Teammanager im Interview

Heeslingen: Lahde und Schult wollen Aufstieg auf sportlichem Wege

Sie ziehen gemeinsam die Fäden beim Heeslinger SC: Carsten Schult (l.) stieß vor rund einem Jahr dazu und unterstützt Steffen Lahde.
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Sie ziehen gemeinsam die Fäden beim Heeslinger SC: Carsten Schult (l.) stieß vor rund einem Jahr dazu und unterstützt Steffen Lahde.

Gerne würde der Heeslinger SC in die Fußball-Regionalliga aufsteigen. Zunächst aber musste kurzfristig erst mal ein neuer Trainer her.

Heeslingen – Turbulente Tage liegen hinter den Teammanagern des Fußball-Oberligisten Heeslinger SC. Mitten in der Planung für die neue Saison mussten Steffen Lahde und Carsten Schult einen neuen Trainer finden, nachdem Sören Titze sein Amt niedergelegt hatte. Wir sprachen mit dem „Macher“-Duo.

Der Trainerwechsel kam für viele überraschend. Was verändert sich dadurch jetzt in Heeslingen?

Carsten Schult: Sicher ist Lars Uder eine andere Persönlichkeit als Sören Titze, aber eigentlich wollen wir ja gar nicht, dass sich groß etwas verändert. Wir haben mit Sören gut zusammengearbeitet und hoffen, es mit Lars ebenfalls zu tun. Ich weiß aber auch, dass sie unterschiedliche Typen sind. Natürlich haben wir nicht so viel Zeit, um uns aneinander zu gewöhnen, das werden wir in den nächsten 14 Tagen aber intensiver tun.

Warum Lars Uder, der bis September Regionalligist SV Drochtersen/Assel trainiert hat?

Schult: Das war der erste Gedanke, den ich hatte. Ich bin überzeugt, dass er fachlich ein sehr guter Trainer ist und auch menschlich einen guten Umgang pflegt. Ich hatte viel Gutes über ihn gehört.

Der Heeslinger SC hat vergangenen Sommer einen Umbruch gestartet – wird dieser ähnlich fortgesetzt?

Steffen Lahde: Der Umbruch wurde im Wesentlichen im letzten Jahr vollzogen. Jetzt gilt es, in kleinen Schritten die Mannschaft zu verstärken, um unsere ambitionierten Ziele zu erreichen.

Der Kader wurde bislang durch fünf Neuverpflichtungen verstärkt. Sind Sie damit in allen Mannschaftsteilen konkurrenzfähig für den Kampf um den Titel? Müssen noch weitere Spieler weichen?

Lahde: Wir sind mit dem Kader konkurrenzfähig aufgestellt und können eine gute Rolle in der Liga spielen. Ein oder zwei Spieler stehen noch auf der Kippe, aber weichen muss keiner.

Der langjährige Hauptsponsor Hans-Peter Fricke steht weiter zur Seite. Ist das die Planungssicherheit, um das Ziel Regionalliga anzugehen? Wie konkret wird das Ziel nächste Saison angestrebt?

Lahde: Die Firma Fricke ist seit vielen Jahren ein sehr zuverlässiger Hauptsponsor und für unsere Planungssicherheit ganz wichtig. Gerade in Pandemiezeiten ist es nicht einfach, neue Sponsoren zu generieren. Es ist unser mittelfristiges Ziel, oben mitzuspielen.

Beim benachbarten Ligarivalen Rotenburger SV zählen Talente wie der Sechser Luca Althausen und Stürmer Jan Friesen zu den Leistungsträgern. Sie wurden beim JFV A/O/Heeslingen ausgebildet. Sind das nicht auch interessante Jungs für Heeslingen?

Schult: Wir haben das klare Ziel, jeden talentierten Spieler aus der Region zu beobachten – und gerade die, die bei uns ausgebildet wurden. Doch nach der abgebrochenen Saison kann ich den Entwicklungsstand gar nicht beurteilen.

Lahde: Wenn diese Spieler das Potenzial für die Oberliga haben, stehen sie immer bei uns auf dem Zettel.

Die sportliche Neuausrichtung hat mit dem Einstieg von Carsten Schult an Fahrt aufgenommen. Was gab den Ausschlag, gemeinsame Sache zu machen?

Lahde: Im Prinzip ist es wirklich aus unserer Freundschaft heraus entstanden, die sich während der Führungszeit im JFV A/O/Heeslingen ergeben hat. Der immer größer werdende Aufwand, ein Oberliga-Team zusammenzustellen oder die Infrastruktur zu verbessern, hat mich veranlasst, Carsten zu fragen. Wir kennen und schätzen uns, haben eine ähnliche Auffassung der Dinge.

Schult: Als Steffen mich gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte, hier zielorientiert etwas mit anzuschieben, habe ich zugesagt. Das Potenzial ist mega groß und absolut motivierend.

Wie schaut denn Ihre Aufgabenteilung aus?

Lahde: Wir teilen uns die Aufgaben wie zum Beispiel die Kaderplanung, auf, führen gemeinsame Gespräche mit den Spielern und versuchen die sportlichen Angelegenheiten, Sponsoring oder ein attraktives Umfeld über ein Konzept im Sinne des Erfolges zu verändern.

Schult: Es sind Nuancen, keine wirkliche Aufgabenteilung. Steffen spricht aber zum Beispiel mit Spielern, die hier lange spielen. Ich spreche dann mit externen Neuzugängen.

Herr Schult, Sie sind Ur-Ahlerstedter. Wie waren die Reaktionen bei der SV Ahlerstedt/Ottendorf, dass Sie beim Konkurrenten Aufbauhilfe leisten?

