„Ich hätte noch gerne einen Kracher“

Tim Ebersbach über die Hinrunde, die Zukunft und seine Vertragsverlängerung beim Rotenburger SV

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Fingerzeig I: Björn Mickelat (r.) tut dem RSV als Spieler gut, auch wenn er immer mal wieder verletzt pausieren muss. In dem Fall unterstützt er Coach Tim Ebersbach (M.) an der Seitenlinie. Mit Christoph Drewes (l.) ist ein weiterer Routinier eingestiegen.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Am zweiten und dritten Spieltag grüßte der Rotenburger SV vom Gipfel der Fußball-Landesliga. Dann wiederum näherte er sich den Abstiegsrängen bis auf zwei Punkte, um die Kurve zu kriegen und als Sechster in die Winterpause zu gehen. Die Elf von der Wümme erlebte eine turbulente erste Saisonhälfte, auch weil immer wieder wichtige Spieler ausfielen. Im Interview zieht Coach Tim Ebersbach eine Zwischenbilanz. Außerdem wagt der 38-jährige B-Lizenz-Inhaber einen Blick in die Zukunft.

Herr Ebersbach, für Ihr Team gab es in den bisher 17 Spielen mehr Siege als Niederlage. Trotzdem beträgt der Vorsprung vor den Abstiegsplätze nur vier Punkte. Was ist da los in der Landesliga?

Tim Ebersbach: Das ist wirklich verrückt. Mit dem Punkteschnitt hast du normalerweise elf, zwölf Zähler Abstand nach unten. Das spricht also nicht gegen uns, sondern dafür, wie ausgeglichen die Liga geworden ist. Es sind mit Eintracht Celle und dem TuS Harsefeld nur zwei Teams vorne weg, danach kommt ein breites Mittelfeld.

Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Ebersbach: Wenn man sieht, was wir alles kompensieren mussten, dann bin ich unterm Strich zufrieden mit der Hinrunde. Tobias Kirschke, Björn Mickelat, Tim Potratz, Yannick Malende oder auch Atilla Iscan, die kann man nicht alle ersetzen. Der Saisonstart war natürlich gut, wir waren eingespielter als die Gegner, das hat vieles beschönigt. Allmählich haben wir aber gemerkt, dass wir es nicht kompensieren können.

Das neue Offensiv-Duo mit Arthur Bossert und Björn Mickelat hat durchaus Belebung vorne reingebracht. Nur die Ausbeute könnte besser sein, oder?

Ebersbach: Gerade im Offensivfußball haben wir schon einen Schub gemacht. Wir haben im Vergleich zur letzten Saison mehr Ballbesitz und spielen mutiger nach vorne. Wenn man sieht, wie viele Chancen wir kreieren, ist das total positiv – auch von der Spielanlage her. Das machen Bossert und Mickelat schon gut. Nur ist zu wenig rausgesprungen.

Und nach dem Neun-Punkte-Start folgten einige Spiele, in denen manche Zähler hergeschenkt wurden.

Ebersbach: Das ist dann die Summe aus dem, was wir kompensieren mussten und bedingt dadurch, dass wir nicht die breite Führungsachse haben. Das muss man dann so akzeptieren. Mindestens die Hälfte der ersten Elf ist ja auch unter 23 oder gar 21 gewesen. Die kommen nicht aus der Oberliga oder haben drei Jahre Landesligaerfahrung. Ein Bossert hat vorher in der Bezirksliga gespielt, die Chwolkas sind ein Jahr vorher aus der Bremer Landesliga gekommen. Wir haben aus wenig viel mit Qualität gebastelt und sind auf einem guten Weg. Wenn man die Meinung der anderen Trainer über uns hört, dann haben wir uns schon Respekt erarbeitet.

Gemessen an den Gegentoren stellt der RSV sogar die zweitbeste Abwehr der Liga. Dennoch wirkte die Defensive nicht immer sattelfest. Ein Widerspruch?

Ebersbach: Ja, das täuscht vielleicht ein bisschen. Im Allgemeinen sind die Ergebnisse nicht hoch ausgefallen. Aber letztes Jahr waren wir hinten in der Tat konstanter und sattelfester. Ein Hauptgrund ist, dass unsere Innenverteidigung lange dünn besetzt und damit ein Schwachpunkt war. Das ist definitiv so. Konstanz haben wir erst reinbekommen, als Christoph Drewes dazugekommen ist.

Mit Jannis Niestädt und Kevin Klützke hatte das Team die beiden Stamm-Innenverteidiger verloren. Mit Andreas Kiel ist ein weiterer Leistungsträger der Viererkette kürzergetreten. Haben Sie das unterschätzt?

Ebersbach: Ich nicht, andere vielleicht. Mir war das klar, dass wir sie nicht ersetzen können. Dass Kiel beruflich wegbricht, war allerdings auch nicht so abzusehen. Dass Klützke gar nicht mehr zur Verfügung steht, hätten wir auch nicht gedacht. Und auch nicht, dass ein Mathis Wulff so lange ausfällt. Jetzt wird er uns wohl erneut lange fehlen (wegen eines Mittelfußbruchs, Anm. d. Red.).

