INTERVIEW Lukas Heller vom RSV über Psychologie, Gesellschaftskritik und Sport

„Im Fußball geht’s viel um Empathie“

In seinen YouTube-Videos gibt Lukas Heller wichtige Tipps, um die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Er beruft sich dabei auf Wissen aus Büchern. Screenshot: Oetjen

Rotenburg - Von Lea Oetjen. Drei Minuten. Mehr Zeit braucht Lukas Heller nicht, um die Persönlichkeitsentwicklung seiner Zuhörer positiv zu beeinflussen. Das verspricht der Fußballer des Rotenburger SV zumindest auf seinem YouTube-Kanal. Unter dem Namen „Knallisation“ veröffentlich der 21-Jährige auf der Internetplattform regelmäßig Videos – hauptsächlich mit Inhalten wie Psychologie, Gesellschaftskritik und Verhaltensanalyse. Im Interview verrät Heller nun, weshalb ihn genau diese Themen interessieren und wie er sein eigenes Verhalten verändert hat.

Herr Heller, Sie sind seit einiger Zeit auf YouTube aktiv und beschäftigen sich in Videos mit der Persönlichkeitsentwicklung. Wie sind Sie dazu gekommen, sich mit dieser Thematik gezielt auseinanderzusetzen?

Initiator war vor einiger Zeit mein bester Freund Jonas Otten. Im Alter von knapp 16 Jahren hat er viel gelesen. Wir konnten uns über solche Themen super austauschen, auch wenn ich selbst damals kein großes Interesse daran hatte, mich derart weiterzubilden. Vier Jahre später, als ich nach der Schule nach Australien geflogen bin, hatte ich im sogenannten Outback viel Zeit. Da ich manchmal das menschliche Verhalten nicht nachvollziehen konnte, fing ich an, die Bestseller aus Psychologie und nonverbaler Kommunikation auf meinem Kindle (ein eBook-Reader, Anm. d. Red.) zu lesen. Mit der Zeit sind viele andere Themen in meinen Interessensbereich gerückt. Es fing also alles damit an, mehr wissen zu wollen – um die Welt und mich besser verstehen zu können.

Um welche Verhaltensmuster geht es Ihnen konkret?

Es geht mir zum einen um die interpersonelle Kommunikation und die Entscheidungsfindung von Freunden und Familie. Zum anderen interessiert mich das Kaufverhalten. Natürlich ist aber auch die Psychologie der Massen, mit der geschichtliche Ereignisse besser verstehen kann, spannend. Zwei Prinzipien grob vereinfacht, um die Thematik besser zu verstehen. Erstens: Menschen handeln oft in Mustern. Zweitens: Entscheidungen werden nie in einem Vakuum getroffen und sind somit immer von Gefühlen geleitet. Damit kann man schon eine ganze Menge richtig interpretieren. Dieses Wissen hat mir extrem geholfen, mein eigenes Handeln zu erklären.

Beeinflusst Sie diese Denkweise auch beim Fußball?

Natürlich. Bücherwissen kann man in jedem Lebensbereich gebrauchen. Im Fußball geht es viel um zwischenmenschliche Kenntnisse und Empathie. Ich bin mir sicher, dass Ebbe (RSV-Coach Tim Ebersbach, Anm. d. Red.) manche Entscheidungen alleine anders getroffen hätte. Allerdings muss er andere Meinungen abwägen und sich manchmal auch beugen. Als Spieler ist das nicht immer direkt ersichtlich – auch wenn es beim Rotenburger SV sehr transparent zugeht. Deshalb war es am Anfang mental recht schwierig für mich, manchmal nicht in der Startelf stehen zu dürfen. Daran konnte auch das Trainerteam nichts ändern, das viele und intensive Gespräche mit mir geführt hat. Aber wenn man darüber nachdenkt, was ein äußerer Druck (von Presse, Verein, Spieler) auf einem Trainer lastet, kann man am Wochenende auch gut ein Spiel von der Bank genießen. Erst recht, wenn man weiß, was die eigene Mannschaft für eine geile Truppe ist.

Machen Sie sich das da nicht ein bisschen einfach? Ich meine, wenn Sie das Verhalten des Trainerteams dahingehend analysieren, dass die Entscheidungen vor allem von äußeren Einflüssen geprägt sind ... Da geht doch der Kampfgeist verloren.

