Sport vor 50 Jahren

Von der „Kalten Hölle“ in Westerholz und dem „Bolzplatz“ in Stemmen

Der alte Sportplatz in Westerholz.
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Ansichtssache: Es geht bergauf – oder bergab: Der alte Sportplatz in Westerholz ist bald Geschichte.

Fußball vor 50 Jahren ‒ das waren Duelle auf Bolzplätzen oder im Stadion „Kalte Hölle“. Rolf Brunckhorst (Stemmen) und Manfred Riepshoff (Westerholz) berichten.

Rotenburg – Eigentlich ist Rolf Brunckhorst ja Vahlder. Erst im Alter von 28 Jahren schloss er sich dem TV Stemmen an und wurde später sogar Vorsitzender des Vereins. Zwölf Jahre lang, bis 2018, war er es. An den früheren Sportplatz des TV Stemmen, der sich vor 50 Jahren noch nicht an seinem jetzigen Standort am Diersweg befand, erinnert sich Brunckhorst allerdings mit Grausen. „Dort zu spielen – das war nach Rüspel das Schlimmste, was einem passieren konnte“, sagt er und lacht herzhaft.

Der Sportstättenförderungsausschuss des Kreissportbundes sah es damals, im April 1971, ähnlich und fällte ein vernichtendes Urteil über die Stemmer Sportanlage, nachdem er insgesamt neun Plätze der Region innerhalb von sechs Stunden begutachtet hatte. „Der Sportplatz ist keine Empfehlung für den Ort. Er macht einen ungepflegten Eindruck. Sein Zustand darf als ,ursprünglich‘ bezeichnet werden“, stand seinerzeit in dieser Zeitung. „Das war wirklich so“, bestätigt Brunckhorst und kann sich einen schmunzelnden Seitenhieb nicht verkneifen: „Das war ein Bolzplatz – was damals zu Stemmen passte. Die Haudegen konnten aber damit umgehen, eine technisch gute Mannschaft wurde da auch mal geschlagen.“ Stemmen spielte zu der Zeit in der 2. Kreisklasse.

Früher Sportplatz, heute Parkplatz: Der Zeitungsausschnitt vom Spiel des TV Stemmen stammt von 1971.

Der Platz, der sich auch durch sein starkes Gefälle auszeichnete, lag hinter dem „Landgut Stemmen“, dort wo sich heute der Parkplatz des Hotels und Restaurants befindet. „Und die Umkleidekabinen waren damals bei Trau im Keller, unter der Bühne“, erinnert sich der 62-jährige Brunckhorst. 1979 wurde schließlich die neue Anlage am Diersweg eingeweiht, zunächst der untere Platz – der einer der wenigen im Kreis ist, der Autokino-Gefühl vermittelt. Bei schlechtem Wetter verfolgt so mancher Zuschauer die Spiele im Wagen, der quasi bis zur Seitenlinie vorgefahren werden kann. Anfang der Achtziger entstand das Vereinsheim, das aktuell fleißig umgebaut wird.

Dort zu spielen – das war nach Rüspel das Schlimmste, was einem passieren konnte. Das war ein Bolzplatz – was damals zu Stemmen passte.

Rolf Brunckhorst über den früheren Platz in Stemmen.

Brunckhorst kickte vor 50 Jahren übrigens als Jugendlicher noch für den Vahlder SV. Und über den dortigen Sportplatz urteilten die Herren des Kreissportbundes um den Scheeßeler Walter Spiering seinerzeit: „Die Sportplatzanlage macht einen gefälligen und gepflegten Eindruck.“ Allerdings sei die Gemeinde an die Auflage zu erinnern, ein Umkleidehäuschen zu errichten.

Der Westerholzer Platz kam 1971 nicht gut weg.
Dem Platz in Stemmen erging es nicht besser.

Während der Sportplatz des SV Lauenbrück „einen arg strapazierten Eindruck“ bei der Begehung hinterließ („Notwendig wäre noch ein Tennenplatz“) und ausreichend Parkplätze fehlen würden, erhielt der Platz des SV GW Helvesiek höchstes Lob: „Eine vorbildliche Sportplatzanlage. Sie stellt der Gemeinde ein feines Zeugnis aus.“ Begeistert zeigte sich die „Reisegruppe“ des Kreissportbundes auch vom neuen Sportplatz in Bartelsdorf, mahnte aber: „Umgehend sollte durch Absperrungen dafür gesorgt werden, daß Kraftfahrzeuge nicht mehr auf die Anlage gelangen können.“ Als „vorbildlich“ wurde das Stadion Waidmannsruh in Scheeßel tituliert, während die Nachbaranlage in Westerholz abgestraft wurde: „Mit diesem Sportplatz ist kein Staat zu machen. Allein sein erhebliches Gefälle trägt ihm eine denkbar schlechte Note ein. Außerdem entbehrt er der Pflege.“ Gemeint war der Platz im Ortskern, der immer noch als Trainingsplatz genutzt, aber bald als Wohnbauland erschlossen wird.

Der Platz hat ein Gefälle von 3,40 Meter.

Manfred Riepshoff über den alten Sportplatz in Westerholz.

Manfred Riepshoff weiß genau, warum der Platz so schlecht wegkam. „Der hat ein Gefälle von mindestens 3,40 Meter in der Länge“, erzählt der Vorsitzende des TuS Westerholz. „Und der Sechzehner war damals schwarz, der hatte kein Gras. Stadion ,Kalte Hölle‘ haben wir den Platz genannt, weil der Wind da so enorm rüberblies und manches Spiel verzerrt hat“, denkt der 61-Jährige zurück. Umkleidekabine und Duschen befanden sich im Dorfgemeinschaftshaus. Für Entspannung sorgte schließlich der Bau der Anlage 1977 am Ortsausgang Richtung Hetzwege. Dort entsteht aus dem aktuellen Trainingsplatz demnächst ein größerer Platz mit Flutlicht und Beregnungsanlage. „Das hatte ich schon 2006 vorgeschlagen, jetzt, 2021, fangen wir damit an“, ist Riepshoff froh.

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