Angesichts der zahlreichen verletzungsbedingten Ausfälle also eine Seuchen-Hinrunde?

Ebersbach: Ich selbst stand schon zweimal auf dem Spielbericht. Das sagt doch alles, wenn du zu wichtigen Auswärtsspielen mit 13 Mann fährst. Auch Lukas Heller, einer der Spieler der Vorsaison, war uns im Oktober noch komplett weggebrochen. Wir hatten also fast die halbe erste Elf des letzten Jahres nicht mehr zur Verfügung.

Im Abwehrzentrum haben Sie mit der Verpflichtung von Yannik Funck jetzt zur Rückrunde gegengesteuert.

Ebersbach: Ja, Yannik Funck ist eine Bombe. Wir haben viele Spiele auch durch die fehlende Lufthoheit verloren, da hat auch ein Kirschke gefehlt. Wir hatten Spiele, in denen wir nur zwei, drei kopfballstarke Spieler auf dem Feld hatten. Das haben wir jetzt kompensiert. Das Zweikampfverhalten und die Lufthoheit – das ist in der Liga entscheidend.

Und was wird aus Christoph Drewes. Bleibt er im Kader, obwohl er auch Trainer der Zweiten ist?

Ebersbach: Das ist der Gedanke. Stand jetzt soll er im Kader bleiben, aber trotzdem auch die zweite Herren im Blick haben. Wir gucken, wie das vom Spielplan her gelegt werden kann. Aber gerade Anfang der Rückrunde wird er uns weiter begleiten.

Sie verlieren auch drei Spieler mit Robert Posilek, Björn Banehr und Waldemar Wart.

Ebersbach: Aber es geht kein Stammspieler, die drei Jungs haben ja eher wenig Einsatzzeiten gehabt.

Dafür kommen Tim Potratz und Yannik Malende, die in der Hinrunde gar nicht gespielt haben, aus dem Verletztenstand zurück ...

Ebersbach: Sie haben beide das Go vom Arzt. Ich glaube, dass sie noch eine gewisse Zeit brauchen, aber ich hoffe, dass sie im Laufe der Rückrunde Alternativen für die erste Elf werden.

Reicht der Kader so aus?

Ebersbach: Es kann ausreichen, aber er ist nicht so breit, dass wir uns nicht umgucken müssen. Ich hätte schon noch gerne einen Kracher. Gerade weil uns unterm Strich die Durchschlagskraft gefehlt hat. So einen typischen Neuner könnten wir gebrauchen. Jannis Niestädt wäre einer, wenn er aus den USA zurück ist. Da hätte ich konkrete Gedanken, ihn da spielen zu lassen. Der hätte in der Hinrunde bestimmt sechs, sieben Tore gemacht.

Fingerzeig II: Stefan Denker ist bester Torschütze des RSV.

Zumal der Vorsprung vor der gefährdeten Zone nicht gerade üppig ist.

Ebersbach: In der Rückrunde dürfen wir uns nicht eine Sekunde ausruhen. Es sind alle am rühren und rüsten auf. Verden hat mit Thomas Celik zum Beispiel einen Spieler verpflichtet, der schon in der Regionalliga gespielt hat. Noch einer zusätzlich für vorne – dann gehe ich beruhigt in die Rückrunde.

Ihr bester Goalgetter ist ausgerechnet ein Sechser – Stefan Denker mit acht Toren ...

Ebersbach: Wobei man sagen muss, dass er auch mit vielen Freiheiten offensiv agiert. Das ist für mich auch eine Option, ihn in der Rückrunde noch offensiver spielen zu lassen. Er hat viele wichtige Tore gemacht und eine richtig gute Serie gespielt. Ich bin megafroh, dass wir ihn haben. Er ist ohne Wenn und Aber der stille Chef, weil er auch intern sehr akzeptiert wird. Man merkt, dass er noch eine andere Generation mitgemacht hat, mit Oliver Freund und Co. in Ottersberg.

Die Zukunftsplanung hat längst begonnen. Worauf kommt es Ihnen an?

Ebersbach: Wichtig ist, dass der Kern erhalten bleibt, nicht alles umgekrempelt werden muss und die Mannschaft gezielt verstärkt wird.

Sie selbst haben schon mit Ihrer Verlängerung vorgelegt. Mussten Sie lange darüber nachdenken?

Ebersbach: Überhaupt nicht. Grundsätzlich ist Rotenburg immer meine erste Anlaufstelle. Für die Landesliga haben wir gute Bedingungen. Ich bin fest überzeugt, dass wir – wenn wir mal weiterspinnen – in zwei Jahren eine gestandene Landesliga-Elf aufbauen können. Wir sind noch nicht am Ende.

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