliga auf. „Meine dritte Saison in Jeddingen habe ich nur noch als Fan erlebt. Denn 1997 wurde unsere Tochter Raja geboren“, erzählt Regina Thurisch. Sie hörte auf und sah im eigenen Nachwuchs eine große Herausforderung. Ihre Hobbys Tennis und Laufen pflegte sie aber auch weiter. Beim TuS Bothel spielte sie mit den Frauen auf Bezirksebene und lief ihren ersten Marathon 2010 in Bremen. „Joggen ist ideal, um abzuschalten“, sagt Regina Thurisch. Und ihr Durchhaltevermögen hat sie längst im Fußball-Kreisvorstand bewiesen.

Von Manfred Krause

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