Eine komplizierte Beziehung

Wie Trainer und Vereine im Kreis Rotenburg mit ungeimpften Spielern umgehen

Auf einem Impfausweis liegen ein Mini-Trikot und ein Mini-Fußball aus Pappe.
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Ein Impfnachweis ist aktuell Voraussetzung – nicht nur für Fußballer.

Es ist eine komplizierte Beziehung: Ungeimpfte Sportler dürfen aufgrund der aktuellen Corona-Verordnung weder trainieren noch spielen. Vereine und Trainer müssen vorerst ohne sie planen.

Rotenburg – Sie sind längst in der Minderheit – und trotzdem verzichten die Trainer nur ungern auf sie. Müssen sie jedoch. Aufgrund der aktuellen Corona-Verordnung dürfen ungeimpfte Spielerinnen und Spieler weder trainieren noch eingesetzt werden. Das gibt die geltende Warnstufe 3 in Niedersachsen vor. Oftmals betrifft es nur ein, zwei Spieler pro Team – und doch stellt sich den Verantwortlichen in den Vereinen die Frage: Wie gehen sie mit dieser Situation um? Die meisten jedenfalls relativ gelassen.

Der BSV Kickers Emden hatte im Dezember ein echtes Personalproblem: Weil gleich sechs Akteure nicht vollständig geimpft waren, musste der Fußball-Oberligist in den beiden Spielen vor der Winterpause ohne sie auskommen. Den drei niederländischen Goguadze-Brüdern kündigte der Verein deshalb vor einigen Tagen die Trennung an, sie suchen nun im Internet über das soziale Netzwerk LinkedIn nach einem Verein, der ungeimpfte Spieler aufnimmt.

RSV-Präsident: Kein Einsatz, kein Geld

Diese Sorgen hat der Rotenburger SV, Ligakonkurrent der Emder, nicht. Präsident Peter Grewe berichtet lediglich von einem Spieler im Kader, der nicht geimpft sei, allerdings momentan keine Stammkraft. „Für mich unverständlich, aber er muss mit den Konsequenzen leben“, sagt er. Heißt: Kein Fußball, aber auch keine Entlohnung, die in der Oberliga ja üblich ist. „Da sind wir konsequent. Wenn einer nicht spielen kann, kann er auch kein Geld kriegen“, betont Grewe.

Von aktuell zwei Akteuren ohne Impfnachweis erzählt Dariusz Sztorc, Trainer des TV Sottrum, bei seinem Fußball-Bezirksligisten. Einer davon hat sich mittlerweile aber umentschieden, wie der Spieler auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte. Er wolle sich noch diese Woche impfen lassen. Er sei „fußballverrückt“ und es werde ihm „sehr weh tun“, hatte sein Coach schon vermutet, aber auch erklärt: „Ich versuche, keinen der Spieler zu überzeugen. Hätte ich fünf ungeimpfte Spieler, hätte ich sicherlich nicht so entspannt reagiert.“ Sztorc freut sich jedenfalls über jeden, der sich impfen lässt „und die gesellschaftliche Verantwortung übernimmt“.

Visselhövede: Der „nette Hinweis“ der Mitspieler bleibt erfolglos

Größere Probleme, dass Mannschaften aufgrund von Personalnot wegen nicht geimpfter Spieler nicht antreten können (wie Bezirksligist RW Achim im Dezember), sind kaum zu erwarten. Eine ähnliche Quote wie der TV Sottrum haben viele andere Vereine. Trainer Vitalij Kalteis vom Kreisligisten FSV Hesedorf/Nartum bestätigt: „Wir haben einen, der nicht geimpft ist, der wartet auf einen bestimmten Impfstoff. Sonst sind alle durch.“ Thomas Heidler, Coach des Bezirksligisten VfL Visselhövede, hat ebenfalls einen Kicker in seinen Reihen. „Seine eigene Entscheidung“, betont er. Trotzdem gilt: „Dann ist er raus.“ Zwar habe es von den Mitspielern „schon mal einen netten Hinweis gegeben“ – aber ohne Erfolg.

Doch nicht nur im Fußball stellt sich den Trainern dieses komplizierte Beziehungsproblem. Auch die Tennisspieler des TC Grün-Weiß Rotenburg müssen deshalb auf einen ihrer Besten verzichten. „Jeder muss es für sich selbst entscheiden. Man redet zwar darüber, aber jede Seite hat ihre Meinung. Da lohnt es sich nicht, zu viel zu diskutieren“, findet Coach Zlatan Burina und hält weiter den Kontakt. Der gebürtige Bosnier macht seine Einstellung deutlich: „Ich bin dreimal geimpft – damit ist alles gesagt.“

Coach leitet wieder das Training bei Rotenburgs Handballern

Aufatmen können die Handballer des TuS Rotenburg: Seit Anfang Januar darf Coach Nils Muche nach seiner zweiten Impfung wieder das Training des Oberligisten leiten – pünktlich quasi zum Re-Start der Saison. Nach Auskunft von Teammanager Johann Knodel ist damit nur ein Kadermitglied weiterhin ungeimpft. „Wir müssen uns an die Regeln halten, also darf er Stand jetzt nicht spielen“, sagt er und berichtet: „Viele aus der Mannschaft haben sogar schon ihren dritten Piks bekommen.“

So auch bei den Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes, die bereits seit einiger Zeit eine 100-Prozent-Impfquote vorweisen und inzwischen mehrere Geboosterte dabei haben. „Auch unsere beiden Amerikanerinnen“, verrät Vorstandsmitglied Utz Bührmann.

Impfen ist Privatsache, aber das Internet öffnet Tür für Spekulationen

Von den Ungeimpften möchte übrigens kaum jemand über seine Gründe und die (sportlichen) Konsequenzen sprechen – auch aus Angst, „gebrandmarkt“ zu werden. Ob eine Spielerin oder ein Spieler geimpft ist oder nicht, ist Privatsache, eine Impfpflicht besteht aktuell nicht. Doch spätestens, wenn ein Akteur längerfristig und ohne Begründung in der im Internet veröffentlichten Aufstellung fehlt, beginnt das Spekulieren. Damit wird die Gardine der Anonymität dann ein Stück weit aufgezogen.

Was aktuell für den Sport gilt

Niedersachsen befindet sich aktuell in der landesweit festgelegten Warnstufe 3, und das voraussichtlich auch noch länger. Das bedeutet, dass Sport im Innen- wie auch Außenbereich unter die 2G-plus-Regel fällt. Bei einer Begrenzung auf zehn Quadratmeter pro Person ist 2G möglich. Eine vollständige Impfung ist also Voraussetzung. Auch bei einer Herabsetzung auf Warnstufe 2 gilt weiterhin mindestens 2G, erst in Warnstufe 1 kann unter freiem Himmel wieder auf 3G umgestellt werden, in Innenräumen bleibt weiter 2G.

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