Sportlerwahl des Jahrzehnts

Carolin Friedrich kann nicht ohne Sport

Ganz ohne Schwimmen geht es nicht: Carolin Friedrich trotzt der Corona-Krise und schwimmt in einem Berliner See. Vom Leistungssport hat sie sich aber verabschiedet.
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Ganz ohne Schwimmen geht es nicht: Carolin Friedrich trotzt der Corona-Krise und schwimmt in einem Berliner See. Vom Leistungssport hat sie sich aber verabschiedet.

Rotenburg/Göttingen – Etwas unfreiwillig ist Carolin Friedrich zu ihrem neuen Hobby gekommen. Durch ihre Umzüge hat die 24-Jährige in den vergangenen Wochen jede Menge Kartons immer wieder gepackt und ist unzählige Male Treppenstufen rauf- und wieder runtergestiegen. Mittlerweile ist die gebürtige Unterstedterin in ihrer neuen Wahlheimat Göttingen angekommen und richtet sich gerade ihre Wohnung ein. Sicherlich fällt ihr dabei auch die Goldmedaille der Sportlerwahl 2012 in die Hände. Vor acht Jahren stand die einstige Schwimmerin in der Kategorie „Sportlerin des Jahres“ in der Rotenburger Pestalozzihalle ganz oben auf dem Podest.

„Ich erinnere mich, dass ich bereits zum dritten Mal nominiert war und die Abende der Sportlerehrung schon fast Routine waren. Die Routine verflog dann sehr schnell, als ich auf der Bühne stand. Alles danach ist in meiner Erinnerung mit vielen Tränen gefüllt. Ich weiß noch, dass ich mich zusammenreißen wollte, damit ich allen mitteilen konnte, wie dankbar ich meinem kurz zuvor verstorbenen Trainer Roland Nickel und meinen Teamkollegen Max Knobbe und Laura Denell war. Ohne sie wäre ich nicht so erfolgreich gewesen. Wie viel davon wirklich durchgedrungen ist, weiß ich bis heute nicht so genau“, blickt Friedrich wehmütig zurück.

Geschafft: Carolin Friedrich war Sportlerin des Jahres 2012.

Die Langstreckenschwimmerin des damaligen Rotenburger „Team Ronolulu“ war Anfang der 2010er-Jahre nicht nur im Kreis Rotenburg das Maß aller Dinge. Auch auf Landes- und Bundesebene machte sich die Freistilspezialistin mit zahlreichen Podestplatzierungen einen Namen. „Obwohl die Deutschen Meisterschaften immer mein persönliches Highlight waren, steht für mich der Kreisrekord über die 400 Meter Freistil im Mittelpunkt des Jahres 2012. Ich konnte Deborah Ziehm (ehemalige Jugendnationalmannschaftsschwimmerin des TSV Bremervörde, Anm. d. Red.) zwar keinen anderen Rekord mehr abnehmen, aber den über die 400 Meter Freistil halte ich nach acht Jahren immer noch“, erzählt Friedrich nicht ohne Stolz.

Das Master-Zeugnis in den Händen: Carolin Friedrich schloss im September 2020 ihr Sportpsychologie-Studium in Berlin erfolgreich ab.

Dank ihrer Erfolge erfüllte sich die Athletin 2014 ihren Traum. Mit einem Sportstipendium ging es für sie nach Canton im US-Bundesstaat Ohio. Dort war sie an der Malone-University für das Schwimmteam aktiv und studierte parallel Psychologie. 2018 ging es für sie mit dem Bachelorabschluss in der Tasche zurück nach Deutschland. In Berlin schloss Friedrich dann ihren Master in Sportpsychologie an. „Die Zeit in den USA, egal ob sportlich, akademisch oder persönlich, war einfach ein Erfolg für sich. Das lässt mich immer daran denken, dass ich ohne den Sport nie meinen Bachelor der Psychologie gemacht hätte, der mich mit dem Master heute zur Sportpsychologin gemacht hat“, betont Friedrich.

Der leistungsorientierte Sport ist für sie nach dem Abschluss in den USA in den Hintergrund geraten. Zuletzt war sie „nur“ noch als Trainerin beim VfL Zehlendorf in Berlin aktiv oder aber ohne jeglichen Druck selbst hin und wieder im Wasser. „Ich hatte 16 tolle Jahre als Leistungssportlerin. Ich denke gerne zurück an die aktive Zeit, in der ich enge Schwimmer-Freunde gefunden habe, an den Wochenenden in ganz Deutschland auf Wettkämpfen war und mich mit anderen messen konnte. Aber wie heißt es so schön – man soll aufhören, wenn‘s am schönsten ist.“

Doch so ganz ohne Sport kann die 24-Jährige dann doch nicht. In Göttingen ist sie seit Kurzem als Referentin für die Freiwilligendienste Sport beim ASC Göttingen zuständig. Zuvor hatte sie im September 2020 ihren Master in Sportpsychologie an der Universität in Berlin absolviert. „Der ASC Göttingen ist landesweit Träger der Freiwilligendienste des Sports. Gemeinsam mit dem Team um mich herum bin ich für die pädagogische Begleitung der Freiwilligen zuständig und organisiere verschiedenste Seminare. Ich kann dabei meine Kompetenzen anwenden, festigen und vor allem neue erlernen. Es ist schön, den Freiwilligen durch meine eigenen Erfahrungen als Athletin, Trainerin und Sportpsychologin viel mit auf den Weg geben zu können“, betont Friedrich.

