Scheeßeler mischt norddeutsche Jugend auf

Tennis-Talent Grohbrüg schwärmt von Zverev

Carl Grohbrüg steht auf dem Court, hält den Schläger in der rechten Hand und schaut dem Ball hinterher.
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Kampfgeist und ein absoluter Siegeswille: Beides zeichnet den erst zehnjährigen Carl Grohbrüg auch bei jedem Ballwechsel im Training aus.

In dieser Saison gelang Carl Grohbrüg bereits der ein oder andere Coup, für die Zukunft hat das zehnjährige Tennis-Talent auch deshalb schon genaue Ziele.

Scheeßel – Carl Grohbrüg kann zufrieden sein: Gerade erst hat sich das Tennis-Talent des TC Blau-Weiß Scheeßel den Turniersieg beim sechsten LBS Jugendmasters Weser-Ems in Osnabrück gesichert. Nachdem der Zehnjährige im Halbfinale nach Umknicken noch selbst ein „Medical Timeout“ hatte einlegen müssen, musste sein Finalgegner, der an Position Eins gesetzte Kaderkollege Daan-Kris Marinov-Spellmeyer, verletzungsbedingt beim Stand von 2:6 aufgeben. Der Eichenschüler blickt auf eine erfolgreiche Saison zurück und vermutlich einer noch erfolgreicheren Zukunft entgegen: Der Sieg mit der Auswahlmannschaft vom Tennisverband Niedersachsen beim Verbands-Jüngsten-Mehrkampf der Nordverbände in Bad Oldesloe Bremen, ein zweiter Platz beim Bremerhavener Jugendcup gegen zum Teil zwei Jahre ältere Spieler, der zweite Platz in der Gesamtwertung der Green-Cup Serie des Tennisverband Niedersachsen-Bremen (TNB) – es läuft bei ihm.

Beim Besuch bei einem der letzten Trainingseinheiten auf dem Platz am Helvesieker Weg, bevor es wieder in die Halle geht, zeigt sich auch, wieso: „Calli“, wie ihn seine Eltern nennen, hängt sich richtig rein. Der Matchball, den er mit einer Vorhand mit viel Spin und für einen Zehnjährigen ziemlichen Druck über den Platz geschickt hat, sitzt. Der um einige Köpfe größere Gegner zieht den Kürzeren. Auch wenn es nicht um ein Ranglistenturnier, noch nicht einmal ein Punktspiel geht: Das junge Balltalent gibt alles.

Kampfgeist und ein absoluter Siegeswille, das zeichnet den Fünftklässler nicht nur auf dem Court aus – etwa, als er ein Turnier mit gebrochenem Zeh weiterspielte. Sondern auch auf dem Rasen des nahegelegenen Stadions Waidmannsruh, wo er in der U 12 des SV Rot-Weiß Scheeßel kickt, und auch in der Eichenschule. Einen gesunden Ehrgeiz braucht man wohl auch bei einem Trainingspensum wie seinem: Neben den wöchentlichen Trainingseinheiten beim Blau-Weiß Scheeßel, wo er mit dem mehrfachen deutschen Jugendmeister Viktor Kostin in den guten Händen eines erfahrenen Jugendtrainers ist, absolviert er als Kaderspieler wöchentlich zwei Trainingseinheiten beim Leistungsstützpunkt in Bremen. Dazu kommen vor allem in der Sommersaison fast jedes Wochenende Turniere. Und auch der Fußball, mit dem Grohbrüg schon als Fünfjähriger anfing, noch bevor ihn sein Großvater Rainer Baumbach mit zum Tennis nahm, kommt nicht zu kurz. Hier wurde man bereits auf das außergewöhnliche Bewegungstalent aufmerksam. Die Fahrdienste zum Auswahltraining und den Turnieren teilen sich die Eltern und Großeltern, die ihm die sportliche Ausbildung mit Zeit und Begleitung, aber auch Hotelkosten ermöglichen. Nicht immer sind Eltern oder Großeltern dabei: Auch Trainingslager und Turniere nur mit Trainern und Gleichgesinnten gehören zum Pensum. Wer Letzteres elterlichen Ambitionen zuschreibt, erhält eine Absage: „Wir machen das alles nur so lange mit, wie Carl Spaß daran hat“, stellt Mutter Laura Grohbrüg klar.

Scheeßeler imponiert Legende John McEnroe

Sollte der junge Tenniscrack später einmal zwischen den beiden Sportarten entscheiden müssen, „dann mach ich das, wo ich erfolgreicher bin“, meint der zurückhaltende Junge für seine zehn Lenzen erstaunlich selbstbewusst. Momentan favorisiert er klar Tennis: „Da kann man viel mehr Turniere spielen!“ Vater Gorden Grohbrüg schreibt die Reife seines Sohnes dem Sport zu, „in dem man mit sich selbst klarkommen muss und Niederlagen nicht auf andere im Team schieben kann“. Für ihn ist der Sport seines Sohnes auch eine Form von Persönlichkeitsbildung: „Sich auf den Punkt konzentrieren, abliefern und Fehler mit sich selbst ausmachen“ – das könne auch auf dem späteren Lebensweg nicht schaden, so der Marketingexperte, der fast gleichzeitig mit den beiden Söhnen mit dem Tennis angefangen hat.

Allerdings habe Carl, laut Vater von jeher ein „kompetitiver Typ“, schon früh gewusst, was er will. Als Zuschauer bei einem Turnier mit Tennislegende John McEnroe war er nicht wie andere Kinder an einem Autogramm interessiert: „Ich will mit dir spielen!“ Das imponierte dem Amerikaner – er überließ dem Siebenjährigen für einige Bälle seinen Einspielpartner. Heute braucht der TNB-Kaderspieler alle acht Wochen neue Tennisschuhe, hat so gut wie alle Ergebnisse seiner Spiele im Kopf, schwärmt vom offensiven Stil seines Vorbilds Alexander Zverev und kommt nur noch gelegentlich zu einer Runde Tennis mit den Eltern und Bruder Fiete, der ebenfalls im TC Blau-Weiß Scheeßel aktiv ist. Wohin die sportliche Reise geht? Ein Sport-Internat kann sich der Schüler vorerst nicht vorstellen; er schätzt es, nach Schulschluss mit Freunden im Garten zu kicken. Aber auch der Kontakt zu seinen Tennis-Freunden in ganz Norddeutschland wird gepflegt; per Whatsapp tauscht man sich aus und teilte während der Lockdowns Trainingspläne, über Zoom wurde ein gemeinsames Konditionsprogramm absolviert.

Und das alles, um sich den eigenen großen Traum irgendwann einmal zu erfüllen: das Halbfinale der Deutschen Meisterschaft. Zunächst aber will sich Carl Grohbrüg nächstes Jahr wieder für den DTB-Talentcup qualifizieren.

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