Neuer U16-Chefcoach beim HSV

Horst Hrubesch bittet in sein Büro ‒ und befördert den Scheeßeler Thomas Johrden

Thomas Johrden gibt im Training an einem Dummy stehend Aneisungen
+
Klare Ansprache: Nach vier Jahren als Co-Trainer der U 19 übernimmt der aus Scheeßel stammende Thomas Johrden zur neuen Saison die in der Regionalliga spielende U 16 des Hamburger SV als Chefcoach.

Seit fünf Jahren arbeitet der Scheeßeler Thomas Johrden als Jugendtrainer beim Hamburger SV. Jetzt hat HSV-Legende Horst Hrubesch ihn befördert.

Scheeßel – Die unmittelbare Nähe zur Elbe weiß Thomas Johrden zu schätzen. Er nutzt sie regelmäßig für ausgiebige Spaziergänge mit seiner Labrador-Hündin. „Sie ist aktiv ohne Ende“, erzählt der 34-jährige Fußball-Trainer, der aus Scheeßel stammt und seit bald zehn Jahren in Hamburg lebt. Der Stadtteil Othmarschen, in dem er mit seiner Frau wohnt, liegt für ihn ideal. Auch zu seinem Job hat er es nicht weit. „16 Minuten mit dem Fahrrad“, sagt Johrden, der ab der nächsten Saison eine neue Aufgabe bei seinem Arbeitgeber, dem Hamburger SV, übernimmt. Er ist beim Zweitligisten zum Chefcoach der in der Regionalliga spielenden U 16 befördert worden – von HSV-Legende und Nachwuchsdirektor Horst Hrubesch.

Hrubesch hat Johrden die U16 angeboten

Für Johrden, der seine A-Lizenz bereits besaß, als er noch aktiv und erfolgreich für die SV Drochtersen/Assel in der Regionalliga spielte, ist Fußball längst zum Fulltime-Job geworden. Bis vor Kurzem war er noch Co-Trainer der U 19 an der Seite von Daniel Petrowsky, dann krempelte Hrubesch den Trainerstab kräftig um, holte den früheren Dortmunder Profi

Oliver Kirch als neuen Chefcoach für den ältesten Jugend-Jahrgang und bot Johrden die U 16 in hauptverantwortlicher Rolle an. „Wir hatten im Laufe der Saison schon einige Gespräche. Irgendwann hat er gesagt, er würde mit mir gerne mal einen Termin machen. Mitte März habe ich in seinem Büro gesessen, er hat mich nach meinen Vorstellungen gefragt und mir gesagt, dass er mir gerne die U 16 geben würde. Da musste ich nicht lange überlegen“, berichtet Johrden. „Eine tolle Aufgabe. Ich habe immer gesagt, dass ich gerne den nächsten Schritt machen und eine eigene Mannschaft übernehmen würde. Jetzt kann ich meine eigenen Ideen plus das Erlernte einbringen. Ich fühle mich pudelwohl im Jugendbereich.“

Zur Person: Anfänge in Scheeßel

Thomas Johrden (34) begann beim SV Rot-Weiß Scheeßel mit dem Fußball, wechselte aufgrund seines Talents aber früh in die Jugend zum SV Werder Bremen, schaffte es dort in die zweite Mannschaft, spielte vier Jahre beim TuS Heeslingen und war schließlich vier Jahre für die SV Drochtersen/Assel aktiv. Mit den Kreisstadern stieg er in die Regionalliga auf. Er absolvierte insgesamt 28 Regionalliga- und 199 Oberliga-Spiele. Bereits während seiner aktiven Zeit bestand er die A-Lizenz-Prüfung, begann 2016 als Scout beim HSV, war Co-Trainer der U 14 und seit 2017 der U 19. Johrden hat Gesundheits- und Sportwissenschaft studiert, ist seit 2020 verheiratet und lebt in Hamburg-Othmarschen.

Zudem bringt er inzwischen auch einiges an Erfahrung mit. Erst ein Jahr bei der U 14, dann vier Jahre Co-Trainer der U 19 in der Bundesliga. „Ich habe dort sehr viel gelernt, das war in der Summe Gold wert. “ Fiete Arp gehörte zu seinen Schützlingen, auch U 21-Europameister Josha Vagnoman, Ogechika Heil und Jonas David, die alle den Sprung zu den Profis schafften und dort ebenso wie das vierte Eigengewächs, Stephan Ambrosius, zum Kader gehören. Mit Aaron Opoku, der zuletzt an den Rivalen Jahn Regensburg ausgeliehen war, und Patric Pfeiffer (inzwischen Darmstadt 98), schafften es zwei weitere von

Johrden mitausgebildete U 19-Spieler in Liga zwei. „Die Quote ist schon in Ordnung“, findet er. „Aber es ist am Ende auch unser Job und der Anspruch, die Jungs optimal vorzubereiten und in den bezahlten Fußball zu bekommen. Oder wenn sie es dann nicht schaffen, sie so vorzubereiten, dass sie im Leben klarkommen.“

Sobald man als Trainer in die Nähe kommt, ist auf einmal Stummfilm.

