„Hier ist jetzt meine Heimat“

Iranischer Flüchtling Yunes Parvizi kickt erfolgreich für den SV Rot-Weiß Scheeßel

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Yunes Parvizi ist vor zwei Jahren aus dem Iran geflüchtet und kickt nun erfolgreich beim SV Rot-Weiß Scheeßel. 

Scheeßel - Von Vincent Wuttke. Yunes Parvizi ist glücklich. Er fühlt sich sicher und hat viel Freude beim SV Rot-Weiß Scheeßel in der Fußball-Kreisliga. Ein so „normales“ Leben hatte der 21-Jährige aber nicht immer. 2015 war er mit seinen Eltern und seiner Schwester aus dem Iran geflohen. Nun kommt Parvizi in Deutschland immer besser zurecht – auch auf dem Platz. Am Wochenende schoss er gegen den FC Alfstedt/Ebersdorf (6:0) sein zweites Saisontor und legte drei Treffer auf. „Es macht mir in der Mannschaft sehr viel Spaß und es war mein bestes Spiel!“, sagt der sehr kontaktfreudige Flüchtling.

Da gehört es für ihn dazu, dass er sich bereits in bestem Deutsch verständigen kann. „Ich unterhalte mich gern und viel mit Leuten“, sagt der Fußballer. Mittlerweile geht er zu den Berufsbildenden Schulen in Rotenburg, hinzu kamen für längere Zeit zwei Besuche beim Sprachkurs der Volkshochschule. Dass auch Parvizi trotz seines Bemühens nicht sofort alles verstehen konnte, war für ihn nicht schlimm. „Ich habe immer weiter gelächelt, und viele haben ihre Sätze wiederholt“, erklärt der Iraner.

Dort, in seiner alten Heimat, konnten er und seine Familie nicht mehr leben. Als kurdische Christen hatten es die Parvizis schwer in dem muslimisch geprägten Land. Einige Male wurde er von der Polizei in Gewahrsam genommen. „Mein Vater hat immer gesagt, er möchte das Land nicht verlassen. Aber dann meinte er, es geht nicht anders“, erklärt der Sohn. Da sein Vater bei der Regierung nicht gerade beliebt war, begann die Flucht getrennt. Während Mutter und Schwester in die Türkei flogen, mussten die beiden Männer zwei Tage lang in das Nachbarland wandern, um wieder zu den Frauen zu finden. Zu viert ging es dann mit dem Boot nach Griechenland und ab da erneut zu Fuß. 16 Tage dauerte die Flucht, bis sie in Deutschland ihr Ziel fanden. Die ersten Monate waren Parvizis in Visselhövede in der Flüchtlingsunterkunft untergebracht, bevor sie nach Scheeßel kamen. Dort leben sie nun ebenfalls in einem Flüchtlingsheim. „Irgendwann möchten wir mal eine Wohnung haben“, träumt Yunes Parvizi. Eine Aufenthaltsgenehmigung hat die Familie und darf bleiben.

„Deutschland ist ein gutes Land mit guten Menschen. Wir haben alles hier und keine Angst mehr“, berichtet Parvizi. Für ihn passt es umso besser, dass er sich auch sportlich wieder richtig austoben kann. Zehn Jahre lang hatte der Angreifer im Iran schon Fußball gespielt, ehe er für zwei Jahre aufgrund der Probleme im Land pausierte. Beim SV Rot-Weiß Scheeßel ist er nun seit fast einem Jahr dabei und ein voll akzeptiertes Teammitglied. Auch regelmäßige Besuche im Fitnessstudio und Jogging-Ausflüge gehören dazu. Wenn dann noch Freizeit bleibt, dann unternimmt Parvizi etwas mit seinen Freunden. „Hier ist jetzt meine Heimat“, verkündet der Stürmer glücklich.

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