Interview mit US-Basketballerin

Ex-Profi Sitzmann unterstützt die Proteste

Keep smiling: Kim Sitzmann – hier ein aktuelles Foto – ist in den Staaten als Lehrerin und Trainerin tätig. 2011/2012 spielte sie für die Avides Hurricanes erfolgreich Basketball.
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Keep smiling: Kim Sitzmann – hier ein aktuelles Foto – ist in den Staaten als Lehrerin und Trainerin tätig. 2011/2012 spielte sie für die Avides Hurricanes erfolgreich Basketball.

Scheeßel - Von Matthias Freese. Als die Basketballerinnen der BG ‘89 Avides Hurricanes 2011 erstmals in der 1. Bundesliga starteten, avancierte die US-Amerikanerin Kim Sitzmann – neben Danielle Clark und Janie Bos als Profi verpflichtet – schnell zum Publikumsliebling. Die inzwischen 32-Jährige aus dem Bundesstaat Arkansas verließ den Verein zwar nach nur einer Saison wieder, hinterließ aber aufgrund ihrer Auftritte einen bleibenden Eindruck. Auch heute noch ist Sitzmann dem Basketball verbunden, wie sie im Interview verrät. Sie blickt auf die Zeit bei den Hurricanes zurück und erzählt auch, warum die aktuelle Lage in ihrem Heimatland sie selbst betrifft.

Die Zeit bei den Hurricanes liegt schon einige Jahre zurück. Können Sie sich dennoch an Ihr erstes Spiel erinnern? Sie hatten mit der Trikotnummer 35 auch exakt 35 Punkte gegen den TV Saarlouis erzielt.

Natürlich kann ich mich an das Saarlouis-Spiel erinnern! Es war das Season-Opening in Chemnitz. Ich bin mir nicht sicher, was genau passiert ist, aber wir waren spät zu den Eröffnungsfeierlichkeiten gekommen. Und dann mussten wir das Spiel spielen – und ich glaube nicht, dass irgendjemand erwartet hat, dass wir dieses Spiel gewinnen würden. Ich hatte definitiv einen Lauf und war sehr zufrieden mit meiner Leistung sowie der des Teams! Ich kichere tatsächlich jedes Mal, wenn ich an Christoph (Göx, damaliger Manager, Anm. d. Red.) zurückdenke und er mich bat, ihn zu heiraten! Scherzhaft natürlich! Ich habe immer noch den Zeitungsartikel und ich glaube, „Willst du mich heiraten?“ war der Titel des Artikels.

Stimmt. Was ist sonst noch in Erinnerung geblieben?

Einige meiner Lieblingserinnerungen an die Zeit, als ich für die Hurricanes gespielt habe, sind die mit unserem Team, das in „The Dorm“ (die WG der Spielerinnen, Anm. d. Red.) lebte – und an das Essen. Wir hatten einige tolle Zeiten zusammen: Halloween-Party, Thanksgiving-Dinner, Weihnachtsfeier, Roadtrips im Bus. Und wir haben auch gelernt, wie man ein Auto mit Schaltung fährt.

Zu wem bestehen noch Kontakte?

Ich kann nicht jeden erreichen, aber ich halte mich über die sozialen Medien auf dem Laufenden – mit Danielle Clark, Janie Bos, Kata Takács und, Pia Mankertz meistens. Ich habe auch wieder Kontakt zu dem kleinen Tom gehabt. Er war einer meiner größten Fans. Sie können sich an ihn erinnern? Er hat ein signiertes Trikot mit meinem Namen und meiner Nummer erhalten. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich ihn auf Instagram gefunden und konnte ihn erreichen. Süße Erinnerungen!

Warum ist es eigentlich nie zu einer zweiten Saison in Deutschland gekommen?

Ich hatte die Absicht, für eine zweite Saison zurückzukehren, aber das Leben läuft manchmal anders. Als ich nach der ersten Saison nach Hause kam, hatte mein Agent ein Angebot aus Australien, das ich nicht ablehnen konnte. Dann überschnitten sich die Spielzeiten und ich hätte erst nach Saisonbeginn nach Deutschland zurückkehren können. Also entschied sich das Management der Hurricanes, diese Richtung nicht einzuschlagen.

Haben Sie denn nach Ihrer Rückkehr in den USA noch weiter Basketball gespielt?

Ich habe zwei Saisons mit den Collie Crane Hire Southwest Slammers in Bunbury in Westaustralien gespielt. Danach habe ich meine Profischuhe aufgehängt. Ich habe seitdem nur zum Spaß in verschiedenen Frauenligen hier in den USA gespielt.

Wie ging es für Sie auch beruflich weiter?

Ich bin jetzt Lehrer und Trainer an der Searcy High School. Ich habe gerade mein fünftes Jahr beendet. Ich habe in meinen ersten drei Jahren Sport für Mädchen der achten bis neunten Klasse unterrichtet. Die vergangenen zwei Jahren habe ich soziale und emotionale Gesundheit gelehrt und wurde zum Basketballtrainer für Mädchen der Oberstufe befördert. Wir sind die Lady Lions! Ich habe vor, auch weiterhin zu coachen. Ich liebe, was ich tue und liebe es, mein Wissen und meine Erfahrung mit der nächsten Generation zu teilen und das junge Leben positiv zu beeinflussen.

Corona stoppt vieles, wie empfinden Sie das?

Der Umgang mit Corona ist eine Herausforderung. Es ist ein Segen und ein Fluch. Ich hasse es, das Leben verloren gegangen sind und Menschen krank sind, aber der Silberstreif ist, dass jeder (buchstäblich auf der ganzen Welt) gezwungen wurde, langsamer zu werden und das Leben neu zu bewerten. Ich persönlich habe mich in meinem Haus und bei meinen Eltern mit Heimwerkerprojekten beschäftigt. Es hat Spaß gemacht, war aber auch anstrengend.

Jetzt kommt in den Staaten ein weiteres Problem hinzu. Wie erleben Sie die Proteste in den USA nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd – auch vor dem Hintergrund, dass Sie vor drei Jahren betroffen waren, als Ihr langjähriger Lebensgefährte zu Tode kam?

Es ist schwierig, alles in mich aufzunehmen, was in Amerika gerade vor sich geht. Ja, ich war direkt betroffen. Mein Freund verlor sein Leben in Polizeigewahrsam. Ich gehe lieber nicht auf Details ein, da wir vor Gericht stehen. Aber es hat mir die Augen dafür geöffnet, wie durcheinander unser Rechtssystem ist. Zu sehen, was sich jetzt nach dem Tod von George Floyd abspielt, gibt mir Hoffnung. Ich unterstütze zu 100 Prozent die Demonstranten, aber nicht die Plünderungen und Unruhen. Ich hoffe nur, dass sich alles auflöst und echte Veränderungen tatsächlich vorgenommen werden und erkennbar sind.

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