Westerwalseder ist Athletiktrainer des Zweitligisten VfL Osnabrück

Hestermanns Herz schlägt lila-weiß

Voll fokussiert: Der gebürtige Westerwalseder Jan-Philipp Hestermann ist seit Oktober Athletiktrainer des Fußball-Zweitligisten VfL Osnabrück. Foto: Imago

Rotenburg - Von Mareike Ludwig. An den 29. Mai kann sich Jan-Philipp Hestermann noch ganz genau erinnern. Schafft der Fußball-Zweitligist FC Ingolstadt im Relegationsrückspiel den Klassenerhalt oder geht es in die Dritte Liga runter? Behält Hestermann seinen Job oder setzt ihn der Verein vor die Tür? Die „Schanzer“ verpatzen die entscheidende Partie gegen den SV Wehen Wiesbaden mit 2:3 – der 2:1-Sieg aus dem Hinspiel damit wertlos. Der Abstieg ist für den Athletiktrainer gleichbedeutend mit der Arbeitslosigkeit. „Ich habe natürlich bis zum Schluss richtig mitgezittert. Es war mir klar, dass ich gehen muss, wenn wir absteigen. Ich hatte schließlich keinen Vertrag für die Dritte Liga. Als der Abstieg feststand, war das natürlich erstmal ein Brett“, erinnert sich der gebürtige Westerwalseder.

Sein Blick richtete sich aber sofort wieder nach vorne. Er weiß, dass das Fußballgeschäft sehr schnelllebig ist und die Arbeitsplätze dort begrenzt sind. „Ich bin sehr dankbar, dass ich acht tolle Jahre in Ingolstadt hatte. Durch diese Zeit habe ich richtig Fuß gefasst. Für mich war es absolut in Ordnung, dass mein Vertrag nicht verlängert wurde. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich in Ingolstadt fertig war. Es war Zeit für eine neue Aufgabe“, erklärt Hestermann.

Einfach war es allerdings zunächst nicht, einen neuen Job im Fußballgeschäft zu finden. Also heuerte der einstige Defensivmann des Rotenburger SV nach zweimonatiger Arbeitslosigkeit in einer Rehaklinik in München an. Nach nur einer Woche kam ein richtungsweisender Anruf – Benjamin Kugel, einst Athletiktrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, teilte ihm das Interesse des Zweitliga-Aufsteigers VfL Osnabrück mit – dort war die Stelle des Athletiktrainers vakant. „Zunächst konnte ich mir nicht vorstellen, aus dem Süden wieder wegzugehen. München ist so etwas wie meine zweite Heimat geworden. Das Gespräch mit Benjamin Schmedes (Sportdirektor des VfL Osnabrück, Anm. d. Red.) hat mich aber überzeugt. Es ist genau die sportliche Aufgabe, die mich interessiert“, so Hestermann, der seit dem 1. Oktober beim Zweitligisten unter Vertrag steht.

Damit war nach nur knapp zwei Wochen in der Rehaklinik schon wieder Schluss. Koffer packen, Umzug organisieren und eine Wohnung suchen standen plötzlich auf dem Programm. „Ich habe mich zum Glück schnell eingelebt. Die Leute haben es mir aber auch sehr einfach gemacht, alle sind total offen und hilfsbereit“, erzählt er.

Sieben Monate später sieht die Welt also schon wieder ganz anders aus. Vergessen ist der Abstiegsschmerz. Mittlerweile schlägt Hestermanns Herz lila-weiß. Während der 36-Jährige in Ingolstadt hauptsächlich im Nachwuchsleistungszentrum gearbeitet hat und bei den Profis nur punktuell verantwortlich war, steht er in Osnabrück an erster Stelle. „Natürlich muss ich mich erstmal etwas Freischwimmen und mich beweisen. Die jüngeren Spieler musste ich an die Hand nehmen und noch mehr führen, im Profibereich ist die Heransgehensweise eine andere“, erklärt Hestermann.

Seine Hauptaufgaben liegen im Rehabilitationstraining, der Datenanalyse sowie der Athletik. Nach dem allgemeinen Mannschaftstraining kümmert er sich noch um die Rekonvaleszenten. Dazu kommen diverese Besprechungen. „Wer in unserer Branche auf die Uhr schaut, ist in dem Job falsch. Ich bin mit viel Leidenschaft dabei, schließlich bin ich rund um die Uhr mit meinem Beruf beschäftigt. Abschalten ist gar nicht so einfach“, erzählt Hestermann offen. Auch an den Wochenenden ist der Athletiktraining meistens im Einsatz. Nur bei weiteren Auswärtsfahrten bleibt er zu Hause.

Am Spieltag kümmert sich der 36-Jährige um das athletische Aufwärmen. Die Einheit dauert knapp acht Minuten, danach geht es mit den Ersatzspielern weiter. Am Ende des Warm-ups absolviert er mit der Startelf noch Sprints – vor 10 000 bis 20 000 Zuschauern. Plötzlich steht Hestermann selbst im Fokus, die Partie bei Hannover 96 oder dem VfL Bochum sind noch gut in Erinnerung. Aber auch die Heimspiele an der „Bremer Brücke“ sind für ihn etwas ganz Besonderes. So auch Ende November der 2:1-Sieg gegen den Hamburger SV. „Die Stimmung war überragend. Jeder Junge träumt doch davon, Profi zu werden. Es jetzt über einen anderen Weg zu schaffen, hautnah in den Stadien auf dem Platz zu stehen, ist natürlich schön“, gesteht Hestermann, um aber direkt anzufügen: „Darüber definiere ich mich aber nicht. Meine Aufgabe ist es, Leistung zu generieren. Dies passiert ganz klar unter der Woche und nicht am Spieltag. Ich arbeite mit der Mannschaft auf das Wochenende hin.“ Diese Aufgabe macht der Ex-Rotenburger derzeit ziemlich gut, auch wenn es am Sonntag ein 1:3 beim FC Heidenheim gab. Die Lila-Weißen sind dank Hestermann richtig fit – der Aufsteiger liegt aktuell auf Rang sechs. Scheint so, als müsse er am Saisonende nicht noch mal um seinen Job bangen. „Definitiv nicht. Ich habe einen ligaunabhängigen Vertrag“, verrät Hestermann mit einem Augenzwinkern.

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