Niedersachsens Fußballer sind auf der Suche nach der fairsten Lösung

Der geordnete Abbruch

„Wir müssen die Vereine mit Infos füttern“, sagt Uwe Schradick. Der Kreisvorsitzende rechnet mit einem Abbruch der Saison. Aber nach welchem Modell? Foto: Freese
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„Wir müssen die Vereine mit Infos füttern“, sagt Uwe Schradick. Der Kreisvorsitzende rechnet mit einem Abbruch der Saison. Aber nach welchem Modell?

Rotenburg - Von Matthias Freese. Noch am Freitagabend, nachdem die Online-Konferenz mit dem Vorstand des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) beendet war, erledigte Uwe Schradick reichlich Schreibkram. „Ich habe round about 30 Mails verschickt“, verrät der Vorsitzende des Fußball-Kreises Rotenburg. Adressaten waren die Vereine, die sich mit Vorschlägen am Entscheidungsprozess zur Fortsetzung (ab frühestens Mitte August) oder dem vorzeitigen Ende der Saison 2019/2020 beteiligt hatten. Dabei spricht seit Freitag vieles für einen geordneten Abbruch – nur in welcher Form? Über den veränderten Fahrplan wird der NFV-Vorstand am Dienstagabend weiter beraten.

Ein Großteil der niedersächsischen Vereine hatte sich in einer Umfrage gegen die von der Verbandsspitze präferierte Fortführung ausgesprochen, „deshalb glaube ich, dass das Abbruchszenario das wahrscheinlichste ist. In diese Richtung muss man jetzt denken“, sagt Schradick und empfindet das Votum der Vereine als „ziemlich bindend“. Auch eine Annullierung sei möglich. Das Festhalten an der Saisonfortsetzung ebenfalls noch nicht vollends ausgeschlossen – „aber am wenigsten wahrscheinlich“, meint der Zevener.

Nun gilt es, die nächsten Schritte vorzubereiten – bis hin zu einem außerordentlichen Verbandstag, der vermutlich per Videokonferenz durchgezogen werden müsste. Dabei geht es auch darum, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen, sondern die Basis mitzunehmen. „Wir müssen die Vereine mit Infos füttern“, betont Schradick. Ob dazu weitere Online-Meetings im Kreis angesetzt werden, kann er noch nicht sagen, wenngleich er diese Art der Kommunikation als sehr fruchtbar und geeignet empfunden hatte.

Im Kreis Rotenburg hatten sich 59 der 78 Vereine an der Abstimmung beteiligt, viele hatten ihre Meinung auch begründet. „Wir haben sechs oder sieben verschiedene Abbruchszenarien allein von unseren Vereinen geschickt bekommen. Das Thema Annullierung habe ich dabei nur selten gelesen.“ Die Tendenz bei den Vereinen, die sich ausführlicher geäußert hatten, ging dahin, „den Meister (und Aufsteiger, Anm. d. Red.) über den Quotienten zu ermitteln und möglichst keine Absteiger zu haben.“ Bei der Quotientenregelung, also dem Punkteschnitt, würde berücksichtigt werden, dass manche Teams weniger Spiele als andere absolviert haben. Diese Ermittlung der Meister scheint die fairste Lösung zu sein. Dass der NFV diverse Klagen im Falle eines Saisonabbruchs fürchtet, kann Schradick übrigens nachvollziehen. Auch in seinen Reihen habe ein Verein bereits angekündigt, rechtliche Schritte zu prüfen, falls er durch den Abbruch nicht aufsteigen werde.

Nur Aufsteiger – keine Absteiger? Für die Kreisebene hätte diese Variante übrigens kaum Auswirkungen, was die Staffelstärke betrifft. Die Kreisliga, derzeit ohnehin mit einer ungeraden Zahl bestückt, müsste eine Mannschaft zusätzlich von unten aufnehmen und hätte dann 16 Vereine. Auch in den Ligen darunter würde es maximal ein Team mehr oder weniger werden. Komplizierter wird es weiter oben: Es gäbe wegen der Aufsteiger aus den drei Kreisligen zwei Mannschaften mehr in der Bezirksliga (macht dann 18), folglich drei mehr in der Landesliga (macht dann 19) und drei mehr in der Oberliga (macht dann 21).

Interessant auch: Im Herrenbereich wären alle aktuellen Tabellenführer von Oberliga bis 4. Kreisklasse sowohl nach aktuellen Stand als auch nach der Quotientenberechnung Meister – was die Ligen mit Kreisrotenburger Beteiligung angeht. Im Frauenbereich sieht es jedoch anders aus. Und noch ein Beispiel aus der Jugend: In der Niedersachsenliga der B-Junioren profitiert der JFV A/O/Heeslingen im Abbruchsfall nur bei der Quotientenregelung. Dann wäre der derzeitige Dritte plötzlich Erster.

Szenarien 

Variante 1 - Annullierung der Saison: Es gibt keine Aufsteiger und keine Absteiger. Alle Teams starten in der neuen Saison wieder in derselben Spielklasse. 

Variante 2 - Abbruch der Saison mit der Quotientenregelung (Modell 1). Heißt: Meister und einziger Aufsteiger ist das Team mit dem besten Punkteschnitt. Keine Absteiger. 

Variante 3 - Abbruch der Saison mit der Quotientenregelung (Modell 2). Meister und mögliche weitere Aufsteiger sowie die Absteiger werden über den Punkteschnitt ermittelt. 

Variante 4 - Abbruch der Saison mit dem aktuellen Tabellenersten als Aufsteiger und keinen Absteigern. 

Variante 5 - Abbruch der Saison mit Meister und möglichen weiteren Aufsteigern sowie Absteigern nach aktuellem Stand. 

Variante 6 - Fortsetzung der Saison frühestens ab 15. August – wie vom Verband favorisiert. 

Quotientenregelung: Wer würde wo aufsteigen? 

Sollte es zum Saisonabbruch in Niedersachsens Fußballligen kommen, spricht vieles für die Quotientenregelung, um die Aufsteiger zu ermitteln. Wir haben nachgerechnet und geschaut, welche Teams dann als Meister aufsteigen würden. 

Oberliga: VfV 06 Hildesheim; Landesliga Lüneburg: Rotenburger SV; Bezirksliga 3: TSV Etelsen; Kreisliga: VfL Visselhövede; 1. Kreisklasse Nord: TuS Tarmstedt; 1. Kreisklasse Süd: TV Stemmen; 2. Kreisklasse Nord: MTV Wilstedt; 2. Kreisklasse Süd: SG Horstedt/Mulmshorn; 3. Kreisklasse Nord: TuS Hipstedt; 3. Kreisklasse Mitte: TuS Tarmstedt II; 3. Kreisklasse Süd: MTV Jeddingen II; 4. Kreisklasse Nord: FC Ummel III; 4. Kreisklasse Mitte: MTV Wohnste II; 4. Kreisklasse Süd: TuS Hellwege; Frauen-Landesliga Lüneburg: Tabellenführer TuS Westerholz und Tabellenzweiter SG Anderlingen/Byhusen mit gleichem Quotienten, Torverhältnis spricht für Westerholz, direkter Vergleich für Anderlingen; Frauen-Bezirksliga Lüneburg West: Tabellenführer Heeslinger SC, MTV Wohnste und MTV Jeddingen haben den gleichen Punkteschnitt. Torverhältnis spricht für Heeslingen, der Dreiervergleich für Jeddingen; Frauen-Kreisliga: TSV Timke; Frauen-Kreisklasse: MTV Jeddingen II (Tabellendritter, aber bester Quotient).

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