Hurricanes rocken Halle – 65:60

Zugabe, Zugabe

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In der Luft, aber auch am Boden wurde gefightet – wie hier Janae Young (l.) und Halles Tiffany Porter-Talbert.

Scheeßel - Von Matthias Freese. Diese Retourkutsche saß! Noch in der ersten Halbzeit hatten einige mitgereiste Fans des SV Halle die vergebenen Freiwürfe der Avides Hurricanes mit höhnischen Zugabe-Rufen kommentiert – nicht ganz fair, nicht ganz fein.

Doch als die Wende in Scheeßel in vollem Gange war, skandierten die heimischen Anhänger „Zugabe, Zugabe“ – wie bei einem Rockkonzert. „Intelligent gekontert“, nannte es Utz Bührmann, Vorstand Finanzen. Dem 65:60 (23:34)-Heimsieg am letzten Punktspieltag der Basketball-Bundesliga, der Platz fünf und die Play-off-Duelle mit der BG Donau-Ries beschert, war eine Aufholjagd vorausgegangen, die nicht alle Tage vorkommt.

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Mit 19 Punkten, sprich mit 51:32, waren die Gäste aus Sachsen-Anhalt in der 27. Minute bereits nahezu uneinholbar davongezogen. Dann erlebte Martin Dornhoff, Co-Trainer von Halles Headcoach Jennifer Kerns, sein persönliches Déjà-vu der bitteren Art. Am 5. November 2011 hatte er – damals Cheftrainer – an selber Stätte mit 17 Punkten nach dem dritten Viertel geführt – und am Ende mit 68:76 verloren.

„Das ist Basketball“, bemerkte Hurricanes-Aufbauspielerin Katarina Flasarova, die mit einem angeknockten Daumen ins Spiel gegangen war. „Natürlich habe ich so etwas schon mal erlebt.“ Die Tschechin verließ sich an diesem Tag auf ihr „gutes Gefühl“, denn: „In dieser Halle in Scheeßel spielen wir meist sehr stark. Da sind die Fans näher dran – das hilft uns sehr.“

Die Mauer: An Kierra Mallard kam der SV Halle (hier mit Brianna Kulas) kaum vorbei – dabei blieb die Centerin sogar ohne Foul!

Eine Halbzeit lang wollte dennoch in der Offensive so gut wie nichts gelingen, die Quoten befanden sich im tiefsten Keller: Nur zehn Prozent bei den Dreiern, nur 31 bei den Zweiern – und gar kümmerliche 33 bei den Freiwürfen. „Das kann nur besser werden. Wir warten auf eine deutliche Steigerung der Trefferquoten“, begrüßte Vorstand Sport und Hallensprecher Christoph Treblin die Hurricanes nach der Pause zurück auf dem Feld. Am Ende waren es 33, 35 und 58 Prozent.

Vor allem die Dreier fielen nun rein – durch Flasarova, Kierra Mallard und Janae Young. Und dennoch blieb Halle zunächst am Drücker, ehe den Hurricanes bis zum Ende des dritten Viertels ein 11:2-Run gelang und sie diesen mit einem 10:0-Lauf zum 53:53 durch Ashley Harris fortsetzen (33.). Apropos Harris: Die Amerikanerin erlebte dieses Mal ganz intensive 6:48 Minuten, die sie insgesamt auf dem Feld stand: Zwei ganz wichtige Dreier, zwei Rebounds, ein Steal – aber auch fünf Fouls sammelte sie in dieser Zeit.

Ihr Team hatte sich längst in einen Rausch gespielt. Kapitänin Pia Mankertz mit fünf Punkten und Young per Dreier zum 61:55 demoralisierten Halle (37.). Unterm Korb beeindruckte Kierra Mallard einmal mehr: Die Centerin stand die kompletten 40 Minuten auf dem Feld, holte 19 Rebounds, 15 Punkte und blieb ohne ein einziges Foul! Zwar kam Halle durch Jasmine James auf 60:61 heran, doch Mallard von der Freiwurflinie und Flasarova konterten zum 65:60.

„Das ist nur erklärbar durch die Mentalität des Teams. Als es darauf ankam, haben alle sehr viel Moral und Charakter gezeigt“, bemerkte Coach Christian Greve, der zum letzten Viertel zudem auf eine Zonen-Defense umgestellt hatte – ein geschickter Schachzug, wie er selbst einräumte: „Das war mitentscheidend, damit hatte Halle Probleme.“

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