Handball-Abteilungen der Region glauben nach Deutschlands EM-Titel nicht an großen Zulauf

„Einen Boom wird es nicht geben“

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Neben den Jugendmannschaften des TuS Rotenburg wünschen sich auch der TV Sottrum sowie der TV Scheeßel nach Deutschlands EM-Triumph in Polen einen Handball-Boom.

Rotenburg - Von Jürgen Honebein. Die junge deutsche Handball-Nationalmannschaft ist am Sonntag in Polen völlig überraschend Europameister geworden. Wir sprachen mit den Handball-Abteilungsleitern des TuS Rotenburg, des TV Scheeßel und des TV Sottrum über eventuelle positive Auswirkungen auf die heimischen Vereine.

Wie wichtig war es für den deutschen Handball und für die vielen Vereine, dass die Nationalmannschaft wieder einmal einen Titel geholt hat?

Friedrich Behrens (TuS Rotenburg): Das war sehr wichtig. Allein deswegen, weil dadurch in diesen Tagen überall über Handball gesprochen wird und die Spiele gezeigt haben, wie spannend es im Handball oft zugeht.

Norbert Kühnlein (TV Sottrum): Für den Handballsport allgemein war es super. Dadurch war endlich einmal wieder die Medienpräsenz im Handball höher als normal und es wurde nicht nur wie üblich intensiv über Fußball berichtet.

Ina Hanck (TV Scheeßel): Der Titelgewinn war unheimlich wichtig, nachdem es in den vergangenen Jahren gerade bei der Nationalmannschaft der Männer und Frauen auf dem Spielfeld und im Umfeld viele Pleiten gab.

Was hat Sie an der deutschen Mannschaft besonders imponiert?

Behrens: Das sympathische Auftreten und der absolute Wille aller Spieler, als Sieger vom Platz zu gehen.

Kühnlein: Die unheimlich starke mannschaftliche Geschlossenheit und dass es Trainer Dagur Sigurdsson in so kurzer Zeit gelungen ist, einen solchen verschworenen Haufen zu formen.

Hanck: Der Teamgeist. Jeder war für den anderen da und hat bis zum Umfallen gekämpft. Den größten Anteil daran hat Trainer Sigurdsson. Er ist ein wahrer Glücksgriff für den DHB.

Das öffentlich rechtliche Fernsehen hat nur die Spiele der deutschen Mannschaft übertragen. Hätte da nicht etwas mehr kommen können?

Behrens: Handball wird gegenüber dem Fußball leider immer noch nicht ernst genommen. Da wurde eine große Chance verpasst, mehr zu zeigen.

Kühnlein: Wenn ich mir ansehe, was in anderen Ländern berichtet wird, ist es sehr traurig, was bei uns läuft. Außer Fußball hat kaum eine andere Ballsportart eine Lobby beim Fernsehen. Es steht ja noch nicht einmal fest, ob die nächste Handball-WM übertragen wird.

Hanck: Man muss ja froh sein, dass die öffentlich rechtlichen Anstalten überhaupt etwas übertragen haben. Dort gibt es hauptsächlich nur Fußball, egal welche Liga. Die Handballer erhalten für den EM-Titel 15000 Euro. Dafür würden die Fußballer nicht einmal die Schuhe schnüren.

Glauben Sie, dass die Vereine vom Titelgewinn profitieren und dieser vielleicht bei der Jugend einen Boom auslöst?

Behrens: Die Euphorie ist im Moment sehr groß. Ich habe die kleine Hoffung, dass der Titel den Vereinen ein wenig hilft. Aber die Euphorie kann auch schnell wieder abflauen.

Kühnlein: Das wäre schön, aber ich glaube es nicht. Nach dem WM-Gewinn 2007 war es auch nicht der Fall. Im Gegenteil, zwei Jahre später hatte der deutsche Handballbund 30000 Mitglieder weniger.

Hanck: Einen regelrechten Boom wird es nicht geben. Das kann ich mir nicht vorstellen. Es wird schnell wieder Normalität eintreten.

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