Hoffen auf Normalität

Corona-Krise: Die Existenzangst der Sportvereine im Landkreis Rotenburg

Das Coronavirus macht es den Vereinen nicht leicht – sportlich sowie finanziell. Einigen Clubs, wie zum Beispiel dem Handball-Oberligisten VfL Fredenbeck, droht eine Insolvenz, zu hoch sind die Verluste. Foto: imago images / Noah Wedel
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Das Coronavirus macht es den Vereinen nicht leicht – sportlich sowie finanziell. Einigen Clubs, wie zum Beispiel dem Handball-Oberligisten VfL Fredenbeck, droht eine Insolvenz, zu hoch sind die Verluste.

Rotenburg/Scheeßel - Es ist ein Kampf ums Überleben – für die Menschheit, für viele Firmen und langsam aber sicher auch für die Sportvereine. Da derzeit aufgrund der Corona-Pandemie keine Spiele stattfinden, brechen die Einnahmen durch die Eintrittsgelder der Zuschauer weg. Was die Clubs allerdings früher oder später noch viel härter treffen wird: Zahlreiche Unternehmen haben Kurzarbeit angemeldet und kämpfen darum, weiterhin zu bestehen. Geld für Sponsoring-Tätigkeiten im Sport? Fehlanzeige. Für die Vereine ein Dilemma zwischen Verständnis und Existenzangst. Ein Überblick.

Fußball – Rotenburger SV

Der Fußball-Landesligist Rotenburger SV verfügt über die finanzielle Unterstützung einiger Firmen. „Diese sind aktuell allerdings mit anderen Dingen als Sponsoring-Maßnahmen beschäftigt“, stellt Geschäftsführer Joschka Kleber klar und fügt an: „Für die Unternehmen geht’s ums Überleben und nicht um Werbung.“ Vereinzelt seien Sponsoren bereits auf den Verein zugekommen, um entsprechende Konsequenzen anzukündigen.

Von einer Situation, in der alles im grünen Bereich ist, ist beim Rotenburger SV also nicht mehr die Rede. „Wir rechnen auf jeden Fall mit Einbußen“, kündigt Kleber an. In welchem Rahmen sich diese befinden werden, sei zum aktuellen Zeitpunkt allerdings noch völlig unklar. Schließlich sei absolut nicht abzusehen, wie lange die Corona-Krise noch anhalte. „Noch ist die Lage für uns nicht existenzbedrohend. Aber es wird auf jeden Fall Konsequenzen geben“, betont der Geschäftsführer. Um welche Art der Folgen es sich handeln könnte, lässt er bewusst offen. „Wir warten erst einmal ab.“

Fußball – TV Sottrum

In der Bezirksliga sieht es für den TV Sottrum noch etwas entspannter aus. „Wir haben keine Einbußen. Wir zahlen an die Spieler keine Gehälter“, verrät Fußball-Boss Thomas Holzkamm und ergänzt: „Unser Trainer (Dariusz Sztorc, Anm. d. Red.) wird natürlich weiter bezahlt – keine Frage.“

Zwar hätte der Verein in der Hinrunde generell mehr Einnahmen zu verzeichnen gehabt, als noch vor einem Jahr in der Kreisliga, „aber das sprengt nicht den Etat unserer Fußballabteilung“, stellt Holzkamm klar. „Wir haben schlicht mehr Heimspiele in der Hinserie gemacht“, sagt er. Ein Beispiel: „Wenn der TSV Etelsen mit 200 Fans kommt, sind das für uns 600 bis 700 Euro.“ Dadurch habe der Wieste-Club einen kleinen Puffer für die Zeit ohne Fußball.

Basketball – Avides Hurricanes

Trotz des vorzeitigen Abbruchs der Zweitliga-Basketball-Saison stehen die Avides Hurricanes finanziell gut da. „Für uns war das vorzeitige Ende finanziell weder gut noch schlecht. Wir sind absolut im Budget“, teilt Schatzmeister Utz Bührmann mit. Diese Aussage beziehe er allerdings auf die Gegenwart. „Es kann natürlich sein, dass wir in der nächsten Saison irgendwann Probleme bekommen könnten – vielleicht, weil die Sponsoren gar nicht mehr in der Lage sind zu zahlen“, formuliert es Bührmann bewusst vage.

