Oberligaspieler zieht Konsequenzen

Der Job geht vor: Rotenburger Tobias Kirschke nimmt Corona-Auszeit vom Fußball

Tobias Kirschke ist Fußballer durch und durch – er sieht aber auch seine Verantwortung in der aktuellen Zeit.
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Tobias Kirschke ist Fußballer durch und durch – er sieht aber auch seine Verantwortung in der aktuellen Zeit.

Rotenburg/Verden – Tobias Kirschke war einer der Ersten – und er ist einer von wenigen Fußballern, die schon vor dem Lockdown beschlossen hatten, während der Corona-Pandemie bis auf Weiteres nicht mehr aufzulaufen, sondern komplett auszusetzen. Anfang Oktober traf der Oberligaspieler des Rotenburger SV diese Entscheidung. Bis zu seiner Rückkehr hält sich der 31-jährige Mittelfeldspieler, der als Geschäftsleiter für das Personalmanagement bei der Verdener Firma Block Transformatoren-Elektronik in einer Führungsposition tätig ist, mit Laufeinheiten fit. Im Interview begründet er seine Auszeit und spricht darüber, wann er auf den Platz zurückkehren wird.

Vorerst kein Fußball – haben Sie diesen Entschluss aus Sportlersicht oder aus Sicht ihres Jobs getroffen?

Ich habe Anfang Oktober gesagt, dass ich erst mal nicht mehr zur Verfügung stehe. Ich sehe als Personalchef schon vieles aus Arbeitgebersicht. Da fand ich aus mehreren Gründen, dass es richtig war, diesen Schritt zu gehen. Auch wenn es mir schwergefallen ist, nur zuzugucken und nicht mitzuhelfen. Aber es war die richtige Entscheidung.

Sie arbeiten in Verden, zu der Zeit war der dortige Landesligist FC Verden 04 von mehreren positiven Fällen betroffen. Inwieweit hat Sie das beeinflusst?

Dadurch, dass die Sache in der Region in Verden wieder begonnen hatte, wurde es auch hier wieder viel präsenter. Wir sind ein familiäres, produzierendes Unternehmen und gehen da sehr offen mit dem Thema um.

Können Sie konkret sagen, was für Sie den Ausschlag gegeben hat?

In der Summe waren es drei Gründe. Zum einen die Vorbildfunktion. Ich erwarte von unseren Mitarbeitern, dass sie mit viel Vorsicht agieren, auch in ihrem privaten Umfeld. Dann muss ich es selbst auch tun. Gesellschaftlich fand ich es auch sinnvoll, den Schritt zu gehen. Gerade in der aktuellen Situation gibt es andere Bereiche, die eine höhere Priorität haben als der Fußball – wo es unter anderem um Existenzen geht, nicht um den Spaß wie beim Sport. Da gilt es dann, dass wir das Risiko für alle reduzieren. Und der dritte Punkt, der mir in der aktuellen Diskussion viel zu kurz kommt, ist die Selbstverantwortung von jedem. Viele haben gesagt, solange die Regierung nicht reduziert oder der Verband, spielen wir weiter. Wir dürfen aber nicht immer erwarten, dass die Regierung oder der Verband alles regelt. Jeder muss für sich selbst eine Entscheidung treffen, wenn er es für sinnvoll erachtet.

Wie hat die Mannschaft auf Ihre Auszeit reagiert?

Die komplette Mannschaft kann das nachvollziehen.

Und gab es Nachahmer?

Nein, nachgemacht hat es keiner, aber durch meine Entscheidung ist das Thema zumindest wieder präsenter geworden. Die Jungs sind dadurch wieder mehr sensibilisiert worden, nachdem im Sommer die Dramatik ja nicht mehr so da war. Ich denke, vom Gefühl her haben wir jetzt eine bessere Situation als Anfang des Jahres, weil wir inzwischen viele Erkenntnisse gewonnen haben. Umso wichtiger ist es aber auch, dass jeder seinen Beitrag leistet und seine persönlichen Interessen runterschraubt.

Inwiefern wurden Sie „von oben“ gebeten, auf Ihren Sport zu verzichten?

Das war ganz klar meine eigene Entscheidung.

Und wie handhaben Sie es als Vorgesetzter selbst mit Ihren Mitarbeitern?

Ich in meiner Position gebe an unsere Mitarbeiter weiter: Seid vorsichtig! Es wird nichts vorgeschrieben. Was ich aber erwarte, ist, dass sie eben mit einer gewissen Vorsicht agieren.

Also kein Verbot von Mannschaftssport?

Nein. Das wäre für mich auch der falsche Weg. Die Eigenverantwortung ist mir wichtig, jeder sollte verinnerlichen, dass er einen Beitrag leisten kann.

Gerade als Fußballer ist ja auch ohne Corona das Risiko vorhanden, sich zu verletzen und im Job auszufallen. Wo sehen Sie den Unterschied zur aktuellen Situation?

Bei einer Verletzung riskiere ich in erster Linie meine eigene Gesundheit, im Falle von Corona aber auch die anderer und deren finanzielle Situation. Das hat doch einen viel größeren Einfluss.

Bis Jahresende findet nun ohnehin kein Spiel mehr statt. Aber können Sie absehen, wann Sie auf den Platz zurückkehren? Wovon machen Sie es abhängig – von Inzidenzwerten oder von anderen Dingen?

Schwierige Frage. Darüber denke ich auch seit Wochen nach, wann ich es wieder vertreten kann. Wenn die Zahlen so hoch bleiben, werde ich Anfang des nächsten Jahres sicher auch nicht spielen. Es sind keine Kennzahlen, von denen ich das abhängig mache. Das sind viele Faktoren, die da reinspielen. Der Impfstoff ist da sicher auch ein Thema. Aber wenn sich das bis zum Sommer nicht deutlich geändert hat, werde ich auch bis zum Sommer nicht spielen.

Lesen Sie dazu auch, was Peter Grewe und Henning Schwardt (beide Grewe-Gruppe und RSV-Vorstandsmitglieder) sowie Rechtsanwalt Heiko Müller sagen.

Von Matthias Freese

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