Altkreis-Kurs im Sommer

Gegen die Nachwuchssorgen: Die Story eines Neu-Schiedsrichters

Trillerpeife, Gelbe und Rote Karte: Vielmehr braucht es nicht an Ausrüstung, um als Schiedsrichter ein Fußballspiel in einer der Amateurligen zu leiten.  Foto: imago/Dehli-News
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Trillerpeife, Gelbe und Rote Karte: Vielmehr braucht es nicht an Ausrüstung, um als Schiedsrichter ein Fußballspiel in einer der Amateurligen zu leiten.

Unterstedt/Hepstedt - „Ja, anfangs hatte ich Angst“, gesteht Nico Steinberg. Dennoch hat der 19-Jährige im vergangenen Jahr beschlossen, Fußball-Schiedsrichter zu werden. Eine Entscheidung, die immer seltener von jungen Leuten getroffen wird. Dass der Schiedsrichter-Job unbeliebter wird, ist bekannt – nicht erst seitdem der Schiedsrichter-Anwärterlehrgang des NFV Kreises Rotenburg mangels Interesse verschoben werden musste.

Der Respekt des Nachwuchses ist einfach zu groß. Auf dem Platz auf sich alleine gestellt zu sein, hatte auch Steinberg lange Zeit abgeschreckt. „Als Schiri bist du halt immer unbeliebt“, meinte er. Trotzdem war der Hepstedter bereit, sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen.

Nach seinen Abiturprüfungen wusste Steinberg wenig mit der vielen freien Zeit anzufangen. Schließlich musste er vier bis sechs Wochen auf die Ergebnisse warten. Als er vom Schiedsrichter-Anwärterlehrgang vom NFV Kreis Rotenburg gelesen hatte, stand schnell fest, dass er seinem Verein, dem FC Ummel aus dem Nordkreis, etwas zurückgeben möchte. „Das war ein spontaner Entschluss. Eigentlich wollte ich erst nach meiner eigenen Laufbahn selbst pfeifen, wenn überhaupt“, erzählt Steinberg. Er spielt für die dritte Mannschaft des FC Ummel in der 4. Kreisklasse Nord.

Während des Lehrgangs habe der angehende Bankkaufmann schnell gemerkt, wie viel Spaß ihm das Leiten von Spielen mache. Nach der bestandenen Prüfung im Sommer vergangenen Jahres habe er schnell Spiele leiten dürfen, vornehmlich im Juniorenbereich. „Auf dem Platz sein eigenes Ding durchziehen zu können, ist schon cool“, weiß Steinberg heute. Unsachliche Kritik – gerade von Eltern – blende er einfach aus. „Bei Bratwurst und einem Getränk ist nach dem Spiel eh wieder alles gut.“ Bei den Testspielen, die er bislang im Herrenbereich gepfiffen hat, sei alles ruhig verlaufen. „Erfahrung mit Anfeindungen und Beleidigungen habe ich noch nicht machen müssen“, erzählt der 19-Jährige. Er gibt aber zu: „Die ganzen Vorfälle mit Übergriffen auf Schiedsrichtern gehen nicht spurlos an einem vorbei.“

Auf dem Platz sein eigenes Ding durchziehen zu können, ist schon cool, Nico Steinberg.

Große Ambitionen für höhere Ligen habe der Hepstedter zwar nicht, er wolle aber langfristig betrachtet, vornehmlich im Herrenbereich pfeifen. „Da ist die Herausforderung größer, weil es da mehr zur Sache geht“, sagt Steinberg. Aber erst einmal wolle er noch selbst weiterspielen.

Den Weg, den Nico Steinberg eingeschlagen hat, wählen immer weniger Jugendliche. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Nachwuchsmangel erste Auswirkungen im Spielbetrieb zeigt. Damit es gar nicht erst soweit kommt, will die SG Unterstedt jetzt in Zusammenarbeit mit dem Sportkreis vorsorgen. „Das Problem zu lösen, muss Aufgabe der Vereine selbst sein“, betont Unterstedts zweiter Vorsitzender Hannes Kettenburg. Der Plan: „Ein Schiedsrichterlehrgang für den Altkreis in Unterstedt“, wie Kettenburg verrät. Der Kurs soll in den Sommerferien über die Bühne gehen. So sollen auch Jugendliche, die während der Schulzeit sehr wenig Zeit haben, angesprochen werden. Außerdem gibt es einen Abholservice, damit auch die minderjährigen Teilnehmer ab 14 Jahren die Chance haben, an den Ausbildungsterminen in Unterstedt teilzunehmen. Der Lehrgang soll allerdings nicht nur den Nachwuchs ansprechen. Auch Erwachsene dürfen sich natürlich schulen lassen – sowie auch ehemalige Schiedsrichter, die wieder anfangen wollen.

Kettenburg ist optimistisch, dass sich genügend Anwärter von Altkreis-Vereinen anmelden. Schließlich sei der Lehrgang mit dem Zeitpunkt und dem Ort so attraktiv wie möglich gestaltet.

Die Termine

Der Altkreis-Anwärterlehrgang des Schiedsrichterteams der SG Unterstedt und des Sportkreises Rotenburg findet in den Sommerferien statt. Die Ausbildung umfasst sieben Termine – den 10., 12., 17.*, 19. und 21.* August (jeweils von 18.30 bis 21 Uhr) sowie den 22. August von 9 bis 15 Uhr. Die Prüfung legen die Teilnehmer am 24. August von 18.30 bis 21 Uhr ab. Anmeldungen nehmen Thomas Holzapfel unter der Telefonnummer 0160/8884159 und Hannes Kettenburg unter Telefon 0172/9776971 oder per E-Mail an hannes.kettenburg@web.de ab sofort entgegen. Der Crashkurs für Ex-Schiedsrichter findet an den Terminen statt, die mit einem Sternchen gekennzeichnet sind.

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