Unfall verändert komplettes Leben des ehemaligen Fußballers

Urlaub wird zum Alptraum: Fabian Martens stürzt vom Hotelvordach – danach beginnt ein unermüdlicher Kampf

Ein echter Kämpfer: Äußerlich ist Fabian Martens nichts mehr von seinem schweren Unfall anzusehen.
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Ein echter Kämpfer: Äußerlich ist Fabian Martens nichts mehr von seinem schweren Unfall anzusehen.

Ein Schritt zu weit nach vorne hat das Leben von Fabian Martens für immer verändert. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Der einstige Fußballer des Kreisligisten TuS Westerholz wollte eigentlich eine unbeschwerte Zeit mit seinen Kumpels auf der Ferieninsel Ibiza verbringen. Doch der Sommerurlaub entpuppte sich am 9. Juli 2015 zum echten Albtraum.

Westerholz – Am zweiten Abend stürzte Martens kopfüber vom Hotelvordach sechs Meter in die Tiefe. Bis heute – knapp fünfeinhalb Jahre später – kämpft der 34-Jährige mit den Folgen des dramatischen Unfalls.

Fabian Martens kann sich an gar nichts mehr erinnern

„Ich kann mich an gar nichts erinnern, alle Eindrücke und Erlebnisse sind weg, einfach gelöscht“, erzählt der gebürtige Hetzweger. Was er in jener Nacht auf dem Dach des Hotels wollte, weiß er ebenfalls nicht mehr. Dabei hatten ihn seine Freunde zuvor bereits ins Zimmer gebracht, da er zu viel Alkohol getrunken hatte und sich seinen Rausch ausschlafen sollte. „Ich bin dann aber noch mal aufgestanden. Keine Ahnung, was ich da draußen wollte“, erklärt Martens.

Dank des engagierten Einsatzes der Hotelangestellten Felicia Bocu überlebte der gelernte Maurer und Karosseriefahrzeugbauer den Absturz in die Tiefe. „Sie hat zum Glück schnell und richtig gehandelt und mir damit ein zweites Leben geschenkt. Ohne ihre Hilfe hätte ich nicht überlebt“, zeigt sich der ehemalige Angreifer noch heute sehr dankbar.

Schwerer Unfall auf Ibiza: Fabian liegt zwei Wochen im Koma

Mit einem zweifachen Schädelbasisbruch, mehrfachen Gesichtsfrakturen sowie Hand- und Armbrüchen lag der damals 29-Jährige zwei Wochen lang auf Ibiza im Koma. Seine Mutter Renate saß die ganze Zeit besorgt an seinem Krankenbett und hoffte täglich auf eine Besserung seines Zustandes. „Das war eine harte Zeit, das war alles andere als leicht“, erinnert sich Renate Martens, die sich nicht nur um den Zustand ihres Sohnes Sorgen machte, sondern sich auch noch um die immensen Krankenhaus- und Behandlungskosten Gedanken machen musste.

Marcel Henke organisiert Benefizspiel zwischen Germania Hetzwege und TuS Westerholz

Dabei konnte sich Renate Martens auf die finanzielle Unterstützung aus der Heimat verlassen. Ihr Neffe Marcel Henke organisierte kurzerhand ein Benefizspiel zwischen Martens‘ Heimatverein Germania Hetzwege (dort spielt auch Henke selbst) und dem TuS Westerholz. Zudem sammelte Henke weitere Spenden. „Als die Anfrage von Hetzwege kam, haben wir natürlich sofort zugestimmt. Wir hatten uns große Sorgen gemacht. Fabian hat immer gute Laune in unsere Kabine gebracht und war immer super drauf. Und dann war es plötzlich ganz still bei uns“, denkt sein damaliger Trainer Peter Ludwig zurück.

„Als ich von dem Benefizspiel später erfahren hatte, war es ein super tolles Gefühl, wie viele Leute hinter mir stehen. Das war eine richtige Herzenssache. Dafür bin ich sehr dankbar, auch wenn leider nicht alle Freunde und Bekannte auf meiner Seite geblieben sind. Mir wurde vorgeworfen, dass ich das Geld für andere Zwecke nutzen würde. Einen Großteil des Geldes habe ich am Ende daher an ein Kinderhospiz gespendet“, so Martens.

Lange ist es her: Fabian Martens (hier gegen Fintels Max Müller) spielte vor seinem schweren Sturz beim Fußball-Kreisligisten TuS Westerholz.

Schwerer Unfall im Urlaub: Fabian Martens‘ Leben hing wochenlang am seidenen Faden

Die schwere Zeit hielt weiter an. Nachdem Martens zwar stabil genug für eine Verlegung von Ibiza nach Hamburg war, lag er dort jedoch immer noch im Koma. Sein Leben hing weiterhin wochenlang am seidenen Faden. Wie ein Wunder verbesserte sich sein Zustand Tag für Tag, und so konnte er schließlich aus dem Koma zurückgeholt werden.

