Wohl vorerst letztes Oberliga-Duell

Ein emotionsloses Derby: TuS Rotenburg gewinnt 27:19 gegen Bremervörde

+
Artistisch versucht Lukas Misere, mit einem direkten Neunmeter Bremervördes Abwehr zu überlisten.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Ginge es allein nach den verhängten Strafen in diesem Spiel, dann hätten die 300 Zuschauer in der Pestalozzihalle ein umkämpftes Derby zu sehen bekommen. Auf jeder Seite eine Rote Karte, zusammengezählt zwölf Zwei-Minuten-Strafen und 15 Siebenmeter - das spricht eigentlich für ein knüppelhartes Duell. War es aber nicht! Fast schon emotionslos ging es beim 27:19 (12:9) des TuS Rotenburg gegen das Schlusslicht TSV Bremervörde zu. Einzig die Referees Enrico Marcks und Manuel Morgenstern (VfL Rastede) vermittelten mit ihren Pfiffen den Eindruck eines unfairen Spiels.

Einige Fans aus Bremervörde, die es sich ganz hinten und oben gemütlich gemacht hatten, versuchten anfänglich noch zu provozieren. „Misere raus“, riefen sie immer wieder im Chor in Richtung des Rotenburger Goalgetters Lukas Misere. Insgesamt war es aber auch auf den Rängen ungewohnt leise - im Gegensatz zu den bisherigen Nord-Süd-Vergleichen. 

Hallensprecher und Teammanager Michael Polworth sah sich sogar mehrfach dazu veranlasst, die Zuschauer zu animieren: „Leute, es ist Kreisderby. Da muss es auf der Tribüne laut sein!“ Doch die gedämpften Emotionen auf dem Feld übertrugen sich scheinbar. Fast so, als hätten alle Mitleid mit dem personell arg gebeutelten ehemaligen Zweitligisten. „Es ist unheimlich schwierig, gegen eine Mannschaft zu spielen, die aufgrund der Verletzungen so zusammengewürfelt ist“, stellte wiederum Rotenburgs Coach Nils Muche fest. „Außerdem hat Bremervörde es super gemacht und eine gute Deckung hingestellt.“

Und wieder ist er drin: Luka Bruns dreht jubelnd ab, Bremervördes Keeper Steffen Krange holt den Ball.

Auch Thomas Koch, der zum Saisonende als Trainer der Gäste ausscheidet, attestierte seiner Not-Formation einen ordentlichen Auftritt: „50 Minuten haben wir gut mitgemacht, am Ende waren wir zu unkonzentriert und sind in die Konter gelaufen. Die Niederlage ist vier Tore zu hoch ausgefallen.“ 

Für ihn selbst war es übrigens eine Premiere: Nie zuvor hatte der frühere Bundesligaspieler des VfL Fredenbeck in Rotenburg verloren - weder vergangene Saison mit Bremervörde noch zu Verbandsligazeiten mit dem TV Langen. „Unser Ziel war es, langsam zu spielen und die Lücken zu finden. Das war okay“, fand auch sein Rückraumspieler Benjamin Nijland, der erstmals auf der Mittelposition ran musste. Bester Werfer der Grün-Roten war indes der Rückraumlinke Karol Moscinski (12/8), der unmittelbar vor dem Anpfiff auf Anweisung der Unparteiischen noch sein eingerissenes Trikot hatte wechseln müssen.

Jens Behrens (am Ball) feierte sein Comeback.

Bei Rotenburg traf Sören Heyber aus dem Spiel heraus am besten - fünf Mal hämmerte er den Ball ins Tor, bevor er sich mit der dritten Zeitstrafe verabschiedete (50.). Nach 20 Minuten hatte ihn zwischenzeitlich Jens Behrens auf der Halbposition abgelöst und sein Comeback nach einer Schultereckgelenkssprengung - erlitten im September im Hinspiel - gefeiert. Sieben Minuten war Behrens im Spiel, da traf er bereits. „Er hat gut trainiert und hilft uns mit seiner körperlichen Präsenz“, meinte Muche, während Behrens fand: „Es war ganz gut, aber ich bin noch ein wenig aus der Übung.“

Bester Mann beim Tabellensiebten war in einem durchwachsenen Spiel Keeper Yannick Kelm, der Bremervörde mit seinen langen und tödlichen Pässen zusetzte. Beim 17:21 durch Moscinski kamen die Gäste letztmals heran (53.), dann parierte Kelm nach einem Gegenstoß gegen Nijland, während Rotenburg vorne vollstreckte. Die Rote Karte gegen Bremervördes Kevin Schröder in der Schlusssekunde war da nur eine Randnotiz.

„Meine Jungs haben noch Potenzial nach oben“, sah auch Muche nur einen kleinen Aufwärtstrend - und weiß, dass es einer weiteren Steigerung bedarf, um die SG Achim/Baden am Donnerstag im Nachholspiel an gleicher Stelle zu bezwingen.

Das könnte Sie auch interessieren

Deutschland will mehr für Verteidigung tun

Deutschland will mehr für Verteidigung tun

Tausende Schüler demonstrieren gegen Klimawandel

Tausende Schüler demonstrieren gegen Klimawandel

Feuer in Dörpel: Kartoffelhalle in Flammen

Feuer in Dörpel: Kartoffelhalle in Flammen

Ein Hauch von Frühling: Raus aus der Winterjacke

Ein Hauch von Frühling: Raus aus der Winterjacke

Meistgelesene Artikel

Ein starkes Viertel genügt den Hurricanes in Berlin - 72:66-Erfolg

Ein starkes Viertel genügt den Hurricanes in Berlin - 72:66-Erfolg

GW Rotenburg fertigt TSC Göttingen mit 5:1 ab

GW Rotenburg fertigt TSC Göttingen mit 5:1 ab

Hurricanes-Reserve dominiert Spitzenspiel gegen Osnabrück - 68:46

Hurricanes-Reserve dominiert Spitzenspiel gegen Osnabrück - 68:46

TuS Rotenburg empfängt Achim/Baden

TuS Rotenburg empfängt Achim/Baden

Kommentare