„Ein Traum wurde wahr“ 

Die Hurricanes bitten zur großen Sause

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Da ist das Ding: Nach dem Abpfiff schnitten die Hurricanes – wie es sich gehört – das Netz vom Korb ab. Trainer Christian Greve tat den letzten Schnitt und präsentierte den „Skalp“.

Aus Braunschweig berichtet Matthias Freese. Der Hallenboden backte wie bestes Paketklebeband, in der Luft hing der Geruch von Sekt. Kein Wunder, schließlich schäumten bei den Basketballerinnen der Avides Hurricanes nicht nur die Gefühle über.

Ein eigentlich schon verlorenes Play-Off-Finalspiel bogen sie bei Eintracht Braunschweig noch in einen 83:82 (32:41)-Sieg um. Nach einjähriger Abstinenz kehrt die Gemeinschaft aus Rotenburg und Scheeßel damit als Zweitliga-Meister wieder ins deutsche Oberhaus zurück.

Die Hurricanes verwandelten die Sporthalle namens „Alte Waage“ in ihren eigenen Vergnügungspark, nachdem sie zuvor ihre 100 mitgereisten Anhänger auf eine gefühlsmäßige Achterbahnfahrt mit ungewissem Ausgang geschickt hatten. Noch in der 34. Minute deutete alles darauf hin, als müsste der Klassenbeste tatsächlich nachsitzen – 65:77 lag er zurück. „Wir waren schon dabei, das Catering-Team und das Kampfgericht für ein drittes Spiel zusammenzustellen“, gestand Christoph Treblin, Vorstand Sport. Zu flatterhaft agierte der große Favorit in fast allen Belangen – Fehlpässe, schlechte Freiwürfe, schwache Abschlüsse. Dadurch kam auch die Pressverteidigung nicht wie gewohnt zum Zuge, zudem hatte Braunschweig unter dem Korb gut dicht gemacht und auch mit Alysa Womack eine überragende Scorerin. Die Amerikanerin erzielte bis zur Pause 20 Punkte, am Ende waren es 32.

Nicht immer hatte es Kierra Mallard (am Ball) so leicht wie hier gegen Braunschweigs Katharina Wohlberg.

Und doch war auch sie die große Verliererin des Spiels – neben der Ex-Scheeßelerin Katharina Wohlberg. Constanze Wegner glich zwei Minuten vor dem Ende zum 79:79 aus, Janae Young brachte die 81:80-Führung, Kierra Mallard bei noch 19 zu spielenden Sekunden von der Freiwurflinie das 83:82 für die Hurricanes. In den letzten acht Sekunden vergab erst Womack beide Freiwürfe, dann auch Wohlberg. Als „Scheißsituation“, bezeichnete es Wohlberg, betonte aber, dass es kein Geschenk an den ehemaligen Club war: „Das ist egal, ob es Rotenburg ist!“ Zumal Suska Berger noch in der Schlusssekunde aus der Mitteldistanz hätte treffen können.

„Ich bin total stolz auf die Mädels“, betonte Coach Christian Greve. Schließlich war sein Team in der Schlussphase reichlich geschwächt. Hannah Pakulat (34.), Emma Stach (39.) und Young (40.) erhielten von den Referees Susanne Winking und Sven Rosenbaum ihr fünftes Foul – mit 31:18 lag der Meister auch in dieser Kategorie nicht ganz nachvollziehbar vorne. „Ich habe mich geärgert, weil es nicht alles Fouls waren“, so Pakulat, bei der zwischenzeitlich Tränen flossen, ehe die Wende einsetzte und auch bei ihr das Laune-Barometer an die höchste Stelle kletterte: „Ein großer Traum ist wahr geworden.“

Einen Eklat provozierte indes Klaus-Rüdiger Biemer, Vorsitzender der 2. Damen-Basketball-Bundesliga Nord, bei der Meisterehrung. Erste Pfiffe erntete er von den Fans der Gastgeber bei seiner Aussage: „Es zählt, wer am Ende die Nase vorn hat.“ Als er erklärte, die Rotenburger Anhänger seien lauter gewesen und es wäre nicht der Tag von Braunschweig gewesen, folgten wüste Proteste und „Eintracht, Eintracht“-Rufe. „Zu spät“, bemerkte Biemer wenig deeskalierend.

Hurricanes wieder erstklassig

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Ziemlich mürrisch war auch Braunschweigs Manager Thomas Stille angesichts der Sekt-Seen und zahlreichen Bierglas-Servietten auf dem Boden. Er platzte mit Wischmop bewaffnet in die feucht-fröhliche Runde und knöpfte sich die Spielerinnen vor. Eine fette Rechnung für die Reinigung dürfte wohl folgen, doch selbst Hurricanes-Schatzmeister Utz Bührmann blieb gelassen: „Unser Hallenboden sah vor drei Jahren schlimmer aus“, erinnerte er an die Meisterfeier der Osnabrück Panthers. Und er fügte an: „Die hätten unsere Halle doch auch verwüstet, wenn sie bei uns gewonnen hätten.“

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