Mickelat hat in neuer Rolle „die Qualität, mich gewinnbringend einzusetzen“

Der „falsche Neuner“ sticht

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Stets anspielbereit, immer gefährlich: Björn Mickelat fühlt sich in seiner neuen Stürmer-Rolle sehr wohl. ·

Rotenburg - Von Matthias FreeseEin bisschen verrückt ist er ja. Das verrät schon seine Mailbox. „Mickelat, Deutschland“ – so ist sie von ihm besprochen. Doch der Mann hat nicht nur Humor, auch als Stürmer ist Björn Mickelat enorm wertvoll für die Oberliga-Fußballer des Rotenburger SV: Seit er als einzige Spitze aufläuft, agiert die Wümme-Elf effektiv wie lange nicht mehr. Tabellenführer FT Braunschweig erlegte er mit seinem Siegtor vor neun Tagen, sein Führungstreffer gegen den TSV Ottersberg (4:0) war nicht weniger wichtig.

„Noch ist gar nichts gewonnen“, verweist Mickelat aber auf die Tabelle, die den RSV trotz der Serie von 19 Punkten aus den letzten acht Spielen noch auf Rang 13, aktuell einem Abstiegsrang, führt. „Aber Druck haben wir nicht, den haben die anderen, die wir jetzt mit reingezogen haben“, denkt er in erster Linie an die Ottersberger. Die bekamen den inzwischen 33-Jährigen nie in den Griff. War Mickelat am Ball, wurde es brandgefährlich. Das erste Tor machte er selbst, das zweite legte er Marcel Costly auf.

Dabei ist der fünffache Saisontorschütze trotz seiner Erfahrung neu in seinem Job. Erst nach der Winterpause übernahm er die vakante Stelle im Sturmzentrum. „Ich habe ja sonst schon überall gespielt, aber da ist es das erste Mal für mich. Ich denke jedoch, dass ich dort gut aufgehoben bin“, glaubt der gebürtige Brandenburger. Zumal er die Rolle nicht klassisch interpretiert, kein Strafraumstürmer ist, sondern ein „falscher Neuner“. „Wir wollen ja nicht so viel Druck auf den Gegner ausüben, sodass ich mich mehr fallen lasse. Dadurch stehen die Gegner weiter weg und ich muss nicht so viele Zweikämpfe führen. Und dann habe ich die Qualität, mich gewinnbringend einzusetzen, sodass unsere schnellen Außen nachrücken können. Wenn ich die Zeit habe, mich aufzudrehen, ist es für uns gut und für den Gegner nicht so“, beschreibt der ballsichere Mickelat die Spielidee.

Das neue, auf Konter setzende System ist für ihn der eine Grund für die jüngsten Erfolge. Der Zusammenhalt im Team der andere. Erst Recht nach den Gehaltskürzungen im Winter: „Das hier nicht immer alles vernünftig läuft, weiß ja jeder. Deswegen haben wir uns für den Spaß entschieden. Wie wir miteinander umgehen – das habe ich selten erlebt. Wir fangen schon vor dem Spiel an zu feiern. Das ist auch für die Gegner nicht einfach einzuordnen, wenn die an unserer Kabine vorbei müssen und schon vor dem Anpfiff laute Musik bei uns hören“, berichtet der Routinier, der 2012 vom TuS Heeslingen kam.

Dass sein alter Club (unter neuem Namen) inzwischen die Oberliga wieder im Visier hat, verfolgt auch Mickelat mit Interesse. „Die haben ja immer noch neun Oberliga-Spieler und müssen jetzt ihre Chance wahrnehmen“, ist der Kontakt auch nicht abgerissen. Ein Zurück wird es für ihn allerdings nicht geben: „Absolut ausgeschlossen. Dafür ist zu viel passiert“, sagt Björn Mickelat. Ob seine Zukunft jedoch beim RSV liegt, lässt er ebenfalls offen. Wenngleich er betont: „Es geht ja darum, was die Verantwortlichen wollen. Aber wenn sie Leute wie Tim Ebersbach, Christoph Drewes und meine Wenigkeit halten, kann man eine super Mannschaft aufbauen.“

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