Triathlet Jürgen Klindworth spricht über seine Faszination für den Ironman

„Der Fokus liegt nur bei mir“

Palmen, Sandstrand und blauer Himmel: Doch Jürgen Klindworth fliegt nicht zum Entspannen nach Hawaii. Der Triathlet misst sich beim Ironman mit den besten Athleten der Welt. Achtmal war er schon dabei, der neunte Start soll 2020 folgen.

Sittensen/Scheeßel - Von Mareike Ludwig. Die Gemütslage von Jürgen Klindworth ist momentan eher bescheiden. Der Ausdauersportler des TV Scheeßel musste sich Mitte Dezember einer geplanten Leistenoperation unterziehen. Schonen statt Training ist angesagt. Für den nimmermüden Triathleten alles andere als einfach, schließlich reizt es ihn schon wieder, die Trainingsvorbereitung für das neue Jahr fortzuführen. Der 60-Jährige übt sich aber in Geduld und erholt sich aktuell auf seinem Sofa. Ende Januar ist die Schonfrist dann vorbei. Er hat viel vor: Der zweifache Vater will zum neunten Mal beim Ironman auf Hawaii starten. Was er selbst über den härtesten Triathlon der Welt sagt, wie er sich täglich fürs Training motiviert und was seine Ziele sind, verrät Klindworth im Interview.

Herr Klindworth, wie geht es Ihnen aktuell?

Es hat sich nach der OP leider ein Bluterguss gebildet, das ist natürlich nicht so schön. Die Trainingspause wirft mich aber nicht so groß zurück. Entscheidend sind die letzten Monate vor dem Wettkampf.

Nur bei bestimmten Wettkämpfen gibt es Hawaii-Tickets. Wo wollen Sie die Qualifikation für 2020 schaffen?

Darüber habe ich mir lange Gedanken gemacht und mich bewusst für Lanzarote (am 23. Mai, Anm. d. Red.) entschieden, da es ein sehr harter Wettkampf ist. Dort gibt es viele Steigungen. Das Niveau der Radstrecke ist mit Hawaii vergleichbar.

Legen Sie sich eine Strategie zurecht?

Ich schaue nicht auf die Konkurrenz. Der Fokus liegt nur bei mir. Ich versuche, mein Optimum herauszuholen. Ich muss mir das Rennen genau einteilen und darf nicht mit der Konkurrenz mitziehen. Ansonsten bekomme ich einen Stromausfall in allen Gliedmaßen. Wenn ich fit bin, weiß ich, dass ich es erreichen kann.

Und wenn es auf Lanzarote nicht klappt? Haben Sie einen Plan B?

Dann würde ich es beim Triathlon in Hamburg versuchen. Mitte Juli könnte ich zur Not auch noch in der Schweiz starten. Diese Optionen treffen aber hoffentlich nicht ein, da mein Trainingsrhythmus und die Regenerationsphasen nicht mehr passen würden. Ich möchte die Qualifikation natürlich so früh wie möglich schaffen.

Wie sieht denn eine gewöhnliche Trainingswoche bei Ihnen aus?

Zunächst muss ich meinen Körper an die Regelmäßigkeit gewöhnen. Die Grundlagenausdauer ist eine gute Basis. In der Regel trainiere ich achtmal pro Woche – zweimal Schwimmen, und je dreimal Radfahren und Laufen. Hinzu kommen noch Krafttraining und Stabilisationsübungen. Die Einheiten sind nicht sehr lange, für mich ist die Häufigkeit entscheidend.

Und die Intensität wird nach und nach gesteigert?

Genau. Der Ablauf bleibt gleich, nur die Belastungen werden höher. Anfang März geht es immer weiter in Richtung Wettkampfintensität, dann geht es ans Eingemachte.

Was motiviert Sie, sich tagtäglich diesen Belastungen auszusetzen?

Es macht mir einfach Spaß, sonst könnte ich den Sport nicht betreiben. Natürlich sind auch Einheiten dabei, die mir nicht gefallen. 95 Prozent sind Genuss, fünf Prozent sind Quälerei.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei Ihnen?

Früher war ich definitiv noch ein Allesesser. Mit der Zeit habe ich mir mehr Gedanken darüber gemacht. Mittlerweile esse ich kein Fleisch mehr, dadurch bin ich leistungsfähiger. Ich nehme immer weniger tierische Produkte zu mir. Ich fühle mich dadurch deutlich besser. Dennoch gönne ich mir natürlich auch mal ein Stück Schokolade oder Kuchen.

Sie waren 1991 das erste Mal auf Hawaii am Start. Können Sie sich noch daran erinnern?

Ja, natürlich. Diese Erlebnisse vergisst man nicht. Die Atmosphäre ist einzigartig. Damals war noch alles viel kleiner, die Wettkampf-Chefin war sogar noch ehrenamtlich tätig. Mittlerweile ist es hochprofessionell, alles ist sehr kommerziell geworden. Geld spielt eine große Rolle. Es ist aber immer noch wahnsinnig toll, dort zu starten und sich mit den besten Athleten der Welt zu messen.

Welchen Start haben Sie in besonders guter Erinnerung?

Auf jeden Fall 1999. Da lief alles wie aus einem Guss. Ich hatte keine Schmerzen und keine Einbrüche. Ich war wie in einem Rauschzustand. Aber auch 2019 war sehr besonders, da meine beiden Töchter und meine Lebenspartnerin mit dabei waren. Wir haben dort tolle Stunden zusammen verbracht, davon zehre ich immer noch.

Sie sind mittlerweile 60. Inwiefern macht sich das Alter bemerkbar?

Ich habe eine viel längere Erholungsphase als früher. Auch die Verletzungsanfälligkeit steigt leider. Natürlich machen sich auch langsam Verschleißerscheinungen bemerkbar. Dafür habe ich mit den Jahren immer mehr Erfahrungen gesammelt und kenne meinen Körper mittlerweile sehr gut.

Die Erfahrung kommt Ihnen wahrscheinlich auch auf Hawaii zugute? Sie waren immerhin schon achtmal dabei.

Das stimmt. Ich kann mich auf das Klima und die hohe Luftfeuchtigkeit sehr gut einstellen. Da habe ich keinerlei Probleme. Zudem kenne ich die Strecken sehr gut.

Im kommenden Jahr wollen Sie noch mal richtig angreifen. Wie lautet Ihre Zielsetzung?

Mein Traum ist es, in meiner Altersklasse 60 bis 64 unter die ersten fünf Starter zu kommen. Für die besten Fünf gibt es nämlich eine Siegerehrung. Das wäre genial.

Nur der Startplatz kostet bereits knapp 1 000 Euro. Hinzu kommen noch mehrere Tausend Euro für die Reise. Finanzieren Sie alles aus eigener Tasche?

Ja, ich kann es mir zum Glück leisten. Natürlich ist es sehr teuer, aber es ist meine Leidenschaft. Ich gebe gerne das Geld dafür aus. Ansonsten leiste ich mir auch nicht viel und versuche, auf kleinem Fuß zu leben.

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