Diskussion über Pläne des NFV

RSV-Physiotherapeut Pascal Hein sieht zweiwöchige Vorbereitungszeit kritisch

Pascal Hein geht mit Marcello Muniz vom Rotenburger SV gemeinsam vom Platz.
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Viel mehr als nur der Mann mit der Eisbox: Physiotherapeut Pascal Hein (l.) kümmert sich seit dieser Saison um die Spieler des Rotenburger SV (hier Marcello Muniz) und versorgt sie auch während der Auszeit mit Übungen.

Der NFV plant für den Re-Start der unterbrochenen Saison eine Vorbereitungszeit von zwei Wochen. RSV-Physio Hein bezieht im Interview dazu Stellung.

Rotenburg – Der Aufschrei bei manchen Vereinen ist groß: Zwei Wochen Vorbereitungszeit sollen reichen, bevor es wieder in den Punktspielbetrieb geht – so hat es der Niedersächsische Fußballverband (NFV) beschlossen. Doch reicht diese Zeit nach inzwischen mehr als viereinhalb Monaten ohne Wettkampf tatsächlich aus oder erhöhte sich dadurch automatisch das Verletzungsrisiko?

Pascal Hein, Physiotherapeut bei den Oberliga-Fußballern des Rotenburger SV, stand Rede und Antwort, betont vorweg aber auch: „Es gibt mit Sicherheit Ärzte und Therapeuten, die dies anders sehen.“

Was halten Sie persönlich davon, dass der NFV seinen Vereinen nur zwei Wochen Vorbereitungszeit geben will?
Aus meiner Sicht sind die zwei Wochen zu kurz. Die Mannschaften können keine ausreichenden Vorbereitungen treffen. Gerade in den oberen Klassen wird das für manchen ein ziemlicher Belastungssprung, da es im Training oder Punktspiel nun doch wieder etwas rauer zugeht. Da sind zwei Wochen, wenn auch keine Testspiele gemacht werden – wird ja ein zeitliches Problem und auch wegen der Hygienebestimmungen – ein zu geringer Zeitraum. Der Großteil der Spieler hat natürlich den eigenen Anspruch, so viel wie möglich selbst zu machen. Die Frage ist da aber auch, wer welche Möglichkeiten hatte. Um sich über einen so langen Zeitraum auf dem Level zu halten, bedarf es ein ausgewogenes Training, was für viele ohne Fitnessstudio oder entsprechende Sporteinrichtungen schwer ist. Privat fehlen da oft der Platz oder die Utensilien. Dazu sind die Bedingungen, zum Beispiel Trainingshäufigkeit in den zwei Wochen Vorbereitung, schwer zu gestalten. Bei drei bis vier Einheiten lässt sich da noch was steuern. Darunter, was ja oft in den unteren Klassen der Fall ist, wird es schwieriger. Dazu kommt die Frage, inwiefern in der Zeit Ärzte oder auch Therapeuten zur Verfügung stehen, damit man auf eventuell kurzfristige Probleme einzelner Spieler reagieren kann.
Ist die kurze Vorbereitungszeit nur für höherklassige Teams problematisch oder auch für ein Kreisliga-Team?
Ja, durch die angesprochenen Faktoren könnte es vielleicht auch für unterklassige Teams ein Problem in der Vorbereitung werden. Die Wettkampfbelastung ist aber wahrscheinlich höherklassig größer.
Was sind aus sporttherapeutischer Sicht die größten Gefahren für den Körper?
Durch den schnellen Anstieg der Belastung und eventuell eines unausgeglichenen Trainings in der Pause kann ich mir vorstellen, dass es zu Muskelverletzungen oder Bänder- und Gelenksproblemen bei Knien und Sprunggelenken kommen kann. Gerade auch Spieler, die vorher schon Probleme in diesen Bereichen hatten.
Was können die Spieler denn tun, um eben diesen Verletzungen vorzubeugen?
Im Training nicht nur Schwerpunkte auf Kraft und Ausdauer setzen. Koordination, Flexibilität/Beweglichkeit und funktionelle Übungen sollten Platz im Training finden. Einfaches Kraft- und Ausdauertraining alleine simuliert nicht das, was später auf dem Feld abgerufen wird.
Und wie haben Sie die Spieler des Rotenburger SV in den vergangenen Monaten „versorgt“?
Ich habe den Jungs viermal die Woche Übungen aus den erwähnten Bereichen in den Gruppenchat gestellt. Die konnten sie dann in ihr Training einfließen lassen.
Wie viele Wochen sollte das Teamtraining aus Ihrer Sicht vor dem Re-Start der Saison stattfinden?
Drei, besser vier Wochen wären schon ein vernünftiger Zeitraum, auch wenn das natürlich derzeit schwer ist, so lange vorweg zu planen. Um einen gewissen Rhythmus und damit auch Belastungsstabilität zu bekommen, bräuchte es etwas mehr Zeit.

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