Ehemaliger Oberliga-Fußballer startet Trainerkarriere in der 2. Kreisklasse

Hemslingens Coup mit Kucevic

Mit der Erfahrung von 103 Oberliga-Einsätzen als Spieler ist Sead Kucevic als Trainer beim TuS Hemslingen/Söhlingen eingestiegen. Foto: Lüdemann

Hemslingen - Von Nicolas Tréboute. Die Familienbande ist dafür verantwortlich, dass sich Sead Kucevic seit dieser Spielzeit seine ersten Meriten als Fußball-Trainer verdient. „Auf einmal ist im Verein mein Name gefallen“, sagt der neue Coach des TuS Hemslingen/Söhlingen aus der 2. Kreisklasse Süd. Verantwortlich dafür war sein Neffe Amar Radoncic, der in den vergangenen beiden Jahren zumeist für die zweite Mannschaft in der 4. Kreisklasse Süd aufgelaufen war. Kucevic brauchte nicht viel Bedenkzeit, um Hemslingens Obmann Joey Meyer die Zusage zu geben. Dass er die Nachfolge von Spielertrainer Sascha Kregel antritt, darf durchaus als Coup bewertet werden. Der 41-jährige Bosnier ist andere Fußball-Regionen gewohnt.

Für den TuS Heeslingen bestritt der Goalgetter einst in der Oberliga 103 Partien (39 Tore). In der Saison 2010/2011 lief er für den Club sogar in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den damaligen Zweitligisten Energie Cottbus um den heutigen Freiburger Nils Petersen auf. Darauf blickt Kucevic noch immer mit einem weinenden Auge zurück – und das hat nicht unmittelbar mit der knappen 1:2-Niederlage zu tun. „Das war echt ein trauriges Los“, sagt der Sittenser und lässt durchblicken, dass er sich damals einen deutlich attraktiveren Gegner gewünscht hätte. „Außerdem war Cottbus‘ Trainer Claus-Dieter Wollitz eine Komplett-Katastrophe. Er hat uns nach dem Spiel als Kloppertruppe hingestellt. Dabei hatten wir gerade einmal drei Gelbe Karten kassiert.“

Von der großen Fußball-Welt ist der Ex-Heeslinger inzwischen ein ganzes Stück weit entfernt. Die Realität heißt TuS Hemslingen/Söhlingen. „Ich weiß, worauf ich mich eingelassen habe“, versichert der Coach, für den es die erste Trainerstation ist. Dass er in der 2. Kreisklasse Süd nicht mit dem höchsten Maß an Professionalität rechnen kann, nimmt er hin. Er versucht auch gar nicht erst, das zu ändern. „Hier verdient keiner damit Geld“, zeigt er Verständnis und scheint damit bis jetzt in der Mannschaft gut anzukommen.

Sead Kucevic vor rund neun Jahren – im Oberliga-Trikot des TuS Heeslingen. Foto: Krause

Der Saisonstart ist mit dem 4:1-Sieg beim SV RW Scheeßel II geglückt. Auch zwei Spieler, die sich mit Abwanderungsgedanken beschäftigt hatten, sind nun geblieben. „Momentan sind immer 15 bis 16 Leute beim Training. Ich glaube, für die Liga ist das eine gute Zahl“, freut sich der Bosnier, der seinen Trainerstil als eine Mischung aus „Disziplin und freundschaftlichem Umgang“ bezeichnet: „Ich hatte viele Einflüsse, zum Beispiel durch Benjamin Duray oder Torsten Gütschow. Ich versuche, von allen etwas einzubringen.“

Ob das Kucevic-Engagement beim TuS Hemslingen/ Söhlingen über die Saison hinausgehen wird, möchte er nicht versprechen. Dafür ist er wohl schon zu lange im Geschäft. „Wenn wir Erfolg haben, warum nicht? Mein Ziel sind die Plätze eins bis fünf“, sagt er. Und vielleicht hilft ja am Ende auch wieder die Familienbande und sein Neffe Amar Radoncic, der es jetzt im Kader der Ersten versucht. „Er hat auf jeden Fall keinen Vorteil dadurch, dass ich ihn trainiere. Im Gegenteil: Ich scheuche ihn noch ein bisschen mehr“, sagt Kucevic mit einem Schmunzeln.

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