Thomas Johrden über die Zurückhaltung seiner neuen Spieler.

Künftig sind die Talente, die Johrden weiter entwickeln soll, ein paar Jahre jünger. Er folgt Tobias Kurbjuweit, der die U 17 übernimmt. Vier Wochen lang hat er die künftigen U 16-Kicker bereits um sich versammelt, nachdem sie aus Norderstedt, wo die jüngeren Jahrgänge ihr Domizil haben, zum Campus im Schatten des Volksparkstadions umgezogen sind. „Es geht darum, sie kennenzulernen, ihnen zu vermitteln, was mein Anspruch an die Jungs ist“, erklärt Johrden. „Es ist natürlich ein großer Unterschied zur U 19, allein die physische Komponente. Und sie sind noch sehr zurückhaltend. Sobald man als Trainer in die Nähe kommt, ist auf einmal Stummfilm“, meint Johrden und lacht. Nun sind vier Wochen Sommerpause, ehe am 12. Juli die Saisonvorbereitung beginnt.

HSV-Star Mehdi Mahdavikia wird der Co-Trainer

Johrden erhält übrigens ziemlich prominente Unterstützung. Vergangene Woche entschied sich, dass Mehdi Mahdavikia (221 Erstligaspiele für den HSV) sein Co-Trainer wird. Der Iraner war bisher als Individual- und Offensivtrainer in der HSV-Jugend eingesetzt. „Horst hat mich gefragt, ob ich es mir vorstellen kann.“ Natürlich konnte er. „Mehdi kann den Jungs super viel mitgeben, er ist auch menschlich ein toller Typ.“

Ebenfalls neu unter Hrubesch: Der HSV verabschiedet sich von der bisherigen Vorgehensweise, dass die Teams von der U 15 bis zur U 17 jedes Jahr einen neuen Coach bekommen. Künftig begleiten die Trainer sie in die nächste Altersklasse, bis sie in die A-Jugend gehen. „Für mich ist das eine gute Herangehensweise, weil du so kontinuierlich mit den Jungs etwas erarbeiten kannst und sie sich nicht jedes Jahr auf einen neuen Trainer, jedes Jahr auf etwas Neues einstellen müssen“, meint Johrden, der es in seiner Jugendzeit noch selbst erlebt hat und in seiner Karriere unter anderem unter den Ex-Profis Mirko Votava und Thomas Wolter (bei Werder Bremen) sowie später unter Torsten Gütschow beim TuS Heeslingen trainieren durfte.

Wenn Hrubesch erzählt, hört Johrden gebannt zu

Nun heißt sein Chef Horst Hrubesch. Viel mehr HSV geht nicht: Deutscher Meister, Landesmeister, Europameister, U 21-Nationaltrainer: „Wenn er von dieser Zeit berichtet – das ist spannend. Da zieht man für sich schon etwas raus. Und es ist immer auf Augenhöhe“, weiß Thomas Johrden die Zusammenarbeit zu schätzen. Ähnlich wie die Nähe zur Elbe.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Ehemaliger Fußball-Profi Gütschow erzählt von Karriere und Trainer-Jobs

Ehemaliger Fußball-Profi Gütschow erzählt von Karriere und Trainer-Jobs

Ehemaliger Fußball-Profi Gütschow erzählt von Karriere und Trainer-Jobs
Olympische Spiele 2016: Traum von Mountainbiker Ramezani platzte

Olympische Spiele 2016: Traum von Mountainbiker Ramezani platzte

Olympische Spiele 2016: Traum von Mountainbiker Ramezani platzte
Gies hält RSV-Sieg fest

Gies hält RSV-Sieg fest

Gies hält RSV-Sieg fest
Stegemann feiert den Doppelsieg ‒ auch Zeller räumt weiter ab

Stegemann feiert den Doppelsieg ‒ auch Zeller räumt weiter ab

Stegemann feiert den Doppelsieg ‒ auch Zeller räumt weiter ab

Kommentare