Freshman fühlt sich in Spokane wohl / „Ich spüre das Vertrauen der Coaches“

Stachs Rechnung geht auf

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Emma Stach in Aktion: Trotz einen Nasenbein-Blessur läuft es für sie im Team der „Bulldogs“ schon ausgesprochen gut.

Rotenburg - Von Lars Kattner. In Amerika ist Sport nur dann Sport, wenn es dazu Statistiken gibt. Je mehr Zahlen, desto besser. Am liebsten in Echtzeit, immer präsent. Natürlich ist Sport immer auch Emotion. Emotion darf nie fehlen. Was wäre der Sport ohne die tragischen Geschichten der Verlierer und die magischen Momente der Gewinner? Fehlt noch: Patriotismus.

Der Stolz auf die Heimat, ein kollektives Wir-Gefühl, ein verbindendes Element. All das ergibt ein Spektakel, das für den außenstehenden Durchschnittseuropäer oft schwer zu durchschauen ist. Ganz großes Kino eben. Seit August mittendrin: Emma Stach.

Die Ausnahme-Basketballerin ist zu Saisonbeginn von den Avides Hurricanes zu den „Bulldogs“ der Gonzaga-Universität in Spokane, Washington, gewechselt. Ein Wechsel in ein anderes Land? Ein Wechsel in eine andere Welt! Der Sport ist den Amerikanern nun mal heilig, entsprechend groß ist der Stellenwert. Auch am College. Extra-Trainer nur für die Spielerinnen auf den Guard-Positionen, ein eigener Jet für die Auswärtsspiele, Videoanalysen auch nach dem Training – der sportliche Erfolg darf einiges kosten. Emma Stach kann das jetzt aus erster Hand bestätigen. Und die anderen Studenten? Kommen in Scharen. So ging das letzte „Exhibition Game“, ein Härtetest gegen Eastern Oregon, vor stattlichen 4765 Zuschauern über die Bühne. Dimensionen, an die sich die 18-Jährige gewöhnen wird: Zum Saisonstart der „Regular Season“ am 16. November im heimischen McCarthy Athletic Center werden rund 6000 Fans erwartet.

Für Deutschlands wohl größtes Basketball-Talent ist das Drumherum allerdings kein Problem. Das beweist ein Blick auf ihre Statistik vom vergangenen Wochenende: fünf Punkte, fünf Assists, 24 Minuten Spielzeit – starke Zahlen für den „Freshman.“ Die mit dem Wechsel in die Staaten aufgemachte Rechnung scheint aufzugehen. „Es war ein wahnsinnig tolles erstes Spiel für mich! Ich spüre das Vertrauen der Coaches. Meine Spielzeit hing aber auch damit zusammen, dass unser Starting-Pointguard schnell zwei Fouls hatte. Meistens werden die Spielerinnen dann in der ersten Halbzeit nicht mehr eingewechselt“, berichtet Stach, die wegen einer kleinen Fraktur im Nasenbein noch für zweieinhalb Wochen mit Maske spielen muss.

Etwas komplizierter sei da schon die Umstellung auf das Spiel an sich. „Ich merke schon ziemliche Unterschiede. Die spielen hier viel physischer, es wird viel mehr Wert auf das Krafttraining in der Vorbereitung gelegt. Zudem spielen wir zwei Mal 20 Minuten und nicht vier Mal zehn. Die Zeit für einen Angriff beträgt 30 Sekunden, ist also länger als in Deutschland. Ein weiterer Unterschied sind die längeren Auszeiten, die als Werbepause für Fernsehen und Radio genutzt werden.“

Um für die Saison gerüstet zu sein, haben die Coaches ein Trainingsprogramm aufgestellt, dass es in sich hat: Fünf Einheiten mit einer Länge von bis zu drei Stunden pro Woche, dazu geht es zusätzlich an drei Tagen in den Kraftraum. Und dann gibt es da auch noch das Psychologie-Studium, das Emma Stach aufgenommen hat: „Ich sprinte meistens direkt vom Training zur nächsten Vorlesung, weil ich nur zehn Minuten Pause dazwischen habe. Die Tage sind also komplett ausgefüllt. Die Vorbereitung ist das Härteste hier, da wird einem einiges abverlangt, aber ich mag es, hart zu trainieren.“

Die richtigen Zutaten für eine sportliche Erfolgsgeschichte ganz nach dem Geschmack der Amerikaner sind also gegeben: Der „Freshman“ aus Übersee arbeitet hart, füllt zuverlässig die Blöcke der Statistiker, lässt sich auch von Verletzungen nicht stoppen – und wird schließlich umjubelter Profi? „Ich will mich erst einmal in der Division 1 beweisen, und dann sehen wir, wie es weitergeht. Ich stehe ganz am Anfang“, wiegelt Stach ab. Aber großes Kino ohne Happy-End? In Amerika? Nur schwer vorzustellen.

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