Bürgermeister-Kandidaten äußern sich

Entscheidung über Winterrasenplatz in Rotenburg

Blick auf den Grandplatz
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Dort, wo bislang ein Grandplatz ist, soll der Winterrasenplatz entstehen.

Am Donnerstagabend fällt im Rotenburger Stadtrat die Entscheidung über den Bau des Winterrasenplatzes im Ahe-Stadion. Der neue Bürgermeister muss damit leben. Die Kandidaten sind unterschiedlicher Meinung.

Rotenburg – Ein Winterrasenplatz im Rotenburger Ahe-Stadion: Seit CDU-Mitglied Rolf Ludwig vor über einem Jahr seine zweckgebundene 250 000-Euro-Spende angekündigt hat, wird das Thema heißer denn je diskutiert. Der Rotenburger SV als Hauptnutzer der Anlage will den Platz nicht, bevorzugt einen Kunstrasenplatz, für die Stadt wird der Eigenanteil zudem teurer als ursprünglich gedacht. Gesamtkosten mit Flutlichtanlage und Ballfangzaun 610 000 Euro, heißt es in einer Vorlage, über die am Donnerstagabend ab 20 Uhr in öffentlicher Sitzung im Luicia-Schäfer-Saal der Stadtrat abstimmen soll. Kritiker befürchten zudem Folgekosten in Millionenhöhe.

Frank Holle und Torsten Oestmann dürfen nicht mitentscheiden, aller Voraussicht einer von beiden muss sich aber künftig um den Platz kümmern. Beide wollen im Herbst Nachfolger von Bürgermeister Andreas Weber (SPD) werden, und die Meinungen von Holle (CDU) und dem parteilosen, von SPD und Grünen nominierten Oestmann könnten kaum unterschiedlicher sein.

Holle spricht von „Experiment“

Die Gegensätze verlaufen dort, wo sie auch weitgehend parteipolitisch im Rat verortet sind. Holle betont, 45 Jahre Erfahrung als Fußballspieler, -trainer und Schiedsrichter zu haben, und aus dieser heraus könne er sagen, dass es kein Rasenplatz aushalte, wenn er bei Regen und Schnee im Herbst und Winter bespielt werde. Erfahrungen mit einem Winterrasenplatz gebe es in Norddeutschland nicht. Das „Experiment“ sei abzulehnen, zumal der diesem kritisch gegenüberstehende RSV im Notfall auch nicht mehr auf den Grandplatz zurückgreifen könnte. Die Spende hätte man in anderen sozialen Bereichen gut einsetzen können, Ludwig wäre sicher gesprächsbereit gewesen. Holle hätte sich auch gewünscht, dass Rotenburg so vorgegangen wäre, wie er es aus seiner Tätigkeit als Samtgemeindebürgermeister in Tarmstedt kenne: „Der Rat beschließt über ein Vorhaben und bemüht sich erst danach um Zuschüsse, Spenden usw.“ Holle: „Im hier vorliegenden Fall war die Vorgehensweise offensichtlich eine andere, zudem wurde die Meinung des Hauptnutzers des Platzes, des RSV, aus meiner Sicht nicht hinreichend beachtet. Es ist letztendlich die Entscheidung des Stadtrates, ob man sich durch zweckgerichtete Spenden in seiner Arbeit beeinflussen lassen möchte.“ Am Ende entscheide die Mehrheit - das müsse man dann akzeptieren.

Oestmann: Winterrasen günstiger und ökologischer

Oestmann dagegen, derzeit Polizeichef in Rotenburg, sieht keine Probleme beim städtischen Vorgehen. Erpressbar mache man sich nicht. „Ich bin mir sicher, dass man sehr wohl in der Lage ist, Spenden wie diese und alltägliches Verwaltungshandeln zu trennen.“ Auch sei das Geld aus dem Haushalt sinnvoll angelegt. „Wenn man die Erfahrungen anderer Vereine betrachtet, ist ein Winterrasen eine durchaus sinnvolle und nutzbare Alternative zum Kunstrasen. Hinzu kommt, dass er deutlich günstiger ist und vor allem die Umwelt nicht durch Abgabe von Mikroplastik und Entsorgung wie beim Kunstrasen belastet. Dem gegenüber steht ein höherer Wasserverbrauch und eine etwas geringere Belastbarkeit.“ Es seien in den vergangenen Monaten alle Argumente ausgetauscht worden, die nun in einer erneuten Ratsentscheidung für den Winterrasen mündeten.

Blick nach Sittensen

Interessant übrigens, dass beide auf Nachfrage zum Thema das Kunstrasenprojekt in Sittensen erwähnen. Der Modellversuch dort mit umweltverträglicheren Materialien ist für Holle Beweis, dass solch ein ganzjährig bespielbarer Platz ökologisch nachhaltig geschaffen werden könnte und für deutlich bessere Trainings- und Spielmöglichkeiten sorgen würde. Oestmann hingegen verweist darauf, dass man erst nach einigen Jahren der wissenschaftlichen Begleitung in Sittensen wisse, wie dieser neue Kunstrasen zu bewerten ist. Das sei auch mit dem Winterrasen in Rotenburg so. Zudem sei die Finanzierung über Fördermittel und Sponsoren dort anders gelagert. Für Oestmann ist klar: „Einen Kunstrasen halte ich derzeit und in absehbarer Zukunft nicht für finanzierbar, zumindest nicht aus Stadtmitteln.“

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