Start in Taiwan

Mit Fried Chicken gegen den Hunger meistert Wynton Kube in Taipeh seinen ersten Marathon

Erschöpft, aber glücklich und stolz, angekommen zu sein: Wynton Kube nach dem Marathon im Municipal-Stadion von Taipeh.
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Erschöpft, aber glücklich und stolz, angekommen zu sein: Wynton Kube nach dem Marathon im Municipal-Stadion von Taipeh.

Sein erster Marathon hat Wynton Kube einiges abverlangt. Doch er hat es geschafft: Im fernen Taipeh hielt der 24-Jährige aus Scheeßel-Büschelskamp durch.

  • Wynton Kube absolvierte in Taiwan seinen ersten Marathon.
  • In Taipeh absolviert der Scheeßeler ein Auslandssemester.
  • Eine eher ungewöhnlicheSportlernahrung“ half ihm beim Durchhalten.

Büschelskamp – Der Taipeh Marathon zählt zu den größten Sportveranstaltungen der Welt, die während der Corona-Pandemie ausgetragen werden durften. Mehr als 25 000 Läufer stellten sich der Herausforderung, darunter der 24-jährige Wynton Kube aus Büschelskamp, der seit Februar ein Auslandssemester auf der Insel Taiwan absolviert. Er lief die 42,195 Kilometer kurz vor dem Jahresende in offiziell gemessenen 4:05:10 Stunden (Netto-Zeit: 4:03:39) und erreichte damit Platz 3 198 von etwa 8 000 Startern.

„Es war mein erster Marathon, aber ich musste die Chance einfach nutzen und bin total zufrieden mit dem Ergebnis“, berichtet Kube und klärt auf, wie er zum Laufen gekommen ist: „Mein Vater ist damals viele Marathons gelaufen. Dann bin ich ihm immer hinterhergefahren und habe ihn angefeuert. So wurde mir klar, dass ich das eines Tages auch unbedingt machen möchte.“

Früher ist Kube dem Vater hinterhergefahren

Ein paar Monate vorher hatte Kube von dem Marathon gehört, sich angemeldet und einen Trainingsplan erstellt. Anfänglich habe er diesen gut befolgen können, denn er habe sich ein Ziel gesetzt, welches er auch einhalten wollte. Zwischendurch wurde es jedoch etwas schwieriger, speziell in den Wochen, in denen er mehr arbeiten musste. Da verschiebe man gerne schon mal ein paar Einheiten, gesteht Kube: „Nach der Hälfte meines Trainings bin ich dann meinen ersten Halbmarathon gelaufen. Das positive Ergebnis zu sehen, hat mich nur noch mehr motiviert.“

Chinesich und in englischer Übersetzung: Wynton Kubes Zeiten sind im Internet genau nachzulesen.

Allerdings musste der Student seinem Ehrgeiz ein wenig Einhalt gebieten, als er sich drei Wochen vor dem großen Start eine Zerrung zuzog. Diese warf ihn zwei Wochen aus dem Training, weshalb er ausgerechnet in der wichtigsten Phase pausieren musste. „Dennoch bin ich das Ganze hoch motiviert angegangen. Ich wollte also, trotz meines Trainingsrückstandes, meine Zielzeit von 3:30 Stunden laufen. Das hat natürlich nicht ganz hingehauen“, erzählt Kube. Insgesamt benötigte er etwas mehr als eine halbe Stunde länger – das sei zwar ärgerlich, aber aufgrund der vorherigen Verletzung immer noch ein Erfolg. Aber auch die Strecke an sich war eine kleine Herausforderung. „Von etwa Kilometer 21 bis 26 lief man über eine Brücke durch die Stadt, das hieß: Steigung, Regen und Wind im Gesicht. Ich habe versucht, mein Tempo zu halten, aber ab Kilometer 29 hat es mich dann erwischt. Ich musste ganz langsam werden und zeitweise sogar gehen“, berichtet Kube, der sich im Kreis Rotenburg bisher eher als Fußballer des SV Rot-Weiß Scheeßel einen Namen gemacht hat.

Aufgeben kam für ihn aber nicht infrage und so lief er von einer Verpflegungsstation zur nächsten. „Bei Kilometer 34 habe ich mir an einem Stand spontan Fried Chicken mitgenommen“, erzählt er. „Eigentlich nicht so passend zum Wettkampf, aber das war mir zu dem Zeitpunkt egal. Ich hatte halt Hunger“, lacht Kube. Und siehe da: Die doch eher ungewöhnliche Läufer-Nahrung wirkte sich positiv aus. Kube ging es danach so gut, dass er wieder sein normales Tempo aufnehmen konnte und die letzten zwei Kilometer mit einem Schnitt von 4:45 Minuten pro Kilometer lief.

Als ich ankam, war ich irgendwie überglücklich. Nicht, weil ich 42 Kilometer gelaufen bin, sondern weil ich mich erinnert habe, wie oft ich mich aus dem Bett gequält habe, um das hier zu laufen.

Wynton Kube

Der Zieleinlauf war im Leichtathletik-Stadion von Taipeh. „Als ich ankam, war ich irgendwie überglücklich. Nicht, weil ich 42 Kilometer gelaufen bin, sondern weil ich mich erinnert habe, wie oft ich mich aus dem Bett gequält habe, um das hier zu laufen“, sagt Kube. Am liebsten würde er gleich weiter für den nächsten Marathon trainieren, allerdings wurden in Deutschland für die nächsten Monate alle Großveranstaltungen dieser Art bereits abgesagt.

Am 5. Januar geht es für Wynton Kube nun zurück in seine Heimat – ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant. „Ich habe hier ein Semester lang studiert und wollte dann zurückkehren, um mein Praxissemester zu absolvieren. Allerdings ist es wegen Corona derzeit sehr schwer, einen Platz zu bekommen, weshalb ich mich dazu entschlossen hatte, einfach in Taipeh zu bleiben“, erzählt er. Auf der Insel gebe es kaum Corona-Fälle und sehr hohe Sicherheits- sowie Hygienemaßnahmen, daher habe er die Möglichkeit ergriffen, etwas länger zu bleiben. Allerdings habe er auch sehr viel Respekt davor, mitten in der Pandemie nach Hause zu kommen. „Ich informiere mich ständig, wie die Lage in Deutschland ist – und ein Lockdown wird für mich etwas komplett Neues sein“, erklärt der 24-Jährige. Aufgrund der Maßnahmen und der sehr geringen Infektionszahlen seien Freizeitaktivitäten in Taiwan nicht sonderlich eingeschränkt, sodass er viel Sport treiben und anderen Hobbys nachgehen konnte. Nach seiner Ankunft will sich Kube erst einmal akklimatisieren, denn derzeit seien in Taipeh über 24 Grad. Danach geht es für ihn an die letzten Semester seines Studiums in Würzburg. „Ich bin gespannt, was das nächste Jahr bringen wird“, sagt er und denkt auch schon ein wenig an sein anderes Hobby, den Fußball, den er vor seiner Zeit in Taiwan auch in Bayern bei der SG Margetshöchheim nachgegangen ist: „Ich würde auch super gerne zu Rot-Weiß Scheeßel zurückkehren, aber es wird sicher noch eine Weile dauern, bis der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann“, schätzt er die Lage realistisch ein.

Von Marié Detlefsen

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