Ich wollte es nicht so darstellen, dass Spieler nicht wegen ihrer Leistung, sondern nur wegen des Drucks von außen auf dem Platz stehen. Natürlich versuche ich, Bestleistungen zu erbringen. Aber das versuchen mehr als 20 andere Spieler in unserer Mannschaft auch. Am Wochenende können aber nur elf auf dem Platz stehen – so ist Fußball nun mal. Nur weil man alles gibt, heißt es nicht, dass man alles bekommt. In der Mannschaft haben wir ein gutes Niveau und viele Spieler sind auf einem ähnlichen Level. Daher ist der Kampfgeist vorhanden – aber nur im positiven Sinne, ohne Neid.

Trotzdem dürfte es für Sie nicht unbedingt leicht sein, Woche für Woche Bestleistungen zu erbringen und dann „nue“ in der zweiten Mannschaft auflaufen zu dürfen.

Für mich ist es keine Bestrafung bei der zweiten Herren zu spielen. Ich spiele ja gerne Fußball. Außerdem wurde ich selten von einer Mannschaft so gut aufgenommen, wie von der der zweiten. .Alles in allem ist es wichtig, die Situation, die auf einen zukommt aus der richtigen Perspektive zu sehen. Wenn man das nicht macht, neigt man schnell dazu Entscheidungen oder Ähnliches zu verteufeln. Das hilft weder auf, noch neben dem Platz.

Wie sind Sie denn dazu gekommen, das gewonnene Wissen via YouTube zu verbreiten?

Ich hatte die Option, auf YouTube oder Instagram aktiv zu werden. Wer viel Zeit auf beiden Plattformen verbringt, weiß, dass YouTube auch zur Weiterbildung genutzt wird – ganz im Gegensatz zu Instagram. Dementsprechend ist der Markt der potenziellen Interessenten auf YouTube größer. Ich bin aber weiterhin auf beiden Plattformen aktiv und kann somit auch bei Instagram auf Fragen eingehen. Mich erreichen jetzt schon fast täglich Nachrichten wegen meiner Aktivitäten auf YouTube. Dafür bin ich sehr dankbar und es freut mich natürlich, Mehrwert generieren zu können und so einigen Leuten aus einem Dilemma zu helfen. Je mehr Leute ich erreiche, desto mehr Leuten kann ich helfen.

Können Sie sich denn auch vorstellen, eines Tages beruflich in diese Richtung zu gehen?

Ich mache gerade eine Ausbildung zum Physiotherapeuten und werde diese natürlich beenden. Allerdings sehe ich mich selbst nicht mein ganzes Leben im selben Beruf – erst recht nicht als Arbeitnehmer. Soweit steht der grobe Plan und alles Weitere wird sich vermutlich mit der Zeit ergeben. Ich muss mich ja jetzt noch nicht entscheiden, ich bin ja noch ein junger Hüpfer (lacht).

Haben Sie schon einen Plan, wie Sie sich in Zukunft auf YouTube präsentieren werden? Sie haben ja angekündigt, bald ein Video mit Ihrem Onkel und Ex-Bundesligaprofi Frank „Otze“ Ordenewitz zu machen.

Mein Wissen habe ich größtenteils aus Büchern. Der Inhalt eines Buches ist oft die Lebenserfahrung des Autors. Diese bringt mich in der Persönlichkeitsentwicklung extrem weiter. Aber auch die Lebenserfahrung von Menschen, die in Gesprächen weitergegeben wird, ist spannend. Somit wird es in meinem neuen Format Gespräche beziehungsweise Interviews mit Leuten geben, die etwas zu sagen haben. Und ja: Jeder der „Otze“ kennt, weiß, dass er die ein oder andere interessante Geschichte aus seiner Profikarriere und seinem Leben zu erzählen hat. Neben Anekdoten wird es natürlich auch Fragen zu Themen wie Disziplin, Routinen und Zielen geben. Wer da nicht einschaltet, ist selbst Schuld.

Haben Sie abschließend noch einen Ratschlag für unsere Leser, wie sie selbst das Verhalten anderer besser einschätzen können?

Ja, auf jeden Fall: Jeder Mensch hat immer recht. Niemand entscheidet sich bewusst für die schlechtere Option. Auch wenn die Entscheidung für andere als nicht sinnvoll abgestempelt wird. Die Person die eine Entscheidung trifft, hat immer ihre Gründe und über die kann man nachdenken und sich dementsprechend empathisch zeigen.

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