Die RSV-Krise ist nicht nur eine Altersfrage – Versuch einer Analyse / Klares Bekenntnis zu Duray

Frühe Rückschläge, späte Knock-outs

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Leere, skeptische Blicke schon vor dem Spiel? Der RSV auf dem Ottersberger Sportplatz beim Schusstraining. ·

Rotenburg - Von Matthias FreeseDie Kompassnadel schlägt deutlicher denn je gen Süden aus – Richtung Landesliga! Nach der 0:4-Pleite beim TSV Ottersberg (wir berichteten) gibt es für den Rotenburger SV kaum noch Hoffnungen auf den Klassenerhalt in der Fußball-Oberliga. Und das schon nach dem neunten Spieltag. Die Ursachenforschung scheint auf den ersten Blick simpel: Das Geld sitzt nicht so locker wie bei anderen Clubs, also bleibt nur das Projekt „Jugend forscht“. Doch es allein auf die Unerfahrenheit zu schieben, ist nur die halbe Wahrheit, wie eine etwas genauere Analyse zeigt.

Was Coach Benjamin Duray gut gebrauchen könnte, hat er nicht: Zeit. Zeit, um seine Jungspunde zu entwickeln, sie fit für diese Spielklasse zu machen. Andererseits: Für Talente wie Maximilian Schulwitz, Herman Puhmann oder Colin Heins soll die Oberliga nur eine Zwischenstation sein. Das haben sie selbst ganz offen gesagt. Und daran müssen sie sich auch messen lassen.

An der Fitness liegt es jedenfalls nicht, vielmehr an der Konzentration in der Start - und der Schlussphase des Spiels. Auffällig ist nämlich: Von den bisher 25 (!) Gegentoren fing sich der Rotenburger SV gleich zwölf in der ersten beziehungsweise letzten Viertelstunde – fünf frühe Rückschläge und sieben späte „Knockouts“ (davon gleich vier gegen Ottersberg) setzte es.

Fast jeder Mannschaftsteil ist eine Baustelle für sich, nahezu überall hakt es:

Sorgenkind eins

Die Offensive: Die Chancen werden herausgespielt, nur benötigt der RSV viel zu viele Versuche, um auch erfolgreich zu sein. Nicht unbedingt eine Frage der fehlenden Erfahrung …

Sorgenkind zwei

Die Defensive: Die nötigen Verstärkungen für die Abwehr wurden nicht gefunden, sodass Offensivkraft Axel France sogar zum linken Verteidiger umfunktioniert wurde. Gegen Ottersberg versuchte sich der keineswegs enttäuschende Kevin Klützke als nunmehr sechster (!) rechter Außenverteidiger der laufenden Saison – nach Andy Kiel, Björn Mickelat, Marcel Costly, Yannik Malende und Jelle Röben. Konstanz sieht anders aus. Hinzu kommt, dass die Viererkette recht offensiv ausgerichtet ist – der Erfolg ist bis dato aber eher bescheiden. Auf 0:0 zu spielen – wie es vor Jahren einst Andreas Becker als RSV-Coach in brenzligen Situationen zu tun pflegte – ist nicht Durays Ding.

Sorgenkind drei

Das Tor: Nein, Henner Lohmann ist nicht der Sündenbock, der die Spiele verloren hat. Doch die nötige Souveränität, die eine wackelige Abwehr brauchen würde, strahlt der Schlussmann nicht aus. Und Punkte hat er auch noch nicht retten können.

War es das also bereits? Vermutlich ja, auch wenn Axel France sagt: „Die Hinrunde ist noch nicht einmal zu Ende. Wir reißen das noch rum.“ Es klingt jedoch eher nach einer Durchhalteparole denn nach einer Kampfansage. Ähnlich wie der Hinweis von Co-Trainer Jan Fitschen, der an Borussia Hildesheim erinnert. Die Südniedersachsen hatten letzte Saison nach zehn Spielen erst sechs Punkte. Dann kamen allerdings im Winter Stürmer Omar El-Zein und Trainer Jürgen Stoffregen neu dazu. Ähnliches ist beim RSV nicht zu erwarten. Spieler wie Benedetto Muzzicato, Ömer Aktas oder auch Johannes Ibelherr, die in Ottersberg für die nötige Routinie sorgen, kann sich der Verein nicht leisten. Wie es der Wümme-Rivale finanziert, darüber wunderten sich einige RSV-Funktionäre.

Immerhin: Trainer Duray kann trotz der Lage in Ruhe weitermachen. RSV-Boss Henri Ohlmann gab am Rande des jüngsten Spiels ein klares Bekenntnis ab: „Benjamin arbeitet mit der Mannschaft – und er arbeitet gut. Ich sehe keinen Anlass, irgendeine Form von Druck auszuüben.“

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