Fragen zur Saison und seinen Rückzug bei Northern United

Coach Michael Müller: „Es gibt keinen Platz für Egoisten“

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Für Michael Müller (l., mit Offense Line Coach Olaf Linkel) steht Football auch für Wertevermittlung.

Rotenburg - Der Vorhang fällt am Saisonende für Michael Müller, soviel steht fest. Diese Entscheidung hat der Head Coach der American Footballer von Northern United den Verantwortlichen des Clubs bereits mitgeteilt, doch beim Play-off-Halbfinale bei den hoch favorisierten Hannover Grizzlies am Samstag (15 Uhr) wird er auf jeden Fall an der Seitenlinie stehen. Wir sprachen mit dem 44-Jährigen über die Erfolgsaussichten, das besondere am Football und die Gründe für seinen Rückzug.

Was macht American Football für Sie aus?

Es gibt keinen Platz für Egoisten. Jeder Fehler bestraft die ganze Mannschaft, auch in puncto Verletzungen. Wenn einer seinen Job nicht macht, muss der andere dran glauben. Außerdem gibt der Sport vor allem Jugendlichen wichtige Werte für das Leben mit. Mir wurde zum Beispiel von einer Tante eines ehemaligen Spielers dafür gedankt, was für ein toller Mensch dieser geworden sei. So etwas zu hören, ist schon toll.

Sie haben 1993 mit dem Sport begonnen. Was hat sich seitdem verändert?

Durch die TV-Übertragungen ist Football in Deutschland natürlich populärer geworden. Auch das Spiel selbst ist inzwischen anspruchsvoller. Früher gab es mehr Gewalt, jetzt ist der technische Aspekt größer. Zudem wird viel mehr gepasst.

Wie würden Sie sich als Trainertyp bezeichnen?

Emotional (lacht). Ich rede viel, ich philosophiere viel und bin ein Motivator.

Was akzeptieren Sie als Coach nicht?

Es gibt da ein Sprichwort: Wer glaubt, etwas zu sein, hört auf, etwas zu werden. Wenn man zu sehr von sich überzeugt ist, entwickelt man sich nicht mehr weiter.

Die Saison ist zwar noch nicht vorbei, aber wie lautet Ihr Zwischenfazit?

Sehr gut, weil wir unser Saisonziel (Platz drei, Anm. d. Red.) übertroffen haben. Allerdings schwingt vor der Begegnung am Samstag auch ein bisschen Demut mit. Ich habe aufgrund personeller Probleme noch immer keinen 22-Mann-Kader zusammen. Es fehlen mir immer noch zwei Spieler. Sonst hieß es immer: Coach Müller lässt uns nicht verlieren – weil ich viel in das Scouting und die Analyse des Gegners investiert habe. Das kann ich dieses Mal leider nicht. Ich hoffe, dass wir nicht abgeschlachtet werden.

Warum machen Sie in der nächsten Saison nicht mehr weiter?

Ich brauche einfach eine Pause. Die Einstellung von manchen Spielern gefällt mir nicht, einige sind nicht mit dem Herzen dabei. Ich persönlich sage viel ab für den Football, aber das ist nicht bei jedem so. Ich habe am Anfang der Saison noch über 50 Spieler gehabt, jetzt bekomme ich in einem Play-off-Halbfinale den Kader nicht voll.

Ist das ein Rücktritt auf Zeit?

Mein Ziel ist es eigentlich, ganz aufzuhören. Das habe ich aber schon einmal versucht und dann nach eineinhalb Jahren wieder angefangen.

Theoretisch gedacht: Was würde ein Aufstieg für den Verein bedeuten?

Das würde nicht funktionieren. In der Regionalliga würde man noch mehr Spieler benötigen, um den Kader vollzubekommen, mal ganz abgesehen von der Qualität. Und auch der finanzielle Aspekt wäre nicht machbar.

Zur Person: Müller – Ein Football-Verrückter

Seit 2016 läuft Marvin Meyer für die Footballer von Northern United auf und hat dementsprechend mit seinem Head Coach Michael Müller schon einige Schlachten geschlagen. „Michael ist einfach ein Football-Verrückter. Man merkt, dass der Sport seine Leidenschaft ist“, erzählt der Receiver. Dabei beeindruckt ihn vor allem die Akribie mit der sein Trainer bei der Sache ist. „Wir haben eine Facebook-Gruppe, in die Michael Analysen von unseren vergangenen Partien reinstellt. Da unsere Spiele gefilmt werden, entstehen bis zu 150 Videos. Und jedes davon guckt er sich mindestens viermal an.“

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