Einstimmig für den Winterrasen

Das ist ein Meilenstein, ein Pilotprojekt.Rolf Ludwig, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine (ARS)

Mehr als 20 Jahre Diskussionen sind vorüber. Der Rotenburger Stadtrat hat eine Entscheidung getroffen: Für den Winterrasenplatz im Ahe-Stadion, gegen eine Kunststoffvariante. Zustande kommt das Projekt durch eine Spende der Rolf-Ludwig-Stiftung.

Rotenburg – Er ist der Mann der Stunde, am Ende steht der Rotenburger Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstagabend geschlossen auf und applaudiert einem sichtlich gerührten Rolf Ludwig. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine (ARS) übernimmt mit seiner gleichnamigen Stiftung die Kosten für den geplanten Winterrasenplatz im Ahe-Stadion, die nicht durch Fördermittel abgedeckt werden. Einstimmig hat sich der Stadtrat dafür ausgesprochen, diese Spende anzunehmen.

Seit mehr als 20 Jahren werde diskutiert, verkündete Bürgermeister Andreas Weber (SPD) eingangs. Dabei sei es zunächst um die Frage gegangen, ob für die Fußballer in der Ahe ein Kunstrasenplatz geschaffen werden solle. Viereinhalb Sportplätze mit Naturrasen weist das Stadion auf, doch bei schlechtem Wetter sind diese oft lange nicht bespielbar, wenn sich auf den Flächen der Regen sammelt. Nicht selten mussten Spiele abgesagt werden. Gemeinsam mit Experten wurde erörtert, welche Möglichkeiten es gibt, auch in solchen Zeiten den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Mit dem Ratsbeschluss im November 2018 war klar: Der Grandplatz soll umgewandelt werden. 2019 sollte sowohl ein Kunstrasen-, als auch ein Winterrasenplatz näher angeschaut werden. Doch dann folgte im Februar eine unerwartete Wende: Rolf Ludwig verkündete bei der Sportlerehrung, dass er der Stadt einen Winterrasenplatz schenken wolle. „So etwas hat es bislang noch nicht gegeben, das ist eine große Chance – für die Stadt und den Sport“, erklärte Weber.

Doch musste erst geprüft werden – auch mit der Kommunalaufsicht –, ob die Stadt eine Spende in dieser Höhe annehmen darf. Die Kosten liegen voraussichtlich bei 250 000 bis 300 000 Euro. Für Weber war klar: „Das ist eine große Entlastung für unseren Haushalt.“ Zumal auch dem Schulsport dadurch „großartige Möglichkeiten“ gegeben werden.

Es scheint, als hätte der Naturrasen bereits Besitz vom Grandplatz ergriffen. Ganz so weit ist es zwar noch nicht – doch der Winterrasen kommt. 

Viele Punkte seien nach dem Angebot erörtert worden – die Trainingsmöglichkeiten, die Belastung von Plätzen. Letztlich habe eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ergeben: Ein Kunstrasenplatz hätte mehr Kosten pro Jahr verursacht. Mit einem Winterrasenplatz könnte der Bedarf der Sportler gedeckt werden. Das nun auserwählte Naturprodukt muss zwar häufiger bewässert werden, ist aber robuster als ein herkömmlicher Rasenplatz. Aufgrund des sandigen Untergrunds versickert mehr Regen als gewöhnlich.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen über Mikroplastik und dessen Auswirkungen sei Rotenburg damit zukunftsorientiert aufgestellt. „Wir betreten damit in Norddeutschland Neuland und treffen eine zukunftsweisende Entscheidung“, so Weber. Dem Gedanken folgten die Ratsmitglieder. An diesem Abend herrscht größtenteils Einigkeit. Elisabeth Dembowski (Grüne) lobte das Engagement aller Beteiligten und sprach aus, was wohl viele dachten: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Ihre Fraktion hätte sich früh gegen einen Kunstrasenplatz ausgesprochen, er sei zu teuer und ökologisch nicht vertretbar. Zudem habe die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) einen Beschränkungsvorschlag gemacht, mit dem bewusst zugesetztes Mikroplastik verboten werden soll – dazu zählt der Füllstoff von Kunststoffrasensystemen, die damit auf längere Sicht nicht mehr genehmigt würden. Daher kommt die Stadt „mit einem blauen Auge davon“, war sie sicher.

Den Umweltgedanken rückte auch Rolf Klammer (SPD) in den Vordergrund: „Bezüglich der Entsorgung eines Kunstrasenplatzes und der Problematik durch Mikroplastik wird die Kritik immer lauter.“

Eine Ausnahme machte Klaus Rinck (CDU): Er betonte zwar auch, dass seine Fraktion sich über die Spende freue, denn die Verbesserung des Platzes „verdiene den größten Respekt“. Doch mahnte er an, dass der Winterrasen ein Versuch, ein Testlauf sei. „Das Wasser versickert schneller, aber wir müssen gucken, wie das in unseren nördlichen Breiten funktioniert.“ In trockenen Sommermonaten könnten nicht Tonnen an Wasser draufgekippt werden, um die Grasnarbe zu erhalten: „Das kann nicht die Lösung sein.“ Der Praxistest werde zeigen, wie sich der Winterrasen schlägt. „Es gibt Alternativen zum Gummigranulat. Der Kunstrasen ist aus unserer Sicht noch nicht vom Tisch“, betonte Rinck.

Am Ende erhielt Rolf Ludwig das Wort und betonte, dass der Bau eines Winterrasenplatzes für ihn ein Herzenswunsch sei: „Ich bin fast 60 Jahre für den Sport tätig, habe viele Entscheidungen mitgetragen. Das ist ein Meilenstein, ein Pilotprojekt.“ Es sei ein steiniger Weg gewesen, der nun dem Ende entgegen geht. Im nächsten Schritt solle „Rasenpapst“ Clemens Mehnert aus Mindelheim im Allgäu das Projekt umsetzen. Das Geld hat Ludwig bereits angewiesen. Mit der Fertigstellung rechnet der Geldgeber im Sommer 2020.

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