Krampfhaftes Festhalten an Saisonfortsetzung

RSV kritisiert Verband als „fahrlässig, kurzsichtig, engstirnig“

Geht es nach dem Rotenburger SV, werden die Trikots bis zum Sommer nicht mehr rausgeholt. Noch sieht der Verband das aber anders.
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Geht es nach dem Rotenburger SV, werden die Trikots bis zum Sommer nicht mehr rausgeholt. Noch sieht der Verband das aber anders.

Rotenburg – Ist die Fußballsaison in den Amateurligen noch zu retten? Während die meisten Mannschaftssportarten die Frage für sich bereits beantwortet und den Betrieb der laufenden Serie eingestellt haben, bleiben die Vereine im größten Sport-Fachverband weiter im Ungewissen. Deutliche Kritik muss sich deshalb der Niedersächsische Fußballverband (NFV) vom Rotenburger SV anhören: „Ich finde es fahrlässig vom NFV, dass er nicht über ein Abbruchszenario nachdenkt und es bisher kategorisch ausschließt“, formuliert Torsten Krieg-Hasch, Sportlicher Leiter des Oberligisten, in ungewohnt deutlicher Form. „Stattdessen halten sie krampfhaft an ihren Fortführungsmodellen fest. Das finde ich kurzsichtig und gibt den Vereinen keine Planungssicherheit.“

Am 25. Februar soll der Verbandsspielausschuss zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommen – mit den Bezirken und Kreisen. Innerhalb der Oberliga gab es deshalb auch eine erneute Abfrage unter den Vereinen – wieder ging es um die möglichen Modelle der Fortsetzung und nicht um einen Abbruch. Geht es nach dem Verband, wird die Saison so schnell wie möglich fortgesetzt – auch eine Verlängerung bis zu den Sommerferien schließt er nicht mehr aus. Ende Januar hatte der Spielausschussvorsitzende Jürgen Stebani gegenüber unserer Zeitung den Restart noch für Anfang April angepeilt, mit einer Vorbereitungszeit von zwei Wochen. Seitdem hat der NFV diese Meinung noch nicht revidiert, obgleich der Lockdown in Deutschland bis 7. März verlängert wurde. Vielmehr hat NFV-Präsident Günter Distelrath bei einem Inzidenzwert unter 50 „einen Wiederbeginn von Trainingsmöglichkeiten in festen Gruppen im Verein ab März und einen Beginn von Wettkampfsport in Gruppenstärke von bis zu 50 Personen ab April“ eingefordert. Ein Selbstverständnis, das nicht überall auf Zustimmung trifft.

„Mitte März mit dem Training zu starten – das ist doch schon jetzt nicht mehr realisierbar“, wundert sich auch Tim Ebersbach, Trainer der Rotenburger, und ergänzt: „Ich glaube, der NFV meint es nur gut, aber ich wäre schon froh, wenn wir vor dem Sommer überhaupt wieder trainieren dürften – wenn auch in Kleingruppen.“ Der Wunschgedanke des Verbandes scheint jedenfalls inzwischen Utopie zu sein. In diesem Zusammenhang lohnt auch ein Blick zurück ins vergangene Jahr, als nach dem ersten Lockdown im Frühjahr der Trainingsbetrieb fast zwei Monate lang zwar mit Ball, aber ohne jeglichen Körperkontakt und mit entsprechend Abstand erlaubt war. Ab 5. Juli waren die Übungseinheiten im Teamsport wieder regulär möglich, zwei Wochen später dann auch Spiele erlaubt.

Sollte es also erneut eine solche Phase des „Herantastens“ geben, wäre vor Mai ohnehin nicht an Pflichtspiele zu denken. Ginge es nach dem neuesten Stufenplan 2.0 der niedersächsischen Landesregierung, wäre der Kontaktsport ab einem Inzidenzwert unter 50 für bis zu 30 Personen wieder zulässig. Bei einer Inzidenz unter 25 wäre er auf maximal 60 Personen beschränkt, was einen Spielbetrieb möglich machen würde. Derzeit stagniert der Wert in Niedersachsen aber und liegt aktuell bei 68. „Und die Mutanten sind auf dem Vormarsch, da ist ein regulärer Spielbetrieb nicht realisierbar“, glaubt Krieg-Hasch und meint: „Das muss man dem NFV vorwerfen, dass er so engstirnig ist, obwohl die Stimmen aus den Vereinen immer lauter werden. Ein Saisonabbruch ist doch kein Gedankenwirrwarr, er sollte in die Entscheidungsfindung miteinbezogen werden.“ Der Spielausschussvorsitzende des Bezirks Braunschweig, Jörg Zellmer, hat gegenüber der Wolfsburger Allgemeinen bereits eine Rechnung aufgemacht: „Sollte ab dem 25. April kein Spielbetrieb möglich sein, ist die Beendigung der Serie sehr problematisch bis unmöglich.“

RSV-Coach Ebersbach verweist auf zwei andere Punkte: „Die Gesundheit der Spieler und die finanziellen Aspekte sollte man berücksichtigen.“ Eine Trainingszeit von nur zwei Wochen vor einem Restart hält er nach dieser langen Pause aufgrund des Verletzungsrisikos für „extrem zweifelhaft“ und bedenklich. Zudem gingen den Vereinen bei Spielen, die ohne Zuschauer stattfinden müssten, wichtige Einnahmequellen flöten. Ein weiteres wichtiges Argument: Sind tatsächlich alle Spieler bereit, trotz der Pandemie wieder auf den Platz zurückzukehren – und was sagen die Arbeitgeber dann dazu? „Der NFV hält hintern Berg, hat keine Lösung, beachtet die Gesundheit der Spieler und auch diese weichen Fakten nicht“, ärgert sich Krieg-Hasch denn auch.

„Mir ist es egal, ob wir die Saison annullieren oder nach dem Sommer die Runde weiterspielen. Ich möchte nur keine vollgepfropfte Hetzgeschichte bis zum Sommer und diese Saison zulasten der Spieler in zehn Wochen zu Ende spielen. Dann lieber sagen: Stopp, wir spielen nach dem Sommer weiter“, meint auch Ebersbach. Er könne der Variante, dass die Ergebnisse der bereits absolvierten Spiele mitgenommen und die Serie von Sommer 2021 bis Sommer 2022 weitergespielt wird, durchaus viel Positives abgewinnen. „Dann hätten wir einen Puffer, eine entspannte Situation und eine vernünftige Winterpause“, sagt er und glaubt, dass keiner auf eine Wertung der aktuellen Tabellen bestehen wird: „Kein Verein würde doch jetzt behaupten, man beraubt ihn des potenziellen Aufstiegs.“

Für den Rotenburger Trainer ist jedenfalls klar: „Wir stellen uns als Amateursport hinten an – alle anderen Sportarten machen es ja auch. Ich verstehe nicht, warum sich der NFV so einen Druck macht.“

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