Doch dann der nächste Schock: Martens konnte weder sprechen noch gehen, musste alles von Grund auf neu erlernen. „Ich war Fußballer durch und durch. Sportlich war ich richtig fit. Und plötzlich stand ich am Rollator und musste lernen, ein Bein vor das andere zu setzen. Das war für mich das Schlimmste“, gesteht Martens. So schnell ließ er sich aber nicht unterkriegen. Mit einer enormen Geduld kämpfte sich der Scheeßeler in einer Reha-Einrichtung Schritt für Schritt zurück ins Leben. „Ich bin dem Tod gerade noch mal von der Schippe gesprungen. Meine Familie hat mir damals sehr viel Halt gegeben. Sie war ein großer Ansporn, dass ich nicht aufgegeben habe. Natürlich habe ich mir aber schon oft die Frage gestellt, wofür ich das alles mache“, erklärt Martens.

Nach Unfall auf Ibiza: Sprechen und Gehen komplett neu erlernt

Rund ein Jahr nach dem schlimmsten Tag seines Lebens wollte der heute 34-Jährige noch mal an den Unglücksort. Er wollte wissen, ob seine Erinnerungen dadurch vielleicht zurückkehren würden, wollte sich bei seiner Lebensretterin Felicia Bocu bedanken und mit ihr und seiner Mutter gemeinsam den 30. Geburtstag feiern. „Das war mein Wunsch, noch mal nach Ibiza zu fliegen. Dort war mir aber leider alles fremd, als wäre ich das erste Mal dort gewesen. Mir kam nicht mal das Hotel bekannt vor. Es war wirklich alles neu für mich. Ich kann mich an nichts erinnern“, zeigt sich Martens noch heute sichtlich mitgenommen.

Zwei Jahre nach schwerem Unfall geht Fabian wieder zum Fußball-Training

Trotz des Rückschlags, dass die Gedächtnislücke nicht geschlossen werden konnte, war der Karosseriefahrzeugbauer weiterhin ehrgeizig und fing wieder an zu arbeiten. Zunächst verlief auch alles sehr vielversprechend. Nach und nach kam er wieder besser in seinem Alltag zurecht. Er ging zwei Jahre nach seinem schweren Unfall sogar wieder zum Training beim TuS Westerholz. Alles sah so gut aus, bis er 2018 eine Hiobsbotschaft erhielt. In seinem Kopf hatten sich an den Narben Bakterien gebildet. Es folgte eine erneute komplizierte Operation an der Schädeldecke. „Wenn es ein paar Wochen später entdeckt worden wäre, hätten die Bakterien mein Gehirn befallen. Dann wäre ich nicht mehr zu retten gewesen. Mittlerweile feier‘ ich wirklich drei Mal Geburtstag“, erzählt Martens von seiner erneuten Lebensgefahr.

Zurück zum Unglücksort: Fabian Martens war mit seiner Mutter Renate Martens (l.) noch mal auf Ibiza. Dort traf er seine Lebensretterin Felicia Bocu.

Fabian Martens ist nun Frührentner und jobbt ein bisschen im Supermarkt

Anschließend folgte wieder der Kampf zurück zur Normalität. Dieses Mal lief es allerdings nicht so erfolgreich. Im Training musste sich der einstige Stürmer immer öfter eingestehen, dass seine Motorik nicht mehr richtig funktionierte. Auch bei der Arbeit machten sich die Koordinationsprobleme mit der Zeit immer stärker bemerkbar. Nach ein paar Stunden fiel ihm der Akkuschrauber einfach aus der Hand. „Das war ein richtig harter Schlag für mich. Ich fühle mich körperlich wirklich fit, aber mein Kopf macht nicht mehr mit. Plötzlich konnte ich nicht mehr arbeiten, nicht mehr Fußball spielen“, erklärt der leidenschaftliche Handwerker, der auch seinen großen Traum, sich selbst ein eigenes Haus zu bauen, schweren Herzens aufgeben musste.

Seit einem Jahr ist Martens nun Frührentner und jobbt ein bisschen in einem Supermarkt. Sein Auto hat er im Sommer verkauft, da seine Sehleistungen immer schwächer werden. „Ich habe zwar noch meinen Führerschein, aber ich will kein Risiko eingehen, bevor noch etwas passiert“, so Martens. Bei dieser Aussage wirkt er sehr nachdenklich. Es scheint so, als würde er sich in diesem Moment gerade selbst fragen, warum er damals – am 9. Juli 2015 – nicht auch sorgsamer war.

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