Volle Konzentration: Carolin Friedrich bei der DM 2011.

Das Schwimmbad konnte die gebürtige Unterstedterin in ihrer neuen Wahlheimat aufgrund der Corona-Pandemie bisher allerdings noch nicht kennenlernen. Und auch eine neue Schwimmgruppe als Trainerin zu finden, gestaltet sich in der aktuellen Situation schwierig. „Mir fehlt das Schwimmen gerade in jeglicher Hinsicht. Ich bin gespannt auf das Schwimmbad in Göttingen. Sobald es wieder öffnet, werde ich einen Abstecher dahin machen. Ich hatte leider auch noch keine Gelegenheit, die Schwimmsparte in Göttingen kennenzulernen. Es steht somit nicht fest, ob überhaupt Bedarf an Trainern da ist“, erklärt Friedrich. Daher weiß sie auch noch nicht, ob sie künftig wieder einen Job als Coach übernimmt.

Langeweile kommt bei Friedrich dennoch nicht auf, schließlich ist sie gerade dabei, Göttingen besser kennenzulernen oder aber neue Kochrezepte auszuprobieren und sich in der Berufswelt einzuleben. „In eine neue Stadt während des Lockdowns zu ziehen, ist aber nicht so cool“, verweist sie darauf, dass alle öffentlichen Einrichtungen geschlossen sind sowie Restaurant- und Kneipenbesuche sowie sonstige Freizeitaktivitäten derzeit nicht möglich sind. Somit kommt es der studierten Sportpsychologin entgegen, dass sie immer wieder gerne in ihre Heimat zu ihren Eltern nach Unterstedt zurückkehrt. „Ich bin tatsächlich regelmäßig zu Besuch. Meine Eltern haben mir den Rücken freigehalten, als ich in den letzten Zügen meiner Masterarbeit war und mich dann auf den Berufseinstieg vorbereitet habe“, zeigt sich Friedrich dankbar über die Unterstützung. Wenn sie gerade mal wieder in der Heimat ist, trifft sie auch gerne ihren ehemaligen Rotenburger Teamkollegen Max Knobbe, der ebenfalls seine Wurzeln in Unterstedt hat. „Auch Alena Heimsoth ist ab und zu dabei. Es ist immer wieder witzig, mit ihnen in Nostalgie zu schwelgen“, so Friedrich. Und mit Sicherheit ist dann auch jener Abend in der Pestalozzihalle ein beliebtes Thema.

Zahlen, Daten, Fakten: Carolin Friedrich

Geburtsort: Bremen (aufgewachsen in Unterstedt).

Alter: 24 Jahre.

Aktueller Wohnort: Göttingen.

Familienstand: Ledig, aber in einer Beziehung.

Beruf: Referentin für die Freiwilligendienste im Sport beim ASC Göttingen.

Sportart: Schwimmen.

Sieg bei der Sportlerwahl: 2012.

Größte Erfolge:

- 1 500 Meter Freistil: Landesmeisterin 2010, 2011, 2013, Dritte bei den Norddeutschen Jahrgangsmeisterschaften 2011, Sechste (2009) und zweimal Siebte (2011, 2012) bei den Deutschen Jugendmeisterschaften.

- 800 Meter Freistil: Landesmeisterin 2012, Dritte bei den Landesmeisterschaften 2011, 2012, Siebte bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2012.

- 400 Meter Freistil: Dritte bei den Landesmeisterschaften 2011, 2012, Siebte bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2012, Kreisrekord.

- Freiwasser: Landesmeisterin über 2 500 Meter 2011, Zweite bei den Norddeutschen Jahrgangsmeisterschaften über 5 000 Meter 2012, Norddeutsche Jahrgangsmeisterin über 5 000 Meter 2013.

Bisherige Vereine: Team Ronolulu, SSG Bremen/Bremerhaven, Visselhöveder SC (um noch Startrecht in Deutschland zu haben, nachdem sich die SSG aufgelöst hatte), VfL Zehlendorf (als Trainerin).

Aktueller Verein: ASC Göttingen (automatisch wegen der beruflichen Tätigkeit Vereinsmitglied, jedoch derzeit nicht in aktiver Funktion).

Hobbys: Nach neuen Kochrezepten suchen, Göttingen erkunden, geduldig warten, bis die Schwimmhalle wieder öffnet.

Ziele: Im Berufsleben ankommen, neue Dinge erlernen, um sich dann neue Ziele zu setzen.

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