Hier rein, da raus

Wie Schiedsrichter auf Entgleisungen reagieren

Jan-Luca Wilken (vorne) lässt sich trotz der Pöbeleien nicht unterkriegen und pfeift auch in Zukunft mit Spaß. - Foto: Freese

Rotenburg - Von Michel Matthies. Die Handgreiflichkeiten eines Fans des SV Komet Pennigbüttel gegen die Assistenten von Schiedsrichter Nikolas Wilckens (SV Drochtersen/Assel) im Spiel der Fußball-Landesliga gegen den Rotenburger SV (1:1) vor wenigen Wochen machen eines deutlich: Die Unparteiischen sehen sich immer wieder brenzligen Situationen gegenüber und müssen sich teilweise auch neben dem Platz einiges gefallen lassen. Immer wieder haben nicht nur Spieler, sondern auch Zuschauer keine Scheu, ihre Unzufriedenheit verbal und mit Tätlichkeiten zum Ausdruck zu bringen.

„Ich finde solche Angriffe nicht nachvollziehbar“, betont Viktor Herber, der bereits seit 17 Jahren für den SV Jeersdorf als Schiedsrichter unterwegs ist und auf Kreisebene pfeift. „Körperlich wurde ich Gott sei Dank noch nie angegriffen, verbal jedoch schon häufig“, fährt Herber fort. Angesichts der Vorfälle wie in Pennigbüttel kommt die angestrebte Ordnungsänderung des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) zur neue Saison aber wie gerufen. Demnach haften Vereine künftig grundsätzlich für Entgleisungen ihrer Anhänger, ganz gleich ob die Clubs sich schuldhaft verhalten haben oder nicht (wir berichteten).

Für Jan-Luca Wilken, der seit vier Jahren für den SV Jeersdorf an der Pfeife ist und seine Premierensaison in der Bezirksliga fast abgeschlossen hat, ein richtiger Schritt. „Manchmal bekommt man schon Angst, wenn man am Wochenende auf den Platz geht und von den Vorkommnissen in der Umgebung gehört hat. Immerhin könnten diese einen selbst betreffen.“

Die beiden Jeersdorfer Unparteiischen finden, dass Schiedsrichter bei kleineren Pöbeleien und „schlauen Sprüchen“ von außen Ruhe bewahren müssen. „Das geht ins eine Ohr rein und ins andere wieder raus“, sagt Wilken. Und Herber ergänzt: „So hart es klingt, aber sonst hat man als Schiedsrichter auf dem Platz nichts zu suchen.“

Auch der neue Schiedsrichterobmann des NFV-Kreises Rotenburg, Mats Baur, hat eine klare Meinung: „Die jüngsten Attacken sind nicht weit von unserem Kreis entfernt. Es gilt deshalb, weiter auf einen respektvollen Umgang mit den Schiedsrichtern hinzuarbeiten.“ Außerdem appelliert er daran, dass „alle Seiten für den Fußball zusammenarbeiten sollten und eben nicht gegeneinander“.

Die Pöbeleien haben vor allem auf den Nachwuchs der Schiedsrichter Einfluss. Viele Assistenten „lassen sich häufig verunsichern, da sie oft noch sehr jung sind“, weiß Herber. Nach seinen Erfahrungen brauche man „ungefähr eine Saison“, um sich zu akklimatisieren und „nach einem Spruch einen klaren Kopf zu bewahren“.

Als aktiver Spieler zeigt Wilken durchaus Verständnis für die Kicker und die Zuschauer: „Ich bin der Auffassung, dass Vereine und ihre Anhänger ein Recht haben, ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen. Es gibt jedoch Grenzen, die eingehalten werden sollten“, findet der 19-Jährige. Herber führt das Thema noch weiter aus und sagt: „Meiner Meinung nach sollte es auch schon Ordner in der Kreisliga geben, denn man weiß nie, was die Zuschauer oder Spieler im Sinne haben.“ Der Meinung ist auch Wilken, der selbst schon von einem Spieler mit dem Ball abgeworfen worden ist und sich als „Idiot“ beschimpfen lassen musste. Beleidigungen kommen sonst selten vor, blöde Sprüche dagegen regelmäßig.

Mats Baur sieht vor allem die Gefahr, „dass sich viele Schiedsrichter denken: Warum soll ich mich freiwillig auf den Platz stellen, wo ich sowieso nur kritisiert werde?“ Der Schiedsrichterobmann weiß, dass es schon jetzt ein Problem ist, Partien auf Kreis-ebene zu besetzen. Da fördert ein schlechter Umgang die Anzahl an Neuanwärtern nicht gerade. Wilken und Herber lassen sich aber trotz alledem nicht den Spaß am Pfeifen nehmen und wollen dabeibleiben.

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