Trainingslager in Rotenburg

2,5 Zentimeter ‒ Platzwart Friesen erfüllt Hannover 96 die Wünsche im Ahe-Stadion

Spieler von Hannover 96 stehen auf dem Platz, dahinter läuft die Beregnungsanlage.
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Selbst während des Trainings hat es Hannover 96 gerne nass. So lässt es Platzwart Dimitrij Friesen auch mal regnen.

Hannover 96 in Rotenburg, Tag drei: Was für die Profis Normalität ist, bedeutet für den Platzwart harte Arbeit. Er tut alles, um dem Zweitligisten die besten Bedingungen zu bieten.

Rotenburg – Wie lang muss der perfekte Rasen für Fußball-Profis sein? Dimitrij Friesen weiß es genau: „2,5 Zentimeter“, sagt der Platzwart der städtischen Ahe-Sportanlage in Rotenburg. Nur zwei, drei Millimeter mehr – und das kickende Personal merkt es sofort. Und eben deshalb ist Friesen aktuell im Dauereinsatz, quasi stets auf Abruf und auf dem Gelände anzutreffen. Schließlich gilt es, dem Fußball-Zweitligisten Hannover 96, der derzeit sein Trainingslager an der Wümme bestreitet, bestmögliche Bedingungen zu garantieren. Platz zwei und drei stehen ihm dafür zur Verfügung.

Bürgermeister Andreas Weber (M.) schaute am Mittwoch vorbei, plauschte mit Sportdirektor Marcus Mann (r.) sowie Pressesprecher Heiko Rehberg und überzeugte sich von der Qualität des Platzes.

„Langeweile habe ich nicht“, meint Friesen und lacht. Von morgens um sieben Uhr bis abends um 22 Uhr hält er sich momentan überwiegend im Ahe-Stadion auf. Immerhin: In seinem großzügigen Büro gleich vorne links im Umkleidegebäude, ist er bestens ausgestattet: Kaffee, Cappuccino, Tee – die Maschine macht‘s möglich. Gegenüber hat Hannover 96 zwei Kabinen belegt, zudem nutzt der Gast aus der Landeshauptstadt einen weiteren Raum für sich. Auch ihre Fußballschuhe lagern die Profis hier, sodass sie komplett ohne Gepäck auf ihren Mountainbikes an- und abreisen können.

Am Mittwoch schaute auch Bürgermeister Andreas Weber (SPD) vorbei, hielt einen kurzen Plausch mit dem neuen Sportdirektor Marcus Mann, überzeugte sich von den optimalen Bedingungen und lobte Platzwart Friesen dafür, dass der Rasen nach der langen Pause schon „wieder so eine Qualität hat“. Angesichts der langen Diskussion um einen Winterrasen kann sich Weber einen Hinweis nicht verkneifen, wenn er auf die Anforderungen zu sprechen kommt, die Hannover 96 gestellt hat. Als einer von zehn Punkten ist dort ausdrücklich aufgeführt, dass der zur Verfügung gestellte Trainingsplatz „kein Kunstrasen“ sein dürfe. „Das fand ich toll“, bemerkt Weber.

Ideale Bedingungen für ein Trainingsspiel: Bei Hannover 96 ging es in der Mittwochseinheit gut zur Sache – auch verbal.

Tobias Harms verrät noch, dass auch die genaue Länge des Rasens in den übersandten Anforderungen und Rasenpflegetipps vorgegeben ist: „2,3 bis 2,5 Zentimeter – und es darf kein Schnittgut mehr herumliegen“, erklärt der Abteilungsleiter des Haupt- und Schulamtes, der sich auch um die Sportangelegenheiten in der Kreisstadt kümmert.

Für Dimitrij Friesen sind diese Vorgaben nichts Neues. „Wir haben ja unsere Erfahrungen vorher mit dem Hamburger SV schon gesammelt“, blickt er zurück. „Und meine Jungs spielen auch Fußball und wollen auf einem vernünftigen Rasen trainieren“, ergänzt der 57-Jährige, der aus Sibirien stammt. Seine Söhne, die Zwillinge Max und Jan Friesen, gehören fest zum Oberliga-Kader des Rotenburger SV, der Vater hat sie einst selbst trainiert – damals noch bei Fortuna Rotenburg. Und er hat festgestellt: „Die Herren des RSV waren auch begeistert, dass sie jetzt abends auf 2,5 Zentimeter langem Rasen trainieren durften.“

Tägliches Mähen für Hannover 96

Meist ist der grüne Untergrund sonst einen Tick länger, so um die drei Zentimeter, weil er dann auch nicht so anfällig für die Sonneneinstrahlung ist. Normalerweise fährt der Spindelmäher sonst auch nur dreimal die Woche über die Plätze. Aktuell ist jedoch tägliches Mähen angesagt. Entweder abends oder zwischen den Einheiten erledigt Friesen diese Arbeit. „Morgens ist das eher schlecht“, verweist er darauf, dass die Plätze dann einfach noch zu feucht sind. Auch entstandene Löcher durch herausgeflogene Grasstücke schließt er und sticht die Plätze mit einer kleinen Forke, um sie zu lüften. „Wie ein Greenkeeper“, sagt Friesen und lacht.

Vor den Einheiten – und sogar zwischendrin – fahren auch immer wieder bis zu 15 individuell steuerbare Düsen der Beregnungsanlage aus dem Rasen heraus. Deshalb verfolgt der Platzwart das Training meist aus der Sprecherkabine, von wo aus er kürzesten Weg zum Pumpenraum hat, wenn das Zeichen der Hannoveraner kommt. Und benötigt dann ein aus Hannover mitgereister Sportjournalist Strom für seinen Laptop – dann wird ihm auch noch schnell ein Verlängerungskabel auf die Tribüne gelegt.

Zwei Wappen, ein Sportplatz – die Logos der Stadt Rotenburg und von Hannover 96 im Ahe-Stadion.

Seit mittlerweile dreieinhalb kümmert sich Friesen um die Anlage in der Ahe, neuerdings erhält er Unterstützung von Paul Sahm. Und er ist „schon ein bisschen stolz, dass solche Mannschaften uns besuchen. Das heißt ja, unsere Anlage ist nicht so schlecht“, meint der Platzwart, der Werder-Fan ist.

Mit dem „Landhaus Wachtelhof“, wo Hannover 96 übernachtet, hat die Stadt übrigens eine Vereinbarung geschlossen. „Wir stellen die städtische Anlage zur Verfügung, aber als Ansprechpartner für Hannover 96 fungiert in dieser Zeit der Wachtelhof“, erklärt Tobias Harms. So sei auch vereinbart worden, dass der Sportplatz spätestens bis 18.30 Uhr wieder frei sei, damit ab 19 Uhr die Oberliga-Kicker des Rotenburger SV hierauf ihre Vorbereitung auf die neue Saison absolvieren können. Dimitrij Friesen ist auch dann immer noch auf dem Platz anzutreffen.

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