Wie die Hurricanes die Krise überwinden und den Klassenerhalt noch schaffen können

Flaute am T-Shirt-Stand

Klare Ansagen, klare Kommandos: Mahir Solo hat noch acht Spiele, um die Hurricanes aus dem Keller zu führen. - Foto: Freese

Scheeßel - Von Matthias Freese. Die Ausläufer des sportlichen Tiefs waren bis ins Foyer der Scheeßeler Sporthalle zu spüren. „Flaute am T-Shirt-Stand“, vermeldete Utz Bührmann. Das Geschäft mit den Merchandise-Produkten war an diesem Katastrophen-Sonnabend völlig eingebrochen, nicht ein Artikel ging über den Tresen, sodass der Finanzchef der Avides Hurricanes die guten Stücke mit dem Vereinslogo sorgfältig wieder verstaute. Warten auf bessere Zeiten – hoffen auf das Wunder in der Basketball-Bundesliga. An die Folgen eines Abstiegs wollte Bührmann nicht denken.

Es ist gar nicht so lange her, da feierten die Hurricanes die Bronzemedaille in der Meisterschaft. Im April 2015 war das. Nun, nur 21 Monate später, ist der Abstieg wahrscheinlicher als der Klassenerhalt. Die Lage hat sich seit Sonnabend, seit dem 65:82 im Kellerduell gegen den SV Halle, weiter verschlechtert. Und doch ist die Rettung rechnerisch noch im Bereich des Möglichen. Der Rivale von der Saale hat sich aus dem unmittelbaren Fokus verabschiedet – das Augenmerk gilt nun dem USC Freiburg und den ChemCats Chemnitz, die bei zwei Absteigern überholt werden müssen. Sie gingen am Wochenende ebenfalls leer aus und liegen zwei beziehungsweise vier Zähler vor den Hurricanes. Das Sympathische daran: Gegen beide Konkurrenten muss der neue Coach Mahir Solo mit seinen Damen noch spielen, gegen beide ist der direkte Vergleich machbar. Das Hinspiel gegen Chemnitz hatten die Hurricanes mit 79:54 gewonnen, in Freiburg mit 63:68 verloren. Pikant: Die Breigauer gastieren am letzten Spieltag zum möglichen Showdown in Scheeßel.

Scheeßel – einst die Halle, in der die Favoriten stolperten, nun der Ort der großen Enttäuschungen. In der Halbzeitpause gegen den SV Halle unterhielt ein Zumba-Trio die Zuschauer, sprühte vor Energie und wollte gar nicht mehr aufhören. Von einem ähnlichen Schwung war nach einer guten ersten Hälfte bei den Hurricanes aber nichts zu spüren.

Es ist ganz offensichtlich nicht nur ein Kopfproblem. Christoph Treblin, Gründungsvater der BG ’89 und Vorstand Sport, sprach von einem „Fitness- und Athletikunterschied“ im Vergleich zu Halle. „Wir müssen an der Kondition arbeiten“, gestand auch Routinier Laura Rahn. Mahir Solo weiß um dieses Problem, „aber wir hatten auch nicht genügend Zeit zur Vorbereitung“. Erst vor einer Woche wurde er zum Cheftrainer befördert, nun bleiben ihm noch acht Spiele zum Klassenerhalt – fünf Siege werden dafür wohl benötigt. „Wir müssen viel mehr laufen, wir brauchen mehr Energie“, sagt er. In der ersten Halbzeit erkannte er gute Ansätze, aber unterm Strich waren das nur „40 Prozent. 60 fehlen also noch.“

Den Glauben an sich selbst hat die Mannschaft jedenfalls noch nicht verloren. „Ich denke, wir können noch Zehnter werden. Wir können nicht beeinflussen, wie die anderen Mannschaften spielen, wir müssen einfach besser sein. Unser Plan ist es, hart zu arbeiten und als Team zu spielen“, sagt etwa die Amerikanerin Ashley Southern, die nach dem Weggang von Laura Dally wieder in den Kader gerückt war.

Ob es noch eine Verstärkung bis Ende der Wechselfrist am 31. Januar gibt, ist angesichts dessen, was der Markt hergibt, fraglich. Dafür saß Talent Celine Schröder (15) nach ihrem auskurierten Kreuzbandriss erstmals einsatzbereit auf der Bank. Zudem hat Mahir Solo die vor wenigen Monaten unter Vorgänger Tomas Holesovsky aus zeitlichen Gründen ausgeschiedene Birte Riebesell zumindest zurück ins Training geholt. Um zu Einsätzen zu kommen, müsste sie aber regelmäßig dabei sein – diese Philosophie des neuen Trainers lernte gegen Halle auch die nicht berücksichtigte Hannah Pakulat kennen. „Die deutschen Spielerinnen sind keine Profis und haben andere Prioritäten“, weiß Solo.

Wie ernst es dem Coach ist, zeigte sich auch daran, dass er trotz des aussichtslosen Rückstandes 36 Sekunden vor dem Ende noch eine Auszeit nahm und damit das Leiden an diesem Abend verlängerte. Der Bosnier versucht eben, jede Möglichkeit zu nutzen, um dem Team deutlich zu machen, was er erwartet; um die Flaute auf dem Feld abzustellen – und wenn ihm das gelingt, herrscht vielleicht auch wieder mehr Betrieb am T-Shirt-Stand.

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