Sofern die Corona-Krise die kommenden vier bis fünf Monate anhalte, werde es der Verein „natürlich überleben. Wir haben gut gewirtschaftet und zum Glück auch einige Rücklagen“, so der Schatzmeister. Er hofft, dass sich die allgemeine Lage spätestens bis dahin „wieder etwas normalisiert hat“. Falls nicht, müsse der Vorstand dann weitersehen. „Das kann ich aber zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht einschätzen. Das wäre viel zu vage.“

Handball – TuS Rotenburg

Für die Verantwortlichen der Oberliga-Handballer des TuS Rotenburg ist die aktuelle wirtschaftliche Situation während der Corona-Krise ein Beweis dafür, dass in der Vergangenheit viele Entscheidungen richtig getroffen wurden. Das sagt zumindest Michael Polworth – vor allem, mit Blick auf die Bezahlung der Aktiven. „Uns wird immer vorgeworfen, dass wir unseren Spielern keine Gehaltssummen zahlen“, erzählt er. Aber genau durch solch hohe finanzielle Verpflichtungen – in der Oberliga erhalten Spieler einiger anderer Mannschaften zum Teil bis zu 1 400 Euro im Monat – würden sich andere Vereine nun in den finanziellen Ruin stürzen. „Wir haben dieses Problem daher gar nicht“, freut sich Polworth. Zumal: „Wir haben mit unseren Sponsoren die Abmachung getroffen, dass sie in der ersten Hälfte der Spielzeit zahlen.“ Von daher „können wir mit der aktuellen Situation finanziell noch ganz gut leben“.

Allerdings sei auch an der Wümme nicht klar, wie es weitergeht – nicht nur mit Blick auf die Ligazugehörigkeit. So kann es laut Polworth durchaus sein, dass einige Sponsoren zur kommenden Saison abspringen – wegen der wirtschaftlichen Krise oder aber wegen des vermeintlichen Abstiegs. „Wir wissen es nicht, es kann alles passieren“, kommentiert er. Für den Fall der Fälle hätte der Verein aber in den vergangenen Jahren einen finanziellen Puffer erarbeitet.

Notfallfonds als Unterstützung für Vereine 

Durch den Stillstand der Sportwelt fühlt sich die Lotto-Sport-Stiftung verpflichtet, Vereinen finanziell unter die Arme zu greifen. Daher hat sie den Notfallfonds „Hilfe Covid-19“ ins Leben gerufen. „Vereine und ehrenamtlich Engagierte gehören zu den Stützen unserer Gesellschaft. So organisieren sie etwa Sportveranstaltungen, Jugend- und Seniorenarbeit und das gesellschaftliche Miteinander“, nennt Vorstandsvorsitzender Hans Ulrich Schneider einige Gründe für die Unterstützung. Mit dem Notfallfonds soll Sportvereinen und -organisationen geholfen werden, denen durch die Corona-Pandemie Kosten entstanden sind – zum Beispiel durch fehlende Zuschauereinnahmen, Absagen von Veranstaltungen, Ausfallhonorare und Materialkosten. Die Stiftung prüft und bewertet jeden Fall. Vorgesehen sind Förderungen in Höhe von bis zu maximal 500 Euro. Die Antragsstellung erfolgt über ein Formular, das im Internet unter www.lotto-sport-stiftung.de/aktuelles/foerderung/ zu finden ist.

VfL Fredenbeck befürchtet Insolvenz 

Auf seiner Internetseite wendet sich der VfL Fredenbeck an seine Fans, Freunde und Unterstützer: Für den Handball-Oberligisten geht’s um seine Existenz. Geschäftsführer David Oppong verrät, dass der Handball-GmbH der Mannschaft gut 40 000 Euro zum Saisonende fehlen werden. Damit sei auch die Teilnahme des derzeitigen Tabellenachten an der kommenden Oberliga-Saison noch völlig offen. „Wir hoffen darauf, dass die von der Bundesregierung zugesagten Hilfen für kleine Unternehmen auch uns schnell aus der misslichen Lage helfen“, sagt Oppong. Ein Antrag werde gestellt. Die Mannschaft zieht bereits jetzt mit. „Alle sind bereit, in der Krise auf ihre Gehälter zum größten Teil zu verzichten.“

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