Hurricanes in Erklärungsnot: Mallard und Selby dementieren Gerüchte

Bebender Wackelpudding

+
Maggie Skuballa (l., gegen Stephanie Wagner) gehört zu den tapferen Fünf und überzeugte mit Double-Double.

Scheeßel - Von Matthias Freese. Der „Wasserburger Nachtisch“ hatte es in sich und verursachte ein Beben wie in einer Schale Wackelpudding.

Nachdem die nur zu fünft angetretenen Bundesliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes den gastgebenden Spitzenreiter TSV Wasserburg fast zu Fall gebracht hatten (65:76), versuchte Tomas Holesovsky, Coach der Spielgemeinschaft, in einer Interviewrunde vor Fans den kurzfristigen Ausfall von Shay Selby und Kierra Mallard zu erklären. Dabei schloss er nicht aus, dass beide ihre Statistik nicht ruinieren wollten und deshalb auch für den Notfall nicht auf dem Spielberichtsbogen standen – eine unbedarfte Äußerung, die er mit der Situation und dem Frust erklärt: „Das war alles ein bisschen blöd.“ „Als Anerkennung für die geniale Leistung“ hatten die fünf Tapferen (Pia Mankertz, Maggie Skuballa, Laura Rahn, Andrea Baden, Angela Rodriguez) aus den Händen von Wolfgang Tschentscher ein Wasserburger Busserl, eine Pralinen-Spezialität, bekommen. Tschentscher, gleichzeitig Vorsitzender des Fanclubs Wasserburger Lions moderierte auch die anschließende Gesprächsrunde namens „Nachtisch“ und meinte: „Der Trainer war völlig frustriert. Er hat mir leid getan. Er hat nach Worten gesucht und Sachen gesagt, die man nicht auf die Goldwaage legen sollte.“ In einem bekannten Internet-Forum für Basketballer wurde dafür heiß diskutiert.

Die Vereinsspitze der Hurricanes wollte diesen Vorfall nicht hoch kochen und „nicht zu viel reininterpretieren“, wie Utz Bührmann, Vorstand Finanzen, sagt. Gleichwohl wurde für gestern Abend ein klärendes Gespräch mit Holesovsky, ihm und Christoph Treblin, Vorstand Sport, angesetzt. Der Coach nennt als Hauptgrund Kommunikationsprobleme mit den beiden Leistungsträgerinnen. Selby war im Spiel gegen den Herner TC mit Hannah Pakulat zusammengerasselt, hatte keinen Arzt aufgesucht und auch am Donnerstag mittrainiert: „Ich habe aber seit dem Zusammenstoß nonstop Kopfschmerzen und habe dem Coach gesagt, dass ich nur spielen werde, wenn sie weggehen würden. Mit einer Gehirnerschütterung spielt man nicht – ich hatte Angst, erneut getroffen zu werden.“ Laut Trainer hätte sie sich bereit erklärt, für den Notfall parat zu stehen: „Doch dann kam sie ohne Trikot aus der Umkleide. Und Kierra kam auch in Jacke und langer Hose.“ Bei Mallard war Holesovsky ebenfalls bis dahin von einem Kurzeinsatz ausgegangen – sie hatte jedoch aus persönlichen Gründen ein Sportverbot erhalten und äußerte ihr Unverständnis für die in Wasserburg getätigten Äußerungen ihres Coaches.

Selby beteuerte, dass es ihr nicht um die Statistiken gehen würde: „Als ausländische Spieler kommen wir für acht Monate hierher, um das Spiel zu spielen, das wir so lieben – und nicht, um Ausreden zu suchen, um nicht zu spielen. Aber letztlich müssen wir auch an unsere Gesundheit denken. Ich habe schon mit kleinen Verletzungen diese Saison gespielt, dieses Mal war es schon etwas ernster. Natürlich fühle ich mich schlecht, dass ich meine Mitspielerinnen allein lassen musste, aber sie haben es verstanden. Da kränkt es mich schon, wenn Leute so einen Blödsinn über uns sagen und nicht die ganze Geschichte kennen.“

Holesovsky will die Situation nicht eskalieren lassen. „Ich will keine Probleme suchen, ich will bis zum Ende mit diesem Team spielen“, betont er. Die Wechselperiode ist ohnehin beendet. Über mögliche Konsequenzen hat er nicht zu befinden – „das muss das Management entscheiden“. Klar ist aber, dass die personelle Situation derzeit äußerst unbefriedigend ist. Die Strafe dafür, dass die Hurricanes nicht mit den geforderten acht Spielerinnen angetreten sind, wird der Club da wohl noch am ehesten verkraften – sie liegt im zweistelligen Euro-Bereich.

Wichtiger ist vielmehr die Klärung, wie künftig ein ausreichender Kader auswärts dabei ist – schon in Freiburg hatte Holesovsky nur ein Septett dabei. Dieses Mal waren Hannah Pakulat wegen bevorstehender Prüfungen an der Uni, Birte Riebesell wegen der Präsenzpflicht an der Uni am Freitag sowie Cara Tadeus (18. Geburtstag) und Beekje Janßen nicht mitgereist. Stand-by-Kraft Natalie Gohrke war kürzlich aus dem Kader ausgeschieden.

„Ohne Option auf der Bank – das ist nicht toll. Das wollen wir eigentlich nicht“, sagt Bührmann. „Wir müssen eine Lösung finden. Und wir müssen so etwas zur nächsten Saison ändern“, meint Holesovsky.

Ob es nun beim Beben in der Wackelpuddingschale bleibt oder der Seismograf noch stärker ausschlägt, werden die Tage zeigen.

Mehr zum Thema:

Drei Hundewelpen aus verschüttetem Berghotel geborgen

Drei Hundewelpen aus verschüttetem Berghotel geborgen

Die Staatskarossen der US-Präsidenten

Die Staatskarossen der US-Präsidenten

Wie werde ich Fitnesskaufmann/-frau?

Wie werde ich Fitnesskaufmann/-frau?

Wann eine Teilqualifizierung sinnvoll ist

Wann eine Teilqualifizierung sinnvoll ist

Meistgelesene Artikel

Schumachers Tormaschine läuft richtig heiß

Schumachers Tormaschine läuft richtig heiß

Kelm zu oft im Stich gelassen

Kelm zu oft im Stich gelassen

Der Meister der Körperbeherrschung

Der Meister der Körperbeherrschung

An Neuzugang Fründ liegt es nicht

An Neuzugang Fründ liegt es nicht

Kommentare