Schult: Ich habe viele Jahre ehrenamtlich gearbeitet und wollte noch einmal etwas Neues in Angriff nehmen. Der Zeitpunkt war 2019 gegeben, als ich Martin König für A/O als Teammanager gewinnen konnte. Dadurch ist keine Lücke entstanden. Dann kam fast zeitgleich die Anfrage von Steffen. Ich habe mein Vorhaben dem Vorstand erklärt. Die fanden das nicht besonders witzig, zeigten aber Verständnis.

Die Zuschauerzahlen sind in den letzten Jahren rapide nach unten gegangen. Durch die neue Flutlichtanlage sind Abendspiele möglich. Wird es dazu kommen?

Lahde: Der Schwund ist hier bereits vor acht bis zehn Jahren entstanden. Doch es ist allgemein ein Problem im Amateurbereich durch die Übersättigung des Profisports. Wir versuchen, unter anderem die Infrastruktur, Bewirtung und das Umfeld zu verbessern. Wir konnten eine Euphoriewelle anstoßen und hoffen, durch attraktiven Fußball wieder mehr Fans in Stadion zu locken.

Schult: Bei unseren zwei Freundschafts- und vier Heimspielen wäre die Bude voll gewesen. Doch leider waren aufgrund von Corona nur 300 Zuschauer erlaubt. Aber wir haben für Neugierde gesorgt und Leute ins Stadion gelockt, die wir lange oder noch gar nicht hier gesehen hatten. Das müssen wir fortsetzen. Die Derbys gegen Rotenburg, Uphusen und Hagen/Uthlede sollen unter Flutlicht stattfinden, das ist mit den Gegnern besprochen.

In den letzten Jahren haben es Eigengewächse wie Arne Exner, Sidney Wix, Lennard Martens oder Gustav Balzer zu Stammspielern geschafft. Wird sich das nicht durch eine andere Philosophie und „Identität“ verändern?

Schult: Identität heißt ja nicht nur, dass ich hier in der Jugend groß geworden bin und in Weertzen wohnen muss. Es heißt für mich, dass ich mich mit der Truppe und mit dem, was wir hier machen, identifiziere. Kevin Rehling ist ein gutes Beispiel. Er spielt bereits viele Jahre hier. Wenn wir in der Oberliga oben mitspielen wollen oder den Regionalliga-Aufstieg schaffen, wird es nicht ohne fremde Spieler gehen.

Lahde: Die Strategie und Philosophie wird sich auch künftig nicht ändern. Doch es wird durch unsere ambitionierten Ziele auch nicht ohne auswärtige Spieler gehen. Die ländliche Region ist einfach zu dünn besiedelt.

Herr Schult, Sie arbeiten als Nachwuchs-Scout bei Werder Bremen. Die Kontakte zu Verantwortlichen wie Thomas Wolter oder Björn Schierenbeck sind kein Nachteil. Wie profitiert Heeslingen davon?

Schult: Die Zusammenarbeit endet nach über zwölf Jahren zum 1. Juli. In der Zeit habe ich viele Kontakte aufgebaut und es gab einen regen Austausch zum Beispiel mit Björn Schierenbeck. Wenn dort ein Spieler ist, der es nach oben nicht schafft, aber bei dem die Oberliga für eine Entwicklung sorgen würde, wird das mit Werder thematisiert. Dadurch habe ich schon einen Vorsprung, denn Kontaktdaten zum Spieler und Berater sind mir bekannt.

Bei Allrounder Oliver Warnke standen die Zeichen aus beruflichen Gründen auf Abschied. Wie wichtig war es, ihn trotzdem noch weiter an den Verein zu binden?

Lahde: Es war für uns immer klar, dass wir mit ihm verlängern wollten. Sein Beruf lässt sich manchmal schwer mit dem Fußball vereinbaren. Oliver zählt aber ganz klar zu den Säulen, die wir brauchen. Er besticht durch seine Qualität, Präsenz und Mentalität und hat nicht nur im Team ein hohes Standing.

Eine Kaderplanung ist mit zeitlichem Aufwand verbunden. Spieler lassen sich längst durch Berater vertreten ...

Schult: Das ist ein extrem hoher Aufwand. Wobei Berater Fluch und Segen sind. Die vertreten nicht nur die Interessen der Spieler, sondern auch ihre eigenen. Ich sehe sie für mich aber eher als Segen, denn damit bekomme ich schneller den Kontakt zum Spieler. Ich denke, dass Berater in der Regionalliga einfach dazu gehören.

Warum haben Sie darauf verzichtet, in Sachen Regionalliga-Aufstieg rechtliche Schritte einzuleiten?

Lahde: Es gab in keiner Phase von Seiten des HSC die Absicht, im Alleingang rechtliche Schritte zu unternehmen. Wir haben uns mit den anderen Oberligisten abgestimmt und uns mit der verspäteten Begründung des Verbandes arrangiert. Wenn wir aufsteigen, dann muss es der sportliche Weg sein.

Die Oberliga soll wieder zweigleisig starten. Ist das für Sie okay?

Lahde: Das hat sportliche und logistische Vorteile, neben kürzeren Fahrten gibt es mehr Derbys.

Schult: Ich könnte die Entscheidung verstehen. Unter normalen Umständen wäre ich für eine 18er- oder 20er-Staffel, aber im Oktober kann die Pandemie noch einmal aufflackern, dann hätte man durch die Einteilung mehr Sicherheit eingebaut. Ein möglicher dritter Saisonabbruch wäre für den Amateurfußball sehr dramatisch.

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