Hurricanes-Coach Christian Greve zieht nach der Hinrunde eine Zwischenbilanz

„Wir haben keine Diva“

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Scheeßel - Von Matthias Freese. Die Tabelle lügt nicht. An jedem der elf Hinrundenspieltage lagen die Avides Hurricanes auf einem Play-off-Platz in der Basketball-Bundesliga der Damen. Christian Greve, Trainer des Aufsteigers, will von einer Zielkorrektur dennoch nichts wissen und spricht weiter nur vom Klassenerhalt. Warum, das erklärt er im Interview.

Die Hurricanes haben die Hinrunde mit sechs Siegen aus elf Spielen als Tabellensechster beendet – ist es da nicht mal an der Zeit, die Ziele neu zu definieren?

Applaus für diese Hinrunde: Coach Christian Greve.

Christian Greve: Wir korrigieren unser Ziel erst, wenn wir sagen können, dass wir nicht mehr absteigen werden. Es kann noch viel passieren. Wir wissen doch aus eigener Erfahrung, dass es nach einem tollen Saisonstart noch zum Abstieg kommen kann. Es kann im Winter noch viele Veränderungen in anderen Kadern geben, auf die wir keinen Einfluss haben.

Die unten stehenden Teams – TuS Bad Aibling, BC Marburg und ChemCats Chemnitz – tauschen bereits hektisch ihren Kader durch. Glauben Sie, dass die den Hurricanes nochmal gefährlich werden können?

Greve: Definitiv! Ich bin Realist: Mit sechs Siegen steigt man ab. Selbst mit zehn Siegen kann es eng werden. Sollten wir nach der Winterpause einen schlechten Start erwischen, kann man auch ganz schnell in einen Strudel geraten.

Also ist selbst der Tabellenletzte Bad Aibling mit bisher nur einem Sieg noch nicht weg?

Greve: Nee, nee, nee. Da greifen auf einmal Mechanismen, da können Trotzreaktionen entstehen – und dann gewinnen die wie gegen Herne. Die größte Motivation kommt aus Frustration, nicht aus Euphorie. Wir müssen also auf alles gefasst sein.

Auch darauf, dass es zu Ausfällen von Leistungsträgerinnen kommen kann? Bisher sind Sie davon ja verschont geblieben.

Greve: Es ist mir bewusst, dass wir gut durchgekommen sind. Das hat auch mit den Maßnahmen, die wir nach dem letzten Abstieg ergriffen hatten, zu tun. Daran hat unsere Physiotherapeutin Anna-Lena Meinke einen großen Anteil. Sie nimmt sich der kleinsten Wehwehchen sofort an. Und wir machen inzwischen ein etwas anderes Training. Es wird prophylaktischer trainiert, die Pläne sind im Athletikbereich für die Profis angepasst worden. Uns geht es darum, dass die Koordination und die kognitiven Fähigkeiten gut geschult werden, die Spielerinnen eine gute Körperstabilität haben.

Und was fehlt den Hurricanes zu einem Spitzenteam?

Greve: Fünf Jahre Zeit, ein größerer Etat, noch professionellere Strukturen und ein gewisses Ansehen in der Liga.

Wir würden Sie denn die Hinrunde bewerten?

Greve: Durchwachsen gut. Ich bin ja nie zufrieden, aber es waren auch Leistungen dabei, die nicht gut waren. Selbst bei unseren Siegen in Bad Aibling und Chemnitz haben wir spielerisch nicht überzeugt.

Hätten Sie eigentlich erwartet, dass Centerin Kierra Mallard – drittbeste Rebounderin und beste Blockerin der Liga – sich so im Oberhaus etablieren würde?

Greve: Ja, das war meine Erwartungshaltung, die ich schon bei ihrer Verpflichtung hatte. Sie neigt manchmal dazu, nicht das Letzte aus sich rauszuholen, das ist ihre Attitüde. Trotzdem: Sie macht einen super Job. Wir freuen uns, sie hier zu haben. Sie ist auch charakterlich ein toller Mensch.

Haben Sie keine Angst, dass die Konkurrenz sie Ihnen wegschnappt?

Greve: Angst habe ich nicht, ich wäre aber auch nicht beleidigt, wenn ein Euroleague-Club kommen würde. Ich bin lange genug im Geschäft.

Was zeichnet Ihr Team aus?

Greve: Gemessen an dem, was wir haben, machen wir es schon ganz gut. Der Kader ist harmonisch und geht gut miteinander um. Wir haben keine Diva und keine Egozocker, alle kommen mit ihrer Rolle klar. Wir sind ein Team. Und meine Erwartungshaltung war definitiv nicht, dass wir auf Platz sechs stehen.

Mal ehrlich: Haben Sie sich denn die Play-off-Termine schon im Kalender notiert?

Greve: Nö, ich weiß nur, dass es bis Mai geht.

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