RÜCKPASS Verletzung stoppt Jan-Lukas Heinrich vor zehn Jahren

„Handball bleibt ein Teil von mir“

Plattennadel statt Handball: Der in Scheeßel und Rotenburg aufgewachsene Jan-Lukas Heinrich hat als DJ ein neues Hobby für sich entdeckt. Seit eineinhalb Jahren hat der 31-Jährige zusammen mit seinen Freunden ein eigenes Label.
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Plattennadel statt Handball: Der in Scheeßel und Rotenburg aufgewachsene Jan-Lukas Heinrich hat als DJ ein neues Hobby für sich entdeckt. Seit eineinhalb Jahren hat der 31-Jährige zusammen mit seinen Freunden ein eigenes Label.
  • Mareike Ludwig
    vonMareike Ludwig
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Bremen/Rotenburg – An einen Satz kann sich Jan-Lukas Heinrich noch ganz genau erinnern. Zwar ist seine Aussage in der Rotenburger Kreiszeitung schon lange her, dennoch sind ihm die Worte sehr präsent. „Es ist, als nimmt man einem Handwerker erst das Werkzeug weg und sägt ihm dann auch noch die Arme ab“, wiederholt das einstige Handballtalent zehn Jahre später noch einmal den so prägenden Satz. Der Rotenburger hatte seinerzeit aufgrund einer Hüftkopfnekrose seine Karriere mit nur 20 Jahren beim damaligen Regionalligisten SV Beckdorf beenden müssen – noch bevor seine erfolgversprechende Laufbahn so richtig Fahrt aufnehmen konnte. Mit der Zeit hat der ehemalige Rechtsaußen den nötigen Abstand zum Leistungssport bekommen. Im Interview wirkt er dennoch etwas nachdenklich, als er über die vergangene Zeit spricht.

Herr Heinrich, wie geht es Ihnen aktuell?

Ich arbeite als Krankenpfleger in Bremen und bin hier super zufrieden. Mir gefällt die Stadt sehr gut, ich fühle mich wohl. Mir geht es wirklich gut, ich kann mich nicht beklagen.

Das war nicht immer so. Vor zehn Jahren mussten Sie unter das Kapitel Handball einen Schlussstrich ziehen. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie daran zurückdenken?

Das war eine richtig harte Zeit. Ich war ein Vollblut-Handballer, hatte schon Angebote aus der 2. Liga bekommen. Ich war bereit, in die professionelle Richtung zu gehen. Dann kamen die Schmerzen in der Hüfte und zahlreiche Arzttermine bei verschiedenen Sportmedizinern, um mir mehrere Meinungen einzuholen. Am Ende waren sich leider alle einig, dass es mit dieser Diagnose keinen Sinn mehr machen würde, weiter Handball zu spielen.

Was hat diese Nachricht in Ihnen ausgelöst?

Erst mal eine komplette Leere. Plötzlich war der große Traum vorbei. Mein Leben bestand quasi nur aus Handball, ich musste mich erst mal neu sortieren. Ich bin zum Glück nicht sterbenskrank, dennoch war es für mich persönlich ein Trauma, ein einschneidendes Erlebnis. Handball war mein Lebensmittelpunkt. Dass meine körperliche Grenze schon so früh erreicht war, musste ich lernen zu akzeptieren.

Wie sind Sie aus dem Tal wieder herausgekommen?

Der Abstand zum Sport hat mir geholfen. Zwar ist eine Tür für mich zugegangen, aber gleichzeitig hat sich zum Glück eine andere geöffnet.

Was meinen Sie damit?

Nach meinem unfreiwilligen Karriereende habe ich eine Ausbildung zum Krankenpfleger begonnen und gleichzeitig die Musik für mich entdeckt. Ich hatte zwar schon vorher Platten gesammelt und hin und wieder als DJ bei Freunden aufgelegt. Meinen ersten Plattenspieler habe ich von einem Freund für eine Kiste Bier bekommen (lacht). Durch die plötzliche Freizeit habe ich das Hobby dann immer mehr intensiviert.

In welcher Form?

Vor rund eineinhalb Jahren habe ich mit ein paar Leuten ein eigenes Musiklabel gegründet. Mittlerweile lege ich als DJ in kleineren Locations oder bei Stadtfesten vor rund 150 bis 200 Leuten auf. Zudem organisieren wir auch selbst Veranstaltungen. Gerade bin ich dabei, eigene Beats zu basteln.

Ist es ein Ziel, Ihren Lebensunterhalt mit der Musik zu finanzieren?

Nein, definitiv nicht. Mein Standbein ist mein Job als Krankenpfleger. Musik hat für mich etwas mit Entspannung zu tun und soll mein Hobby bleiben. Es ist enorm schwierig, sich in dieser Branche zu halten beziehungsweise ausreichend Geld zu verdienen.

Gibt es für Sie Parallelen zwischen einem Auftritt als DJ vor einem großen Publikum und einem Handballspiel in einer voll besetzten Halle?

Meine Mama wird jetzt lachen. Schon als kleines Kind war ich nämlich sehr hibbelig und aufgeregt. Die Nervosität habe ich bis heute. Vor meinem ersten großen Auftritt habe ich so gezittert, dass ich die Plattennadel nicht richtig auflegen konnte. Und auch vor Handballspielen war ich immer extrem aufgeregt und hatte besondere Rituale, um meine Nervosität etwas herunterzufahren.

Welche waren das?

Ich habe zum Beispiel nie den Ball angefasst, bevor es beim Aufwärmen richtig zur Sache ging. Außerdem bin ich vor jedem Spiel spazieren gegangen und habe dabei Musik gehört.

Sind Sie als Zuschauer noch in Sporthallen anzutreffen oder haben Sie einen kompletten Schlussstrich gezogen?

Es hat lange gedauert, bis ich mir wieder Handballspiele anschauen konnte. Selbst im Fernsehen habe ich es emotional nicht gepackt. Vor drei Jahren war ich aber dann das erste Mal wieder in der Sporthalle.

Wo denn?

Das war ein Heimspiel des ATSV Habenhausen – mein langjähriger Verein, bei dem ich groß geworden bin. Einige Akteure, mit denen ich dort zusammen gespielt hatte, waren immer noch dabei. Vor dem Spiel ist die Mannschaft zu mir gekommen und hat mich in den Arm genommen, da kamen mir sofort die Tränen. Das war schön und sehr traurig zugleich. Auch der Geruch von Harz (Haftmittel für den Ball, Anm. d. Red.) war sofort wieder präsent.

War es für Sie eine einmalige Sache?

Nein, Handball bleibt ein Teil von mir. Nach zehn Jahren habe ich das Trauma überwunden und Frieden geschlossen. Ich habe mir fest vorgenommen, auch mal in Rotenburg ein Spiel anzuschauen. Dort fing schließlich alles an. Vielleicht klappt es ja in der kommenden Saison gegen den SV Beckdorf – mein erster Verein gegen meinen letzten Verein. Dann würde sich der Kreis für mich perfekt schließen.

Von Mareike Ludwig

Lange Zeit ist es her: Jan-Lukas Heinrich im Jahr 2002 im Trikot des ATSV Habenhausen.
In der Hip-Hop-Szene fühlt er sich wohl: Jan-Lukas Heinrich hat schon in mehreren Locations als DJ aufgelegt.

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